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Nov
10

Gewinnspieleinlösung – Legendäre „Siebener“ im Fußball

Derk, der Sieger des Aktives Abseits-Gewinnspiels im November, ist nach eigener Aussage Mitglied des – ich zitiere – „legendären Teams Dynamo Goldbroiler“, mit dem er drei Mal den prestigeträchtigen „Unicup“ der Universität Heidelberg gewonnen haben will. Dabei soll er stets das Trikot mit der Nummer 7 getragen haben. Aus diesem Grund wünscht er sich eine Hommage auf – ich zitiere abermals – „andere große Siebener der Fußball-Geschichte“…

Seit der Saison 1995/96 werden im europäischen Fußball vor einer Saison feste Rückennummern vergeben. Das führte teilweise zu eishockeyartigen Auswüchsen. So lief der italienische Weltmeister Gianluigi Buffon (wohlgemerkt ein Torhüter) phasenweise mit der Rückennummer 88 auf, sein derzeit wegen einer Herz-OP pausierender Landsmann Antonio Cassano trägt seit Jahren die 99 spazieren.

In der Fußball-Bundesliga ist es nicht ganz so extrem. Dort ist die 44 von Gojko Kacar (Hamburger SV) das höchste der Gefühle, seit Beginn der laufenden Saison müssen sich Neuzugänge für eine Nummer zwischen 1 und 40 entscheiden.

Nummern: fast nur noch Schall und Rauch

Langer Rede kurzer Sinn: Anhand der Rückennummer lässt sich die Stammposition eines Spielers oder seine Rolle im Team heutzutage kaum noch ablesen. Nur einige wenige Nummern konnten bis heute ihre alte Bedeutung konservieren. Da wäre die „1“, logisch, das Symbol für den Stammtorwart. Die „5“ geht auch heute noch oft an den Abwehrchef. Die „9“ trägt nicht selten der (erhoffte) Torjäger. Und auch die „10“ wird an keinen Nachwuchsspieler verliehen, sondern üblicherweise an einen Schlüsselspieler, vornehmlich aus dem offensiven Mittelfeld oder Angriff. Auch die Nummer „7“ hatte einmal eine bestimmte Bedeutung: Denkt man an diese Zahl, hat man technisch beschlagene, flinke Fußballkünstler vor Augen, die Freistöße, Flanken und Dribblings mit großer Virtuosität zelebrieren. Doch von diesem Bild wird man sich allmählich verabschieden müssen, wie einige der folgenden Beispiele zeigen. Schließlich funktioniert eine Hommage auch nur dann, wenn man zeigt, wie gut es einmal war.

Die deutschen Siebener: Litti, Scholli, Schweini… und Heintje

Wenn ich an die „7“ denke, kommt mir zuallererst Pierre Littbarski in den Sinn, der säbelbeinige Dribbelkünstler des 1.FC Köln und der deutschen Nationalmannschaft, der diese Nummer eine Dekade lang mit Leben füllte. Pierre Littbarski war vermutlich der erste Fußballer, dessen Namen ich mir als Knirps merken konnte – auch wenn die zehn Buchstaben seines Nachnames auf einen 4- oder 5-jährigen wie eine willkürliche Reihung von Lauten gewirkt haben müssen.

Wäre ich Jahrgang 1971 statt 1981, hätte es mir vermutlich Gerd Müller angetan. Dessen Name wäre leichtere Kost gewesen. Sei’s drum: Schließlich weiß ich heute, dass Sportler einen Nachnamen auf „ki“ haben müssen, wenn sie zu meine Verehrung wollen: Littbarski, Podolski, Nowitzki… Auch wenn die beiden letztgenannten ohne die Nummer 7 auskamen. Und anders als Littbarski (bislang) auch keinen WM-Titel gewonnen haben.

„Littis“ Nachfolger im Trikot mit der 7 war Andreas Möller. Auch der war an und für sich ein feiner Kicker, auch der durfte sich Weltmeister nennen (allerdings mit der „17“ auf dem Rücken). Doch der pfeilschnelle Hesse mit mal mehr („Turbo Möller“), mal weniger schmeichelhaften Spitznamen („Heintje“) findet hier ohnehin nur Erwähnung, weil Gewinnspielsieger Derk Anhänger des letzten deutschen (sic!) Vereines ist, der noch an die Zauberkräfte eine gewissen Christoph Daum geglaubt hat…

Dann schon lieber Mehmet Scholl. Der war weder Weltmeister, noch trug er aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit und der herzlichen Abneigung eines gewissen Berti Vogts (ehemaliger Bundestrainer, d.Red.) die „7“ in der Nationalmannschaft übermäßig häufig. Dafür versprühte Mehmet aber das Flair eines echten Siebeners: Scholl war ein Dribbelkünstler vor dem Herrn, dazu ein genialer Vorbereiter und kunstvoller Vollstrecker. Und: Er war ein nahezu perfekter Freistoßschütze – eine Qualität, die in unserer so hoch gelobten Nationalmannschaft niemand besitzt.

Heute wird die „7“ in der Nationalmannschaft von Bastian Schweinsteiger getragen. Der hatte auch in den Zeiten, als er noch auf dem Flügel spielte, nicht das Zeug, sich als Siebener in mein Herz zu spielen. Dafür war zu vieles von dem, was „Schweini“ anstellte, brotlos. Mittlerweile ist er ins Zentrum gerückt, trägt die Nummer aber in der Nationalelf immer noch – auch so ein Zeichen dafür, dass Nummern heute nicht mehr das sind, was sie mal waren.

Oder vielmehr: Was sie einmal wurden. Denn bevor Pierre Littbarski 1982 die „7“ übernahm, wurde sie von den deutschen Bundestrainern gerne auch an waschechte Arbeiter und Klopper vergeben, wie Berti Vogts (WM 1970) oder Herbert „Hacki“ Wimmer (WM 1974).

Auch in der Frauen-Nationalmannschaft schreckt man vor nichts zurück: Dort wird die „7“ von Melanie Behringer getragen. Wer das ist, muss ich ja wohl niemandem sagen. Wir alle haben schließlich die Frauen-WM mit Herzblut verfolgt, sind zu waschechten Fans und Experten geworden und saugen auch noch heute jeden Spielbericht über die Frauenfußball-Bundesliga in uns auf…

Manchester United und die heilige Nummer 7

Will man wissen, wer bei Manchster United der Star ist, muss man eigentlich nur nachschauen, wer gerade die Nummer 7 trägt. Seit George Best wurde sie fast ausnahmslos nur an Superstars weitergegeben. So durften auch Bryan Robson, Eric Cantona, David Beckham oder Cristiano Ronaldo diese magische Nummer tragen. Allesamt große Spieler, allerdings auch grundverschieden. Best fällt in die Kategorie Jahrhunderttalent und Lebemann. Bryan Robson war ein typischer englischer Mittelfeldspieler der Achtziger Jahre: trinkfest, resolut, geradlinig. Der Franzose Eric Cantona war ein Genie, aber auch ein Exzentriker, der die Grenze zum Wahnsinn mehr als einmal überschritten hat.

Und David Beckham, naja, den hat niemand so treffend charakterisiert wie George Best himself: „Beckham kann mit seinem linken Fuß nicht schießen, er kann nicht köpfen, er geht nicht in den Mann und er schießt nicht viele Tore. Ansonsten ist er in Ordnung.“ Cristiano Ronaldo wiederum ist die logische Fortentwicklung des Engländers, gewissermaßen der „Glamourboy 3000“. Er wird nicht nur noch krasser vermarktet, sondern er kann auch besser mit der Murmel umgehen.

Übrigens: Heute trägt Michael Owen die „7“ bei Manchester United. Der war zwar mal ein großer Spieler (2001 immerhin „Europas Fußballer des Jahres“), doch damals trug er noch das Trikot des Erzrivalen FC Liverpool… Auch hieran erkennt man, wie sich die Zeiten geändert haben.

Real, Raul und die „7“: Wenn drei Weltstars in die Warteschleife müssen

Raul Gonzalez Blanco, Rekordtorschütze von Real Madrid und der UEFA Champions League, hatte alles, was einen großen Spieler ausmacht. Er war zwar kein Siebener im klassischen Sinne, doch die „9“ wäre seiner Spielweise genauso wenig gerecht geworden. Dafür war er einfach zu komplett: stark im Spiel mit der Mannschaft, stark im Abschluss, dazu mit einem unerlernbaren Instinkt gesegnet.

Neben Alfredo di Stefano ist Raul die größte Legende, die Real Madrid, der größte Fußballclub der Welt, hervorgebracht hat. Nicht von ungefähr mussten gleich drei große Siebener der Fußballgeschichte mit einer anderen Rückennummer vorlieb nehmen, als sie zu den „Königlichen“ gewechselt sind:

2000 bekam der nicht immer laufstarke, aber dafür unglaublich präsente und magische Luis Figo als Trostpreis „nur“ die Nummer 10 verliehen.

2003 musste David Beckham auf die „23“ ausweichen. Passte aber auch ganz gut: Der „Spice Boy“, der ohnehin primär aus Vermarktungszwecken gekauft wurde, nahm sich die Nummer des Basketballers Michael Jordan, des bis dato am besten vermarkteten Sportlers der Welt…

Last but not least musste Weltfußballer Cristiano Ronaldo im Jahr 2009 auf die „9“ ausweichen, obwohl Raul bereits ins zweite Glied gerückt war und Ronaldo mit 93 Millionen Euro Ablösesumme gerade zum teuersten Spieler der Welt avanciert war. Er erhielt „seine“ Nummer 7 erst, nachdem Raul 2010 freiwillig das Feld geräumt hatte.

P.S. Dass Raul für die spanische „Seleccion“ zu alt war, als die gut genug für Titel war, und vermutlich auch nicht mehr so lange Fußball spielen wird, bis sein aktueller Arbeitgeber Schalke 04 mal wieder eine Meisterschaft (ohne Zusatz) gewinnt, nennt man wohl Künstlerpech. Aber auch das macht die Siebener irgendwie aus. Man bewundert sie, verehrt sie, doch irgendwie bleiben viele von ihnen unvollendet…

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