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Apr
16

Fußball bleibt der König: Das TV-Verhalten der Deutschen

Viele Sportarten klagen über rückläufige Einschaltquoten im Fernsehen. Das hat nicht allein etwas mit sinkender TV-Präsenz zu tun. Allein „König Fußball“ widersteht dem Zeitgeist.

Fußball ist in Deutschland Volkssport Nummer eins. Selbst in Zeiten des Misserfolgs, wie Anfang der 2000er Jahre, sorgte die Nationalmannschaft konstant für Einschaltquoten in zweistelliger Millionenhöhe. Beim Gewinn des vierten WM-Titels am 13. Juli 2014 saßen durchschnittlich sogar 34,65 Millionen Menschen vor den TV-Geräten – Allzeitrekord in der Bundesrepublik.

Und dieser Rekord wird wohl für alle Zeiten bestehen, denn das Fernsehen steht an einer Zeitenwende. Legale und illegale Streaming-Portale sowie Mediatheken erlauben den Menschen den Konsum von Serien, wann immer sie es wünschen. Auch ist man längst nicht mehr an den Fernseher als Medium gebunden. Notebook, Netbook, Tablet oder Smartphone sind handlicher, immer dabei und stellen ihre Angebote zu jeder Zeit zur Verfügung. Quotenrenner oder Kultserien wie „Game of Thrones“, „House of Cards“ oder „Breaking Bad“ erhalten so eine ganz neue Plattform.

Beim Sport ist die Sachlage freilich eine etwas andere. Hier ist live immer noch live. Gerade bei einem WM-Finale gäbe es nichts Schlimmeres, als wenn der Nachbar bereits fünf Sekunden vor einem jubelt oder vor Verzweiflung schreit. Dennoch zieht dieser Umstand bei anderen Sportarten nicht mehr – selbst wenn diese nicht an TV-Präsenz eingebüßt haben.

Formel 1 fährt Einbußen ein, nur der Fußball bleibt oben

Die Formel 1 etwa, zu Zeiten von Michael Schumacher des Deutschen TV-Lieblingssport Nummer zwei, startete in die Saison 2015 mit einem eklatanten Minus gegenüber dem Vorjahr, das für den übertragenden Sender RTL mit „nur“ noch 4,36 Millionen Zuschauer bereits eines der schlechtesten Jahre überhaupt war.

Auch andere Sportarten klagen über rückläufige Zuschauerzahlen. Die Wintersport-Wochenenden zwischen Oktober und März mit teils zehnstündigen Live-Übertragungen ermüden ebenfalls viele Zuschauer. Manchen reicht es mittlerweile, sich in den Mediatheken kurze Zusammenschnitte „re-live“ anzuschauen und sich für den Live-Konsum die Rosinen wie Biathlon oder Skispringen herauszupicken.

Die Randsportarten sind zur Kreativität aufgefordert

In den meisten Sportarten gehen die sinkenden TV-Quoten aber auch mit abnehmender Präsenz im Free-TV einher. Besonders betroffen sind beispielsweise olympische Kernsportarten wie Handball, Schwimmen oder Leichtathletik. Hier ist weniger auch nicht mehr. Was also tun? Die Sportarten müssen in gewisser Weise selbst aktiv werden, um nicht nur aus dem Schatten des Fußballs zu treten, der die Massen mehr denn je polarisiert, sondern auch das junge Publikum stärker einzubinden und damit zu fesseln (etwa über Kanäle wie Facebook, Twitter, Instagram).

Und die Zuschauer? Auch sie können sich den geänderten Umständen anpassen. Eine Lösung besteht darin, Live-Übertragungen von Formel-1-Rennen oder Leichtathletik-Meetings aufzuzeichnen und sich diese später in Ruhe anzuschauen. Viele Fernsehgeräte bieten diesen Service bereits zum kleinen Preis, und erlauben sogar, dass parallel ein anderes Programm geschaut wird. So können Familienväter beispielsweise lästige Streitereien mit der Ehefrau umgehen. Weiterhin müssen sie sich an einem Sonntag nicht mehr zwischen einem Ausflug mit der Familie und dem Grand-Prix-Start in Monte Carlo oder Italien um 14 Uhr entscheiden.

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