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Nov
21

Fußballtrikots zwischen Ästhetik und Autsch

Für Fußballromantiker und Puristen sind harte Zeiten angebrochen. Kommerz ist das eine, aber wenn es an die Vereinsinsignien geht, wird die Treue vieler Anhänger doch arg strapaziert. Sogenannte Eventtrikots spalten die Anhänger.

Mit der fünften Edition seines Karnevalstrikots hat der 1. FC Köln in mehrerlei Hinsicht etwas richtig gemacht. Bei der Premiere des Ringel-Outfits am 10. November feierte der Zweitligist mit dem 8:1 gegen Dynamo Dresden seinen bislang höchsten Saisonsieg – und versetzte damit auch seine Fans in einen wahren Kaufrausch.

Das vom kölschen Anhang ohnehin positiv aufgenommene Jersey mit dem Motto „Ringelpiez zom Aanpacke“ ging nach dem Kantersieg am Tag vor der Sessionseröffnung wie warme Mutzenmandeln über die Ladentische der FC-Fanshops. Die zunächst vom Klub georderten 8000 Jerseys waren bald vergriffen.


Der „Effzeh“ hebt sich damit ab von vielen Konkurrenten in der 1. und 2. Bundesliga. Allerorten gehört neben dem Heimtrikot in den Traditionsfarben und einem Ausweichtrikot mittlerweile auch ein sogenanntes Eventtrikot oder Third Kit zum Standard. All diese Trikots werden von den Profiteams in unregelmäßigem Wechsel getragen. Mit dem simplen Ziel, dass die Fans idealerweise pro Saison sämtliche Hemden ihres Herzensklubs im Kleiderschrank haben und damit reichlich Geld in die Kassen des Klubs sowie des Ausrüsters spülen.

Eventtrikots nehmen traditionellen Jerseys den Lebensraum

Immerhin einige Fans fand das schlichte Retro-Trikot, mit dem der FC Augsburg Ende Oktober im Ligaspiel wohl nicht ganz zufällig gegen den Retortenklub RB Leipzig auflief. Doch die Sondereditionen der Trikots sind vielerorts eher ein Ärgernis. Vor allem für den eigenen Anhang, der immer häufiger die geliebten Farben nicht mehr sieht, wenn seine Mannschaft antritt.

Der FC Bayern etwa spielte vor einigen Jahren im „Wiesn Trikot“ in Weiß-Braun-Grün bei Schalke 04, das in derselben Partie nicht etwa im gewohnten Königsblau und Weiß auflief, sondern in den Farben der Stadt Gelsenkirchen: Mintgrün und Schwarz. Mittlerweile weichen die Knappen immer mal wieder auf die Farbkombination Giftgrün/Blau aus. Treffenderweise sind seither auch die Leistungen des Vizemeisters der abgelaufenen Saison zum Weglaufen.

Der VfB Stuttgart – traditionell in Weiß mit rotem Brustring unterwegs – legte sich in der Vorsaison ein sogenanntes Stadttrikot in schwarz-grauem Camouflage-Design zu. Kann man machen, muss man nicht.

Nun kann man sagen, dass wenigstens die traditionsbewussten Engländer bei den Trikotfarben und -designs keine Sakrilege begehen. Doch auch das gilt leider nur noch bedingt. So spielt Manchester United selbstredend beim Gros der Spiele ebenso in Rot wie der FC Liverpool. Doch die „Reds“ sind bei Auswärtsspielen mittlerweile in Lila mit orange gehaltenen Aufdrucken und Applikationen zu bestaunen,während United tatsächlich neuerdings ein Trikot in Babyrosa besitzt. Das ist natürlich alles ein Witz im Vergleich zum längst legendären „Schinken-Trikot“ des spanischen Klubs CD Guijuelo.

Zumindest bei den Heimtrikots stehen weiterhin die Faktoren Tradition und Wiedererkennung ganz oben auf der Agenda. Wer als Fan dazu beitragen will, dass das Stadion in den Vereinsfarben erstrahlt, ist gut beraten, sich dieses Trikot zuzulegen. Für alle Shopping-Faulen gibt es bei Unisport eine so große Auswahl an Trikots, dass jeder Fan fündig wird.

Der FC Barcelona wird wohl hoffentlich immer in Blaugrana (blau und dunkelrot) spielen, genauso wie Borussia Dortmund ohne Schwarz und Gelb nicht vorstellbar ist. Bei diesen Klubs können nur Experten und Hardcore-Fans die Trikots aus den vergangenen 20 Jahren präzise einer Saison zuordnen – weil sie sich so ähneln. So sollte es bei jedem Klub sein.

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