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Mrz
22

Gewinnspieleinlösung: Eine Hommage an Thorsten Legat

Martin, der Gewinner des Aktives Abseits-Gewinnspiels im März, hat sich eigentlich einen Vergleich der größten Eskapaden von Bernd Hollerbach und Thorsten Legat gewünscht. Weil das mit den Eskapaden bei Hollerbach aber schnell abgehandelt ist – Grätsche von vorn, Grätsche von hinten, Grätsche von der Seite – widme ich den Artikel einfach kurzerhand komplett dem legendären Thorsten Legat. Ich hoffe, du siehst mir das nach, Martin!

Man wird Thorsten Legat sicherlich nicht zu nahe treten, wenn man ihn als tragi-komische Gestalt der Fußball-Bundesliga bezeichnet. Trotz überschaubarer Fähigkeiten kennt ihn fast jeder Fußballfan – das ist normalerweise kein Kompliment, sondern eher ein Zeichen dafür, dass es jemand zur „Kultfigur“ im negativen Sinne gebracht hat.

Was man Legat bei allen Skandalen und dümmlichen Aussprüchen aber lassen muss, ist seine Einstellung. Der Bochumer Junge (Jahrgang 1968) war ein echter Malocher. Ob in Bochum (1986-1991), Bremen (1991-1994), Frankfurt (1994/95), Stuttgart (1995-1999) oder Schalke (1999-2001) – auf all einen Stationen gab Thorsten Legat immer alles. Er „fraß Gras“, wie man so schön sagt. Und trotz seiner limitierten technischen Fähigkeiten hat der Linksfuß einiges gewonnen: Europapokal der Pokalsieger 1992, Deutsche Meisterschaft 1993, DFB-Pokal 1994 (alles mit Bremen), DFB-Pokal 1997 (mit Stuttgart) sowie DFB-Pokal und „Meisterschaft der Herzen“ 2001 (mit Schalke).

Doch Thorsten Legat ist vor allem bekannt geworden durch seine Eskapaden neben dem Fußballplatz. Der Mann mit dem Terminator-ähnlichen Körper (Journalist: „Wie sind Sie eigentlich zum Bodybuilding gekommen?“ Legat: „Immer die Castroper Straße rauf!“) hat in dieser Hinsicht einiges auf dem Kerbholz. Von Schütteln vor Lachen bis Kopfschütteln deckt Legat alles ab. Hier ist die Top 5 seiner Eskapaden:

Platz 5: Totgesagte leben länger

Thorsten Legat und Eintracht Frankfurt, das passte von Anfang an nicht. Aufgrund schwacher Leistungen wurde der Neuzugang des Jahres 1994 beim Anhang schnell zum Feindbild. Nach eigenen Angaben will Legat sogar von einer Gruppe SGE-Hooligans attackiert worden sein – Zeugen, die seine Behauptung stützen konnten, gab es allerdings keine.

Legats Ärger mit den Fans könnte auch damit zu tun gehabt haben, dass Trainer Jupp Heynckes den Malocher nicht nur mit der Nummer 10 ausstattete, sondern ihn nach der Suspendierung von Maurizio Gaudino und Jay-Jay Okocha phasenweise in der Kreativzentrale aufbot. Eine Rolle, mit der Legat logischerweise überfordert war.

Die eigentliche Legat-Eskapade ist aber diese hier: Von Heynckes nach der Ursache für seine schwachen Leistungen befragt, verwies Thorsten Legat auf den Tod seines Vaters. Heynckes zeigte Verständnis, die Eintracht schickte sogleich einen Blumenstrauß in Legats Bochumer Elternhaus. Pointe: Niemand anderes als der quicklebendige Vater Legat öffnete dem Blumenboten die Haustür und nahm verdutzt den Kondolenzstrauß entgegen… Legat juniors Ende bei der Eintracht war danach besiegelt, wie er messerscharf selbst attestierte: „Ich glaube nicht, dass mir der Verein Steine in den Vertrag legt“. 1995 wechselte Thorsten Legat schließlich nach Stuttgart. Zu seiner Zeit in Schwaben später mehr.

Platz 4: Dresscode à la Legat

Im Jahr 1999 sicherte sich der FC Schalke 04 die Dienste des Veteranen (damals 31). In Gelsenkirchen kam Thorsten Legat nie über die Rolle des Reservisten hinaus. Geschichte geschrieben hat er bei den „Königsblauen“ dennoch. Tipp: Wer kicker-Sonderhefte sammelt, sollte einmal das der Saison 2000/01 herausholen und das Mannschaftsfoto der „Knappen“ suchen. Alles andere ist selbsterklärend.

Allen anderen sei gesagt, dass Thorsten Legat von Mannschaftskollegen 1.000 Mark versprochen wurden, wenn er auf dem Mannschaftsfoto mit bis unter die Achseln hochgezogener Hose posierte. Legat schlug ein und dürfte sich wohl schon ausgemalt haben, was er mit der Belohnung für seine Schelmerei anstellen soll. Nachdem der (überaus ersichtliche) Streich aufgeflogen war, wurde Legat jedoch ins Büro von Manager Rudi Assauer zitiert. Der stellte den Linksfuß zur Rede und verdonnerte ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 DM. Legat selbst kommentierte diese Aktion in einem Interview mit dem Magazin 11 Freunde im Jahr 2007 wie folgt: „Ja, ich war immer für einen Joke gut. Aber was soll ich machen? Wenn mir zwei Kollegen 1.000 Mark für die Aktion bieten, dann wäre ich ja doof, wenn ich es nicht machen würde! Leider musste ich das Zehnfache an Strafe zahlen. Das habe ich nicht verstanden, das Sponsoren-Logo war ja schließlich noch zu sehen…“

Platz 3: Happy New Year!

In der Silvesternacht des Jahres 1996 fügte der damalige VfB-Profi Thorsten Legat, der sich selbst als „Junge von der Straße“ bezeichnete, seiner Vita ein weiteres unrühmliches Kapitel hinzu: Legat fühlte sich vom Nachbarn seiner Eltern beleidigt und schlug diesen krankenhausreif. Das Verfahren wurde 1997 gegen Zahlung von 90.000 DM eingestellt.

Platz 2: Last Samurai

2007, sechs Jahre nach seinem Karriereende wegen Invalidität, fühlte sich Thorsten Legat auf dem Parkplatz eines McDonalds-Restaurants in Remscheid von mehreren Jugendlichen attackiert. Daraufhin zückte der langjährige Profi-Fußballer ein Samuraischwert (angeblich ein Familienerbstück!), das sich im Kofferraum seines Wagens befand. Zu einem Angriff soll es nicht gekommen sein, Zeugen schalteten trotzdem die Polizei ein. Erneut kam der Fall vor Gericht. Legat berief sich darauf, aus Notwehr gehandelt zu haben. Gegen Zahlung von 1.000 Euro wurde das Verfahren 2008 eingestellt. Das Samuraischwert musste Thorsten Legat übrigens abgeben.

Platz 1: „Negersaft“

Immerhin vier Jahre hielt es Thorsten Legat beim VfB Stuttgart aus (bzw. der VfB mit ihm). Nach einem verbalen Ausrufezeichen zum Einstand – Journalist: „Wie schmecken Ihnen denn Spätzle?“ Legat: „Die hab ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel“ – pendelte der Linksfuß meist zwischen Startelf und Ersatzbank. Seine Zeit beim VfB endete jedoch nicht aus Leistungsgründen, sondern wegen der folgenden Eskapade gegen seinen dunkelhäutigen Mitspieler Pablo Thiam, die Legat in einem Interview mit Spiegel Online wie folgt schilderte: „Der Pablo und ich haben uns gekabbelt. Man gönnt ja dem anderen nichts! Schließlich geht es um einen Stammplatz. In der Kabine ging es verbal weiter. Dann habe ich den Bogen überspannt, nicht nachgedacht, und dieses Wort („Negersaft“, Anm. d Red.) auf Pablos Flasche geschrieben. Ein dummer Witz.“ Der damalige Stuttgart-Trainer Ralf Rangnick fand den Witz allerdings nur so là là. Weil sich Legat zunächst nicht zu der Tat bekennen wollte, engagierte der VfB sogar einen Graphologen(!), der alle Spieler um ein Autogramm des Wortes „Negersaft“ bat. So wurde Legat letztlich überführt und vor die Tür gesetzt.

Außer Konkurrenz: Thorsten Legats O-Töne

In einer „Hommage“ an Thorsten Legat dürfen seine Sprüche nicht fehlen, mit denen er bis heute in der Champions League der kickenden Wortakrobaten spielt. Einige habe ich ja schon verbraten, hier ist der Rest:

  • Vor einem Spiel gegen den FC Bayern München 1996: „Die Bayern vertragen keine Härte, und ich bin der Erste, der damit anfängt.“
  • Zu Schalker Zeiten: „Verstärken können die sich, aber nicht auf meiner Seite. Da bin ich! Ich komme selber aus dem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.“
  • Vor einem Pokalspiel: „Unsere Chancen stehen 70:50.“
  • Nachdem Legat die Diagnose Beinbruch erhalten hat: „Zum Glück habe ich nur eine Struktur.“
  • Bei der Bekanntgabe seines Wechsels von Bremen nach Frankfurt 1994: „Ich hätte auch woanders ins Ausland gehen können.“
  • Über sein Che Guevara-Tattoo: „Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.“
  • Nach einem Kantersieg mit Stuttgart: „Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum.“

5 Kommentare

1 Ping

  1. otto rehagel sagt:

    also, mein lieblingsspruch über oli kahn stammt übrigens auch von thorsten legat. dieser äußerte sich über den titan folgendermaßen: „halb mensch halb tier, will ich nicht alleine im dunkeln begegnen.

    gruß otto

  2. Guter Mann sagt:

    Sehr guter Beitrag, Marco Heibel! Hat mich prima unterhalten. Der Blog kommt auf meine Lesezeichen-Liste. Eine Frage bleibt aber doch noch offen: Was macht Thorsten Legat eigentlich heute? Trainer im Bodybuilding-Center? Meine Recherche hat leider nichts ergeben.

  3. Heibel sagt:

    Thorsten Legat hat sich tatsächlich als Trainer versucht. Und das nicht – wie man annehmen könnte – im Fitnessstudio. Das allwissende Wikipedia sagt zu Legats Karriere nach der Karriere folgendes:

    „Zwischen 2004 und 2005 betreute Legat die U19 des SV Werder Bremen.Von 2005 bis 2007 war er Trainer des WSV Bochum 06, 2008 wurde er als neuer Trainer des Wittener Fußballvereins TuRa Rüdinghausen vorgestellt. Nach kurzer Amtszeit sowie Auseinandersetzungen mit Vorstand und Spielern, kündigte er dem Klub bereits im August 2008 wieder, nachdem er erst im Vormonat eingestellt wurde. Seit Anfang 2010 war Thorsten Legat Trainer in der Jugendabteilung bei SV Bergisch Gladbach 09. Am Ende der Saison 2010/2011 trennte sich der Verein von ihm. Ab Sommer 2012 wird Legat die U15-Junioren des Wuppertaler SV betreuen.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Thorsten_Legat

  4. Klaus Berger sagt:

    Thorsten Legat wohnt derzeit in Wermelskirchen!
    Dort trainierte er in einem Fitnessstudio, in dem er es sage und schreibe, 2x innerhalb von 3 Jahren geschafft, hat rauszufliegen!
    Beim ersten mal wurde er erwischt, als er einem Bekannten mit dem er geplatzte Immobiliengeschäfte getätigt hatte, während dieser in der Sauna lag,in die Schuhe pinkelte.
    Nach 2 Jährigem Hausverbot bekam er die Chance, nochmals Mitglied in diesem Studio zu werden!
    Diese nutzte er allerdings auch nur 11 Monate…..als er nach einem verlorenen Tischkickerturnier sturztrunken ausklinkte!
    Er wurde dabei erwischt, wie er Schokoriegel endwendete und auf dem Heimweg ein Auto beschädigte, dessen Scheibenwischer er abbrach!

  5. Toni Curtis sagt:

    70 zu 50 klingt doch besser als 58,33333333 zu 41,66666667, oder?

  1. NetzBlogR – Die BILD sieht bei Thorsten Legat doppelt sagt:

    […] scheinen die „20.000 Mark“ nicht zu stimmen: Egal was ich im Netz dazu fand, überall war die Rede von 10.000 Mark. Überall? Natürlich nicht! In diesem Artikel (laut Zeitstempel von […]

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