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Aug
24

Fundstück der Woche: Aberglaube im Fußball – Top 5

Dass Rituale Sportlern Sicherheit geben, kann jeder Psychologe bestätigen. Nach Siegen immer die gleichen Sachen tragen ist ja noch vergleichsweise harmlos. Doch hin und wieder treiben es Athleten mit ihren Ritualen derart auf die Spitze, dass man eigentlich nur noch den Kopf schütteln möchte.

„Ich versuche vor dem Spiel immer das Gleiche zu machen. Erst den linken Schuh anziehen, dann den rechten. Dann den linken Stutzen, dann den rechten.“ (Miroslav Klose)

Platz 5: Gary Lineker – Keinen Treffer verschwenden

Stürmer gelten ja als besonders abergläubig. Gary Lineker, der englische Stürmerstar der 1980er Jahre, tat sich nicht nur bei seiner Trefferquote, sondern auch bei seinen Ticks deutlich hervor. So schoss er beim Warmmachen nie auf das Tor, um sich „die Treffer für das Spiel aufzusparen.“ In der Halbzeitpause wechselte er stets sein Trikot, wenn er in der ersten Hälfte nicht getroffen hatte. Und nach jedem Spiel ohne Torerfolg ging Lineker zum Friseur.

Platz 4: Kolo Touré – Ein Mann mit Prinzipien

In den Regelbüchern des Fußballs steht geschrieben, dass die Mannschaftskapitäne als erste Spieler ihrer Teams das Spielfeld zu betreten haben. Den anderen Spielern steht die Reihenfolge frei. Doch so mancher Spieler MUSS wegen seines Aberglaubens zwingend an einer bestimmten Position auflaufen. Zu dieser Gattung zählt Kolo Touré. Der Nationalspieler der Elfenbeinküste hat sich angewöhnt, als letzter Spieler seines Teams den Rasen zu betreten. Und daran hält er auch konsequent fest.

Problematisch wurde es für Touré allerdings im Achtelfinalspiel der Champions League 2008/09 zwischen seinem damaligem Arbeitgeber Arsenal London und dem AS Rom. Tourés Mitspieler William Gallas hatte sich kurz vor der Halbzeitpause verletzt und wurde noch in der Kabine behandelt, als der Schiedsrichter bereits zur zweiten Hälfte anpfeifen wollte.

Touré wollte jedoch keinesfalls als Vorletzter auf das Feld. Was passierte also? Logisch, seine Teamkollegen mussten kurzzeitig mit neun gegen elf spielen. Erst als Gallas wieder hergestellt war, betrat auch Touré als elfter Arsenal-Spieler das Spielfeld. Die „Gunners“ setzten sich übrigens trotzdem (oder gerade deswegen?) gegen die Roma durch. Touré wurde bald darauf zu Manchester City transferiert. Ob es da einen Zusammenhang gibt…?

Platz 3: Der Katzenfluch von Buenos Aires

Schön ist auch folgende Geschichte aus Südamerika. In den 1950er und 1960er Jahren war der Racing Club de Avellaneda eines der Top-Teams des südamerikanischen Kontinents. Das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte erlebte der Verein aus dem Großraum Buenos Aires im Jahr 1967, als man die Copa Libertadores und den Weltpokal gewinnen konnte.

Das schmeckte jedoch nicht jedem. Aus Frustration über die Dominanz von Racing vergruben im selben Jahr Fans des Lokalrivalen Independiente in einer Nacht- und Nebelaktion sieben tote Katzen im Stadion von Avellaneda. Was man in Europa moralisch verurteilen oder zu einem Fall für den Tierschutz erklären würde, bewirkte im für Voodoo und Aberglauben anfälligen Südamerika folgendes: Avellaneda fühlte sich verflucht und rutschte in der Folge sportlich ab.

Um dem Bann ein Ende zu machen, gruben nach ein paar Jahren Fans und Offizielle das Spielfeld um. Sie fanden allerdings nur sechs tote Katzen. Das reichte scheinbar nicht, die sportliche Talfahrt hielt an und konnte selbst durch den Einsatz von Priestern nicht gestoppt werden. Um die Jahrtausendwende, mittlerweile war man bereits über 30 Jahre ohne Titel, stand Avellaneda sogar kurz vor dem Bankrott. Der Schuldige war ausgemacht: die verfluchte siebte Katze.

Der Verzweiflung nahe, packte man noch einmal die Schaufeln aus und grub nicht nur das Spielfeld, sondern im Grunde das gesamte Stadionareal um, bis man die siebte Katze schließlich gefunden hatte. Der „Fluch“ war besiegt. Und Racing wurde – logisch – bereits in der Folgesaison argentinischer Meister.

Platz 2: Raymond Domenech – Es steht in den Sternen

Frankreich wurde 2006 Vize-Weltmeister. Dazu Chapeau! Nun werden einige sagen, dass dieser Erfolg vor allem dem brillanten Altmeister Zinédine Zidane zu verdanken war. Da mag etwas dran sein. Doch womöglich gibt es auch eine andere Erklärung: Schließlich stellen die Nationaltrainer die Kader zusammen. Und die haben oft ihre ganz eigenen Kriterien. Ganz besonders der französische…

Raymond Domenech, mittlerweile geschasster „Sélectionneur“, richtete bereits bei seiner offiziellen Präsentation als französischer Nationaltrainer folgende Worte an die versammelte Presse: „Mein Name ist Raymond Domenech. Ich trainiere ab sofort unsere Nationalmannschaft und bin Wassermann, Aszendent Jungfrau.“ Das mag der eine oder andere noch als launige, ironische Note verbucht haben, doch für Domenech war die Astrologie bitterer Ernst. Beispiel gefällig?

Zur WM 2006 soll Domenech den damaligen Arsenal London-Star Robert Pires deswegen nicht berücksichtigt haben, weil Pires‘ Tierkreiszeichen Skorpion für Individualismus und eben nicht für Teamgeist stünde (Zitat: „Die bringen sich am Ende gegenseitig um“). Auf der anderen Seite standen im Finale gegen Italien beim Anpfiff vier Krebse auf dem Platz. Diese gelten als sehr mannschaftsdienlich. Wobei man auch einwenden könnte, dass die beiden Krebse Zidane und Vieira wahrscheinlich auch mit einem anderen Sternzeichen erste Wahl gewesen wären…

Platz 1: Horst Ehrmantraut und die „Bad Vibrations“

Auch wenn man glaubt, dass es kaum schräger geht, hat sich tatsächlich jemand vor Domenech platzieren können: Horst Ehrmantraut, früherer Kulttrainer des SV Meppen, welcher in den 1990er Jahren das Schreckgespenst für jeden vom Abstieg bedrohten Erstligist war („Nächstes Jahr bloß nicht nach Meppen!“). Doch nicht deswegen ist er meine Nummer eins, sondern wegen einer tollen Episode aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt (7/1997-12/1998).

1997/98 war Ehrmantraut noch der gefeierte Held beim Wiederaufstieg der Eintracht ins Oberhaus. Im Jahr darauf lief es aber nicht allzu gut an in der 1.Liga, im Herbst 1998 wurde die Luft bereits dünn für den Trainer. Und der reagierte eigenwillig auf die Krise: So saß Ehrmantraut während der Spiele nicht auf der Bank, sondern in einem weißen Billig-Plastikstuhl aus dem Baumarkt. Begründung: Er könne von dort aus die Spieler besser fixieren. Außerdem würde durch den Stuhl sein Energiefeld nicht gestört.

Apropos Energiefeld: Irgendwann verwehrte Ehrmantraut seinem Co-Trainer Bernhard Lippert den Zutritt zur Mannschaftskabine. Begründung: Lippert strahle „negative Energien“ aus. Bald darauf war Horst Ehrmantraut entlassen, sein Nachfolger wurde – zumindest interimsmäßig – Bernhard Lippert. Doch auch der wurde bald „entsorgt“. Im Gegensatz zu Ehrmantrauts Plastikstuhl. Den kann man heute im Eintracht-Museum in der Frankfurter Arena bestaunen.

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