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Mrz
07

„Gelbsüchtiger“ Junuzovic: Der Ehrliche ist der Dumme

Weil Zlatko Junuzovic von Werder Bremen zugegeben hat, sich vorsätzlich eine Gelbsperre geholt zu haben, ermittelt der DFB. Ein weiteres Spiel Sperre droht.

13. Februar 2016: Im Bundesligaspiel Darmstadt 98 gegen Bayer Leverkusen (1:2) holen sich fünf Spieler der Lilien ihre fünfte bzw. zehnte Gelbe Karte der Saison ab. Die Folge: eine Sperre im nächsten Spiel gegen Meister Bayern München. 5. März 2016: Im Spiel Werder Bremen gegen Hannover 96 (4:1) provoziert der Bremer Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic in der 85. Minute durch wiederholtes Anlaufen vor Ausführung eines Gäste-Freistoßes seine fünfte Gelbe Karte und damit ein Spiel Sperre. Nächster Gegner der Bremer: Meister Bayern München.

Junuzovic machte allerdings einen „Fehler“: Anders als die Darmstädter, deren Bereitwilligkeit zur Sperre in einem Spiel ohne realistische Chance auf Punkte ein offenes Geheimnis war, gab der Österreicher Junuzovic am Sky-Mikrofon seinen Vorsatz zu: „Das war abgesprochen. Aber ich mache es lieber so, als jemandem weh zu tun.“

Dumm für Werder und Junuzovic: Der DFB-Kontrollausschuss geht nun dem „Verdacht des unsportlichen Verhaltens“ nach. Junuzovic und auch seinem Teamkollegen Clemens Fritz, der sich ebenfalls eine Gelbsperre abholte, droht nun ein weiteres Spiel Sperre. Strafe wegen Ehrlichkeit, wenn man so will. Frank „Mach et, Otze“ Ordenewitz anno 1991 lässt grüßen.

Fatales Signal: Ehrlichkeit darf nicht bestraft werden

Man kann es gewiss nicht gutheißen, dass sich vermehrt Spieler anscheinend vorsätzlich für vermeintlich nicht zu gewinnende Spiele sperren lassen. Sportlich ist das nicht – ganz abgesehen davon, dass es einmal Zeiten gab, in denen Duelle mit Bayern München die Highlights der Saison für jeden Bundesligaspieler waren.

Dennoch kann es nicht sein, dass ein „ehrlicher“ Kerl wie Junuzovic am Ende der Dumme ist, während andere mit ihren niederen Absichten schweigend davonkommen. Eine nachträgliche Bestrafung für ihn und Fritz würde unter diesen Umständen ein fatales Signal aussenden: Jeder Profi, der sich in Zukunft eine „strategische“ Gelbe Karte abholt, wäre zum Lügen verdammt.

Was können DFB und Vereine tun?

Der Fußball schreibt sich gern den Fair-Play-Gedanken auf die Fahne. Ist ein Spieler, der einen Vorsatz bei einer Gelbsperre zugibt, nicht fairer als einer, der diesen Vorsatz – auch wenn er völlig offensichtlich ist – bestreitet?

DFB-Interimspräsident Rainer Koch glaubt nicht zu Unrecht, dass eine nachhaltige Lösung des Problems nur von den Vereinen selbst ausgehen kann. „Die Frage ist, ob derartige Dinge, die offenbar beginnen einzureißen, überhaupt mit dem Mittel des Kontrollausschusses in den Griff zu bekommen sind“, sagte Koch am Sonntag bei Sky: „Ich appelliere an die Verantwortlichen der Klubs, dass sie mit den Spielern sprechen, dies zu unterlassen.“

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