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Apr
08

Geld verdienen leicht gemacht – Manchester Uniteds neuester Coup

Bis zur Übernahme durch US-Unternehmer Malcolm Glazer vor acht Jahren galt Manchester United als reichster Fußballverein der Welt. Auch heute noch macht der Klub der Konkurrenz vor, wie man an Geld kommt. Jüngstes Beispiel: Das Trainingsgelände Carrington Ground wird für die kommenden acht Jahre in „Aon Training Complex“ umbenannt. Eine Maßnahme, die United schlappe 180 Millionen Euro in die Kasse spülen wird. Es ist nur der vorläufige Schlusspunkt einer langen Tradition des Wohlstands.

Geld hat in Manchester eine lange Tradition. Die Stadt war eines der Zentren der „Industriellen Revolution“, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England ausbrach und sich über weite Teile Europas und Nordamerikas ausbreitete. Auch die Bezeichnung „Manchester-Kapitalismus“, unter der man die liberalste Form des Kapitalismus versteht, kommt nicht von ungefähr. Wen wundert es da, dass auch der in fußballerischer Hinsicht rote Teil der Stadt eine enge Beziehung zum Geld hat?

Moneybags United

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt Manchester United den Spitznamen „Moneybags United“, nachdem der schwerreiche Vorsitzende J.J. Davies mit dem Old Trafford im Jahr 1910 das seinerzeit modernste Stadion des Landes erbauen ließ.

Der ganz große Reichtum setzte in den 1990er Jahren ein, als das Merchandising immer bedeutender wurde. Manchester, das weltweit über mehr als 300 Millionen Fans verfügt – die meisten davon sind in Asien beheimatet –, brachte phasenweise ein halbes Dutzend Trikotsätze pro Saison (nicht selten in surreal wirkenden Farben) auf den Markt und verdiente sich mit Artikeln aller Art mit dem „Red Devil“-Logo eine goldene Nase.

Als Glazor kam, ging zunächst der Reichtum

Als der Verein von 2003 bis 2005 schrittweise von Malcolm Glazer übernommen wurde, war es auf einen Schlag vorbei mit den güldenen Zeiten. Der US-amerikanische Geschäftsmann, für den United ein reines Investment ist, schrieb nämlich 2005 clevererweise das zum Kauf aufgenommene Darlehen auf den Verein um, sodass die Red Devils seitdem jährlich knapp 100 Millionen Euro zur Tilgung aufwenden müssen.

Da ist es nur recht und billig, das Geld anderweitig wieder rein zu holen. So kassierte der Klub seit 2009 90 Millionen Euro von Trikotsponsor „AON“, von 2014 bis 2021 wird Automobilbauer Chevrolet unfassbare 450 Millionen Euro für den Platz auf dem Jersey springen lassen.

Auch abseits des Trikots war man umtriebig: 2011 verkaufte man die Brust seines Trainingstrikots (!) für sage und schreibe 46 Millionen Euro bis ins Jahr 2015 an „DHL“. Heute wurde der nächste Coup bekannt: Hauptsponsor „AON“ sicherte sich die Namensrechte des Trainingsgeländes Carrington Ground für die nächsten acht Jahre. Das Gelände wird in Zukunft „AON Training Complex“ heißen, Gesamteinnahme für die „Red Devils“: knapp 180 Millionen Euro.

Angesichts dieser Umtriebigkeit ist es umso erstaunlicher, dass Uniteds Heimstätte immer noch Old Trafford heißt und nicht „DHL Superdome“, „AON Arena“ oder sonst wie. Aber auch das ist irgendwie typisch für den englischen Fußball: Alles ist käuflich, doch die Namen der alten Traditions-Stadien bleiben unangetastet. Nur wer neu baut, macht sich die Namenssuche „leicht“: Er benennt die Arena nach dem Meistbietenden.

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