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Dez
16

Fußballintelligent und polyvalent – Ein Plädoyer für Kevin Großkreutz

Spätestens mit seinem Siegtreffer zum 2:1 bei Olympique Marseille hat sich Kevin Großkreutz ins Rampenlicht geschossen. In Zeiten großer Verletzungssorgen beim BVB ist der Ur-Dortmunder aufgrund seiner Vielseitigkeit endgültig zum Schlüsselspieler aufgestiegen. Ein WM-Kandidat scheint er dennoch nicht zu sein – ein absolutes Unding!

Drei A-Länderspiele hat Kevin Großkreutz bislang bestritten. Beim 3:0 im Test-Kick gegen Malta kurz vor der WM 2010 feierte er sein Debüt, weil die Spieler des FC Bayern und von Werder Bremen aufgrund des DFB-Pokal-Finals nicht zur Verfügung standen. Er folgten weitere Einsätze in Freundschaftsspielen gegen Schweden im Oktober 2010 (0:0) und gegen Italien im Februar 2011 (1:1).

Eingesetzt wurde Großkreutz damals im zentralen offensiven Mittelfeld, als Rechtsaußen und als Linksaußen. In seinem Verein Borussia Dortmund hat er mittlerweile auch schon im defensiven Mittelfeld, als Linksverteidiger und – vornehmlich in dieser Saison – als Rechtsverteidiger gespielt. Sein Vereinstrainer Jürgen Klopp erwähnte am Rande des Marseille-Spiels sogar, dass Großkreutz für ihn auch „eine Option für die Innenverteidigung“ sei.

Stets zur vollen Zufriedenheit

Das Bemerkenswerte ist, dass Großkreutz seine Aufgabe auf fast jeder Position nach kurzer Eingewöhnungszeit überdurchschnittlich gut erfüllt hat. Würde man ihn häufiger ins Tor stellen, als „nur“ bei seiner Vertretung für den des Feldes verwiesenen Roman Weidenfeller am 34. Spieltag der Vorsaison gegen 1899 Hoffenheim, würde der 25-Jährige diesen Job vermutlich auch irgendwann zur allgemeinen Zufriedenheit bewerkstelligen.

Warum Großkreutz hinbekommt, was andere nicht schaffen? Klopp erklärte dies im Sommer mit der „ausgeprägten Fußballintelligenz“ des Spielers. Kevin Großkreutz ist weder technisch herausragend noch über die Maßen antrittsstark. Das ist allein aufgrund seiner Größe von 1,87 Metern und aufgrund seines Körperbaus auch fast unmöglich. Dafür verfügt er aber über den Instinkt, in vielen Situationen einfach von Natur aus richtig zu handeln. Dazu ist er eine Ausdauer- und Willensmaschine, die unermüdlich seine Seite rauf- und runtersprintet.

Potenzieller Problemlöser für Löw

Trotzdem war Kevin Großkreutz in den letzten 34 Monaten kein ernsthaftes Thema für den Bundestrainer – obwohl Joachim Löw gerade auf den defensiven Außenbahnen nicht gerade aus dem Vollen schöpfen kann. Deutschlands einziger Weltklasse-Außenverteidiger Philipp Lahm könnte bei der Weltmeisterschaft zudem zu einer Option für das defensive Mittelfeld werden, wenn auf dieser Position Engpässe drohen.

Tritt dieser Fall ein, hätte Löw auf der linken Abwehrseite die Wahl zwischen Großkreutz‘ Vereinskollegen Marcel Schmelzer und dem Hamburger Marcell Jansen. Rechts müsste, wie schon bei der EM 2012, eine Notlösung herhalten. Damals haben sich der gelernte Innenverteidiger Jerome Boateng und der gelernte defensive Mittelfeldspieler Sven Bender in dieser Rolle abgewechselt. Beide sind im kommenden Sommer wohl eher in ihren Stammrollen zu erwarten.

Klare Vorteile gegenüber Höwedes und Westermann

Weitere gelernte Innenverteidiger wie der Schalker Benedikt Höwedes und der Hamburger Heiko Westermann wurden ebenfalls bereits dort eingesetzt. Ihre Interpretation der Rolle war vorhersehbar: Zwar war die Seite meistens dicht, doch nach vorne ging nicht allzu viel. Kein Wunder, gehören Dynamik und ein feines Füßchen nicht unbedingt zu ihren Grundeigenschaften.

Löw ist dringend zu empfehlen, den Spieler Kevin Großkreutz für die WM ernsthaft ins Blickfeld zu nehmen. Und zwar auch dann, wenn Philipp Lahm tatsächlich auf seiner Stammposition als Rechtsverteidiger vorgesehen sein sollte. Immerhin bringt der Dortmunder als gelernte Offensivkraft eine gewisse Qualität in der Torvorbereitung und im Abschluss mit, die einer dominant auftretenden Mannschaft wie Deutschland gut zu Gesicht stehen würde.

Großkreutz hat zudem noch zwei weitere Vorteile gegenüber den anderen Wettbewerbern als Lahm-Backup: Er vereint enorme Polyvalenz mit einen unglaublich großen Kämpferherz. Kurzum: Großkreutz MUSS mit zur WM! Nur Sprechrollen in Werbespots sollte der DFB ihm nicht unbedingt zuweisen. So weit reicht seine Polyvalenz dann doch nicht.

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