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Nov
30

Die bedeutendsten Afrikaner aus 50 Jahren Bundesliga

Nils, der Gewinner des Aktives Abseits-Quiz im November, wünscht sich eine Übersicht über die bedeutendsten Afrikaner der Bundesliga-Geschichte. Übliche Verdächtige wie Anthony Yeboah dürfen in dieser Reihe nicht fehlen, aber auch die eine oder andere Überraschung ist dabei.

Der erste Afrikaner
Der Ghanaer Ibrahim Sunday (geboren am 1.8.1950) war der erste Afrikaner in der Fußball-Bundesliga. Von 1975 bis 1977 stand der Mittelfeldspieler, 1971 immerhin „Afrikas Fußballer des Jahres“, bei Werder Bremen unter Vertrag. Seine Leistungsdaten: eine Halbzeit in der Saison 1976/77 gegen Rot-Weiß Essen. Von 1977 bis 1980 spielte Sunday noch für einen niedersächsischen Amateurverein mit dem unvergleichlichen Namen „Verein für Sport und Körperpflege Osterholz-Scharmbeck“.

Der erfolgreichste afrikanische Torschütze
Wer anders als der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig Anthony Yeboah soll der erfolgsreichste afrikanische Torschütze in 50 Jahren Bundesliga sein. Yeboahs Bilanz: 68 Tore in 123 Bundesligaspielen für Eintracht Frankfurt (1990-1995) sowie 28 in 100 Partien für den Hamburger SV (1997-2001). Mit 96 „Buden“ ist der legendäre Ghanaer hinter Claudio Pizarro, Giovane Elber, Ailton und Stéphane Chapuisat die Nummer fünf unter den ausländischen Top-Torjägern der Bundesliga-Geschichte.

Der jüngste afrikanische Torschütze
In der Saison 1994/95 wurde Borussia Dortmund mit dem so genannten „Baby-Sturm“ Deutscher Meister. Weil die etatmäßigen Angreifer Stéphane Chapuisat, Karlheinz Riedle und Flemming Povlsen in der Endphase der Saison verletzungsbedingt passen mussten, setzte Ottmar Hitzfeld notgedrungen im Angriff auf den damals 18-jährigen Lars Ricken und den 17-jährigen Ibrahim Tanko. Dem Ghanaer gelang im Alter von 17 Jahren und 250 Tagen sein erstes Bundesligator. Damit ist er bis heute der jüngste afrikanische Bundesliga-Torschütze und insgesamt die Nummer vier hinter Nuri Sahin, Julian Draxler und Lars Ricken. Tankos Karriere verlief allerdings nicht so verheißungsvoll weiter: Zwischen 1994 und 2007 gelangen dem „Stürmer“ für Borussia Dortmund und den SC Freiburg gerade einmal sieben weitere Pflichtspieltreffer.

Der einzige Afrikaner, vor dem Oliver Kahn Angst hat
In der großen Ära des FC Bayern München um die Jahrtausendwende war Abwehrspieler Sammy Kuffour immer mittendrin. 17 Titel gewann der Ghanaer zwischen 1994 und 2005 mit den Münchnern. Besonders in Erinnerung geblieben sind seine „Zweikämpfe“ mit seinem eigenen Torhüter Oliver Kahn. Bei einem Spiel 1999 in Frankfurt etwa kollidierte Kuffour so heftig mit dem ansonsten titanenhaften Bayern-Schlussmann, dass Kahn seine eigene Zunge verschluckte, das Bewusstsein verlor und ausgewechselt werden musste – eine Szene, die sich gefühlt einmal pro Saison wiederholen sollte. Uli Hoeneß hat trotzdem immer wieder den Vertrag verlängert. Dafür Respekt, Sammy!

Die deutschesten Afrikaner
Anthony Baffoe hat nie für Deutschland gespielt, und doch ist der in Bonn geborene Sohn eines ghanaischen Diplomaten so etwas wie der erste deutsche Afrikaner gewesen. Neben seinen fußballerischen Qualitäten zeichnete sich Baffoe beim 1.FC Köln, den Stuttgarter Kickers, Fortuna Köln und Fortuna Düsseldorf durch sein perfektes Deutsch und seine geschliffenen Manieren aus. Als einer der ersten dunkelhäutigen Spieler in der Bundesliga bekam er noch die komplette Ladung Rassismus ab, die der semi-gebildete deutsche Vokuhila-Durchschnittsprofi Mitte der Achtziger zu verteilen hatte. Baffoes legendäre Antwort auf eine solche Attacke: „Du kannst auf meiner Plantage arbeiten.“ Der erste Afrikaner, der fast für die deutsche Nationalmannschaft gespielt hätte, war der gebürtige Südafrikaner Sean Dundee. Zwischen 1995 und 1997 traf der Stürmer in der Bundesliga für den Karlsruher SC 33 Mal in Schwarze. Ganz klar, mit dieser Quote war Dundee ein Mann für Berti! Doch kaum war der deutsche Pass da, war die Form weg. Damit wurde der Schalker Gerald Asamoah der erste gebürtige Afrikaner im Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft. Zwischen 2001 und 2006 trug „Blondie“, wie er liebevoll genannt wurde, 43-mal den Adler auf der Brust. Die Spielweise des gebürtigen Ghanaers war dabei allzu deutsch: Kämpfen bis zum Umfallen, teilweise kopfloses Anrennen und eine mehr als hölzerne Technik. Wie sagte „Asa“ so schön über sich selbst: „Dann kommt der Ball und das ist ja immer so mein Problem.“

Die blondesten Afrikaner
Obwohl er nur drei Jahre für Arminia Bielefeld spielte (von 2005 bis 2008), ist der Südafrikaner Sibusiso Zuma auf der Alm eine Legende. „Zuma the Puma“, wie der Stürmer wegen seiner Schnelligkeit und Geschmeidigkeit genannt wurde, war fußballerisch eine Augenweide. Bemerkenswert war auch sein optisches Markenzeichen: Der dunkelhäutige Zuma ließ sich seit dem Beginn seiner Profi-Laufbahn die Haare blondieren, damit seine Großmutter ihn im Fernsehen besser erkennen konnte. Süß! Noch eine Spur blonder als bei Zuma – fast schon gelb – schimmert es auf dem Haupt des Augsburgers Aristide Bancé. Ob auch hier die Oma der Grund für regelmäßige Friseurbesuche ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Die Rekord-Afrikaner
Fast jeder weiß, wer der Rekordtorjäger des FC Bayern ist: Gerd Müller, logo. 365 Buden hat der „Bomber der Nation“ in der Liga erzielt. Auch auf Ulf Kirsten als ewige Nummer eins bei Bayer Leverkusen kann man kommen. Stolze 182-mal netzte „der Schwatte“ ein. Wer aber sind die Rekord-Torschützen des SC Freiburg und des FSV Mainz 05? Es sind zwei Afrikaner: Keiner traf für den SCF häufiger ins Schwarze (*höhö*) als der Senegalese Papiss Demba Cissé (37 Tore von Januar 2010 bis Dezember 2011). Und keiner war für Mainz häufiger zur Stelle als der Ägypter Mohamed Zidan (29 Tore bei drei Gastspielen über insgesamt zwei Jahre).

Afrikaner mit großen Namen und kleiner Leistung
Afrikaner mit großem Namen hat es selten in die Liga gezogen. In aller Regel wurden die Spieler in Deutschland zu Stars und wechselten dann in finanziell lukrativere Ligen (u.a. Yeboah, Cissé, Ba, Okocha). Wenn dann aber mal ein afrikanischer Star-Spieler in Deutschland anheuerte, war es mit der Leistung nicht weit her. So geschehen bei Abédi Pelé, der Anfang der Neunziger der beste Spieler auf dem „schwarzen Kontinent“ war und 1993 Olympique Marseille zum Champions-League-Sieg dirigierte. Von 1996 bis 1998 verdiente sich der Ghanaer mit Mitte 30 noch einmal ein nettes Zubrot bei 1860 München. Seine Leistungen (50 Spiele, zwei Tore) waren aber nicht mehr der Rede wert. Ähnliches gilt für die Nigerianer Viktor Ikpeba und Obafemi Martins, die für üppige Ablösesummen bei Borussia Dortmund bzw. beim VfL Wolfsburg anheuerten, aber wenig trafen und schnell wieder weg waren.

Der Afrikaner mit der höchsten B-Note
Kein Bundesliga-Afrikaner hatte mehr Tricks drauf als der Nigerianer Jay Jay Okocha. Von 1992 bis 1996 spielte der Edel-Techniker für Eintracht Frankfurt. Noch heute kennt fast jedes Kind sein Tor aus dem Jahr 1993 gegen den Karlsruher SC, bei dem er die komplette Abwehr der Badener inklusive Oliver Kahn narrte. Auch sein Trick, den Ball zwischen den Hacken einzuklemmen und ihn dann mit Schwung von hinten über die eigene Schulter und über den Gegenspieler zu befördern, ist legendär und allerorten schlicht als „Jay Jay“ bekannt. Okocha war an guten Tagen jeden Cent Eintrittsgeld wert, an schlechten brachte er aber Trainer, Kollegen und Fans zur Weißglut. Seine Dribblings vor dem eigenen Strafraum und seine oftmals unzureichende Rückwärtsbewegung dürften mit ein Grund für den ersten Frankfurter Bundesligaabstieg im Jahr 1996 gewesen sein.

Der beste afrikanische Tänzer
Im Sommer 2005 holte der Hamburger SV mit Rafael van der Vaart einen Kicker, der die Mannschaft auf einen Schlag eine Klasse besser machte. Im gleichen Jahr verpflichteten die Hanseaten auch den Linksverteidiger Timothee Atouba. Der Kameruner spielte sich schnell in die Herzen der Fans mit seinen teils vogelwilden Pässen, die wie von Geisterhand irgendwie immer den Mitspieler fanden. Vor allem aber avancierte Atouba mit seinen Tänzen vor der Fankurve nach gewonnenen Spielen zum Publikumsliebling. In Atoubas zweiter Saison änderte sich aber alles: Seine nach wie vor vogelwilden Pässe landeten nun fast nur noch beim Gegner, auch die Tänze wurden immer weniger und verloren an Schwung. Mittlerweile tanzt Atouba für UD Las Palmas in der zweiten spanischen Liga.

Der beste afrikanische Name
Machen wir uns nichts vor: Gewiss gab es in der Bundesliga unzählige bessere afrikanische Fußballer als den Kameruner Alain Junior Ollé Ollé, der von 2007 bis 2009 beim SC Freiburg vornehmlich die Bank wärmte. Aber der Name des Mittelfeldspielers ist einfach mit Geld nicht aufzuwiegen. Das wissen sicher auch die Fans des schwedischen Zweitligisten Varbergs BoIS zu schätzen, für den Ollé Ollé heute vornehmlich auf der Bank sitzt.

Der erste afrikanische Torhüter
Deutschland ist eine Nation der Torhüter. Allein in der laufenden Saison vertrauen 17 der 18 Bundesligavereine auf eine Nummer eins „made in Germany“. Anders als in England, haben es Ausländer gegen die einheimische Konkurrenz schwer. Gerade Afrikaner stehen nicht in dem Ruf, besonders verlässliche Schlussmänner zu sein, wie zahlreiche Weltmeisterschaften eindrucksvoll belegt haben. Deswegen dauerte es auch lange, bis der erste Afrikaner ein Bundesliga-Tor hütete: 2007 holte der Ernst Middendorp den südafrikanischen Nationalkeeper Rowen Fernandez vom Kap der Guten Hoffnung nach Bielefeld. Am 24.11.2007 verdrängte Fernandez die langjährige Nummer eins Matthias Hain. Bis zum Saisonende, an dem die Arminia in die Zweite Liga absteigen musste, stand Fernandez 15-mal im Bielefelder Tor.

Die Gina-Lisa-Afrikaner
Trash-Berichterstattung hat – leider Gottes – Hochkonjunktur. Und auch ich kann mich nicht davon freimachen, hin und wieder die Zeitung mit den vier großen Buchstaben online zu lesen. Da kriegt man beiläufig einiges mit, das einen im Grunde am Allerwertesten vorbeigeht. Haften bleibt es trotzdem. Wie zum Beispiel die Geschichte, dass das deutsche „Silikon- und Botox-Wunder“ Gina-Lisa Lohfink eine Saison lang – von August 2010 bis 2011 – bei dem Stuttgarter Linksverteidiger Arthur Boka „unter Vertrag stand“. Lohfink bewegte sich auch zuvor schon in Fußballer-Kreisen: Vor dem ivorischen Nationalspieler bandelte sie mit Kevin Kuranyis jüngerem Bruder Romulo an. Für KK22 hat es leider nicht gereicht. Karrierehöhepunkt Lohfinks war bislang das vermeintliche Kurz-Techtelmechtel mit „Dr.“ Jerome Boateng. Der deutsche Nationalspieler mit ghanaischen Wurzeln wurde wenige Tage vor Beginn der Europameisterschaft 2012 mit Gina-Lisa in einem Berliner Hotel gesichtet und füllte so – Achtung Zote – das Sommerloch bis zum Anpfiff in Warschau.

Der Zwei-Eigentore-Afrikaner
Der Tunesier Karim Haggui ist einer von nur zwei Spielern, denen zwei Eigentore in einem einzigen Bundesligaspiel unterlaufen sind (der andere ist der Mainzer Nikolce Noveski). Haggui schnürte seinen Doppelpack in der Saison 2009/10 beim 3:5 in Mönchengladbach. Ohne seine „Klopse“ hätte 96 ein 3:3 erzielt. Hätte zudem nicht auch noch Teamkollege Constant Djakpa (ein Ivorer) ins eigene Netz getroffen, wäre Hannover damals sogar als Sieger vom Platz gegangen.

Prädikat „Von Uli Hoeneß gedisst”
Wenn Bayern Münchens langjähriger Manager und heutiger Präsident Uli Hoeneß ein Mitglied der „Fußballfamilie“ persönlich attackiert, hat man es normalerweise geschafft. Diesen imaginären Orden darf sich auch der Deutsch-Ghanaer Otto Addo ans Revers heften, der Hoeneß mit seinen vermeintlichen Show-Einlagen beim 1:1 zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern im März 2001 zu der Aussage verleitete, er möge „in den Zirkus“ gehen.

Prädikat „Von Torsten Legat rassistisch verunglimpft“
„Negersaft“ lautete der wenig originelle Schriftzug, den der aus Guinea stammende Stuttgarter Profi Pablo Thiam in der Saison 1998/99 auf seiner Trinkflasche las. Zu verdanken hatte er diesen Satz seinem Teamkollegen Thorsten Legat, in dessen eskapadenreicher Vita diese Affäre tatsächlich den Tiefpunkt markiert. Mit Folgen: Nachdem VfB-Trainer Ralf Rangnick erfuhr, wer dahinter steckte, war Legat seinen Job los.

Der kultigste Afrikaner
Das Phänomen Hans Sarpei hat eine Eigendynamik entwickelt, die ihresgleichen sucht. Sarpei ist der lebende Beweis, dass es zum Kult oft nicht mehr braucht als durchschnittliche Fähigkeiten, eine Spur Selbstironie und gutes Timing. Der Ghanaer hat in seiner noch jungen zweiten Karriere als Social-Media-Star seine Erfolge der ersten Laufbahn (190 BL-Spiele, 23 Länderspiele für Ghana) bereits getoppt. Beispiel gefällig? Für die deutsche Version des Computer- und Konsolenspiels „FIFA 13“ bietet Hersteller EA Sports ein Alternativcover zum Gratis-Download, auf dem neben dem eigentlichen Coverboy (ein gewisser Lionel Messi – never heard of him…) auch Hans Sarpei abgebildet ist. Was soll man sagen? Der Hans, der kann‘s…

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