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Aug
11

Gewinnspieleinlösung: Eine Hommage auf Anthony Yeboah

Die Gewinner des Aktives Abseits-Quiz sind – bei aller Wertschätzung – nicht besonders kreativ. Bereits zum dritten Mal in Serie und zum vierten Mal insgesamt wurde eine Hommage gewünscht. Auf Marko Arnautovic, Dieter Eilts und Marco Bode folgt nun Anthony Yeboah, der Held von August-Champion Derk. Bitte schön!

Kraftvoll, geschmeidig und schier unaufhaltsam – das bezeichnet die Spielweise von Anthony „Tony“ Yeboah wohl am besten. Der Ghanaer war einer der größten ausländischen Stars der Fußball-Bundesliga. Zweifacher Bundesliga-Torschützenkönig, erster afrikanischer Kapitän einer Bundesligamannschaft, einer der besten Bundesliga-Stürmer der 1990er Jahre und eine Frankfurter Fußball-Legende.

Yeboah & Frankfurt: Liebe auf den zweiten Blick

Dabei war es nicht gerade Liebe auf den ersten Blick zwischen Anthony Yeboah und den Fans der Frankfurter Eintracht. Im Grunde waren die ersten Gefühle, die der SGE-Anhang dem Ghanaer entgegen brachte, zweckmäßiger (Fremden-)Hass. In den Relegationsspielen der Saison 1988/89 zwischen dem Bundesliga-16. aus Frankfurt und dem Zweitliga-Dritten aus Saarbrücken buhten und verunglimpften die hessischen Fans den brandgefährlichen schwarzen Mittelstürmer der Saarländer. Der zeigte sich davon unbeeindruckt und erzielte zwei Treffer gegen die SGE – zu wenig, Frankfurt behielt mit 2:0 und 1:2 knapp die Oberhand.

Wie das Leben so spielt: Der prominenteste Frankfurter Neuzugang zur Saison 1989/90 war der 24-jährige Anthony Yeboah. Und kaum dass er seine ersten Tore für die Hessen geschossen hatte, waren die vorherigen Animositäten vergessen. Schwarze Spieler waren eben damals noch eine Seltenheit in der Bundesliga, Rassismus gegen die Yeboahs, Baffoes oder Sanés leider beinahe an der Tagesordnung. Yeboah verschaffte sich jedoch durch seine Leistungen Akzeptanz, Respekt, ja sogar offene Zuneigung (Fanclub „Zeugen Yeboahs“) und ebnete so auch den Weg für die späteren Generationen dunkelhäutiger Spieler.

Das Scheitern des schönen Spiels

Ein Titel mit der Eintracht blieb Yeboah trotz 68 Toren in 123 Spielen allerdings verwehrt. Die Hessen boten über Jahre zwar den schönsten Fußball der Liga, schlugen aber zu wenig Kapital aus ihrem schönen Spiel. Yeboah war im Verbund mit seinen kongenialen Nebenleuten, ob sie Uwe Bein, Andreas Möller, Maurizio Gaudino oder Jay-Jay Okocha hießen, zu allem fähig – im positiven wie im negativen Sinne.

1992 war man am dichtesten dran an der Schale, doch ein fälschlicherweise verweigerter Elfmeter klaute dem Team am 38. und letzten Spieltag der Saison 91/92 in Rostock die Meisterschaft. Auch in der Hinrunde der Saison 1993/94 boten Yeboah und seine Kollegen phasenweise Traumfußball. So stand das Team nach 11 Spieltagen mit neun Siegen und zwei Unentschieden souverän an der Tabellenspitze.

In dieser Phase lieferte Eintracht-Trainer Klaus Toppmöller dann ein anschauliches Beispiel für den Wahrheitsgehalt des Sprichworts „Hochmut kommt vor dem Fall“. Vielen noch in guter Erinnerung sind seine flotten Sprüche („Bye bye, Bayern“) und seine eigenwilligen Motivationsmethoden. So überraschte „Toppi“ seine Spieler beispielsweise mit einem leibhaftigen Steinadler, dem Eintracht-Wappentier.

Toppmöllers Botschaft scheint aber nicht ganz angekommen zu sein. Denn gleich einem Adler auf der Jagd nach seiner Beute, stürzte auch die Mannschaft in der Tabelle bald ab. Bis zum Saisonende gewann die Eintracht nur noch sechs weitere Spiele und rettete sich so gerade noch auf Rang fünf. Da war es nur ein schwacher Trost, dass sich Anthony Yeboah mit der sensationellen Quote von 18 Toren aus 22 Spielen zum zweiten Mal nach 1993 (20 Treffer) die Torjägerkanone sichern konnte.

Ein neuer Anlauf sollte 1994/95 unternommen werden, doch unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes leitete die Eintracht letztlich ihren Absturz ein, von dem sie sich bis zum heutigen Tag nicht erholen konnte. Die Mannschaft zerfiel unter Heynckes in ihre Einzelteile. Der gealterte Spielmacher Uwe Bein hatte sich bereits zum Karriereausklang nach Japan abgesetzt. Die anderen drei Offensiv-Stützen der Vorsaison – Yeboah, Maurizio Gaudino und Jay-Jay Okocha – fielen bei Heynckes nach einem durchwachsenen Saisonstart schnell in Ungnade. Heynckes warf ihnen mangelnde Einstellung vor. Es kam zum Eklat, die drei wurden suspendiert, allein Okocha wurde später begnadigt. Gaudino und Yeboah verließen den Verein in der Winterpause.

Der späte Yeboah: Furios in Leeds, alte Klasse in Hamburg

Mit 28 heuerte Anthony Yeboah bei Leeds United in der englischen Premier League an. Nicht wenige behaupten, dass er in seinem ersten Jahr auf der Insel so gut war wie nie. Allein 25-mal traf er im Kalenderjahr 1995 ins gegnerische Tor und wurde zu „Leeds‘ Player oft he Year“ gekürt. Eine Knieverletzung bremste Yeboah jedoch in der Saison 1996/97 aus, er geriet in Leeds zunehmend ins zweite Glied. Es kam zur Rückkehr nach Deutschland, allerdings nicht zur mittlerweile zweitklassigen Frankfurter Eintracht, sondern zum Hamburger SV.

Vor allem in der Saison 1998/99 ließ der Ghanaer seine Klasse noch einmal aufblitzen und trug wesentlich zur Champions League-Qualifikation des Bundesliga-Dinos bei. Zugleich „gelang“ Yeboah in dieser Phase aber auch der legendärste Fehlschuss seiner Karriere: Im Derby gegen Bremen lief er im Weserstadion unbedrängt auf das leere Tor zu – und schob den Ball aus wenigen Metern gegen den Pfosten. Ein kleiner Trost für jeden Kreisliga-Messi oder Bunte Liga-Alemao, dass auch die Besten nicht vor solchen Fehlleistungen gefeit sind.

2001 trat Anthony Yeboah dann die letzte Station seiner Reise als aktiver Fußballer an. Sein Jahr bei Al-Ittihad in Saudi-Arabien kann man getrost als gut bezahlten Grill- und Strandurlaub bezeichnen. Haste dir verdient, Tony!

Und heute? Anthony Yeboah ist in seiner Heimat Ghana ein erfolgreicher Geschäftsmann, betreibt mehrere Hotels, berät den ghanaischen Fußballverband und vermittelt und berät als Gründer der „Anthony Yeboah Sportpromotion“ Fußballspieler. Außerdem ist er seit 2008 Präsident des ghanaischen Fußballclubs Bechem Chelsea.

Da Capo: Die letzten Rätsel um Anthony Yeboah

Ein Gerücht hält sich hartnäckig, wenn es um Anthony Yeboah geht: Das, wonach er ein paar Jahre älter sein soll als es sein Pass besagt. Otto Pfister, Ghanas ehemaliger Nationaltrainer, empfahl Anfang der 1990er Jahre mit einem Augenzwinkern, die Altersfrage eher unkonventionell zu klären: „Da hilft nur eins: Bein aufsägen und Jahresringe zählen.“ Das hat zum Glück niemand wörtlich genommen.

Yeboah selbst hat sich in einem Interview mit dem Magazin „Stern“ im Jahr 2006 zu den Spekulationen über sein Alter wie folgt geäußert: „Als 16-jähriger sollte ich in der A-Nationalmannschaft spielen, da hat mich der Verband einfach zwei Jahre älter gemacht. Und das habe ich später dann wieder rückgängig gemacht.”

Und wie kommt es zu der surreal wirkenden Zahlenkombination 6.6.66, die in Yeboahs heutigem Pass steht? Auch hierfür hatte Yeboah im Stern-Interview eine Erklärung parat: „Meine Geburt war seit zwei Wochen überfällig. Und es war klar, dass ich per Kaiserschnitt geholt werden musste. Da hat sich meine Mutter dieses ungewöhnliche Datum ausgesucht.”

Yeboahs Vermächtnis

Wie groß Anthony Yeboahs Einfluss auf den deutschen Fußball war und ist, lässt sich daran ablesen, dass fast jeder talentierte schwarzafrikanische Stürmer mit der Legende aus Ghana verglichen wird. Dass nicht jeder diesem Vergleich standhält, zeigt folgendes Beispiel: Im Sommer 2007 eiste der MSV Duisburg einen nigerianischen Angreifer aus der belgischen Liga los. MSV-Trainer Rudi Bommer, in den 1990ern in Frankfurt Mitspieler von Tony Yeboah, adelte seinen Neueinkauf gleich mit dem Prädikat „neuer Yeboah“. Sein Name: Manasseh Ishiaku… Jeder weitere Kommentar überflüssig.