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Jun
09

Gewinnspieleinlösung: Lebenslang Grün-Weiß – Eine Hommage an Dieter Eilts

Hier die Gewinnspieleinlösung für Henning, den Sieger des Monats Mai! Ostfriesen-Alemao, Eisen-Dieter, Mann fürs Grobe, später sogar Lord Eilts – Dieter Eilts ist vieles genannt worden. Für eines steht Dieter Eilts wie kaum ein anderer: Vereinstreue. Eine grün-weiße Hommage.

Neben Klassekickern wie Rudi Völler, Andreas Herzog, Mario Basler, Ailton oder Claudio Pizarro ist Dieter Eilts immer ein bisschen untergegangen. Nicht, dass er ein gänzlich „Blinder“ gewesen wären. Doch Eilts zählte eben auch nicht gerade zu den brillantesten Technikern, die die Welt je gesehen hat – wenngleich der Spitzname „Ostfriesen-Alemao“ unbedarften Lesern anderes suggerieren mag.

Dieter Eilts fühlte sich im Schatten der Stars einfach am wohlsten. Das mag zum einen an seiner Mentalität gelegen haben, zum anderen teilte er das Schicksal der sogenannten „Urgesteine“: Er gehörte irgendwann einfach zum Inventar; so wie sein Mitspieler und späterer Trainer Thomas Schaaf in Bremen, wie einst Charly Körbel oder Uwe Bindewald in Frankfurt oder wie heute Altin Lala und Steven Cherundolo in Hannover. Eilts war immer da, brachte seine Leistung und verlängerte beinahe unbemerkt immer wieder seinen Vertrag. Für die Öffentlichkeit war er deswegen irgendwann uninteressant, von den Fans wurde er für seine Loyalität aber geliebt. 18 Jahre Werder, das hinterlässt Spuren. Doch der Reihe nach.

Dieter Eilts – Warten kann sich lohnen

Upgant-Schott, ein 3000 Einwohner-Dorf im Landkreis Aurich in Ostfriesland – hier wird kein Maradona geboren, auch kein Pele (noch nicht einmal in der Wollitz’schen Betonung). Doch zumindest hat es Dieter Eilts, der am 13.12.1964 geborene berühmteste Sohn des Örtchens, zu einem „Ostfriesen-Alemao“ gebracht.

Wie das Land, so war auch Dieter Eilts‘ Art: Geradlinig und trocken. Er war keiner, der den Gegner blind von den Beinen holte. Er verstand es vielmehr, Löcher zu stopfen und die Kugel durch gezielte Tacklings meist sauber zu erobern und sie dann mit einem Fünfmeterpass an den Spielgestalter weiter zu geben. „Defensiv denkender Sechser“ würde man so etwas heute nennen, zu Eilts‘ Zeiten war man mit dieser Spielweise ein Staubsauger oder Ausputzer, in jedem Fall aber ein Arbeiter.

Einen Schönheitspreis hat Dieter Eilts denn auch nie gewonnen, und auch die Anerkennung der Fußballwelt ließ lange auf sich warten. Vom SV Hage in Ostfriesland, wo er 14 Jahre lang spielte und seine gesamte Jugend sowie die ersten beiden Jahre im Seniorenbereich verbrachte, wechselte Dieter Eilts 1984 zu Werder Bremen. Mit seiner Körperlänge von 186 Zentimetern, seiner Spielweise und seiner bodenständigen Art entsprach er genau dem Spielertypen, den Werder-Trainer Otto Rehhagel so schätzte. Nichtsdestotrotz musste sich Eilts erst einmal hinten anstellen. In seinen ersten vier Jahren bei Werder pendelte er zwischen Startelf, Bank und Zweiter Mannschaft, für die er mehr als einhundert Mal auflief. In seiner ersten Werder-Saison „schenkte“ ihm Trainer Rehhagel nur einen einzigen Einsatz. Werder verlor 0:3 gegen Köln, Eilts durfte erst mal wieder in der Reserve Erfahrungen sammeln. Selbst in der Meistersaison 1987/88 wurde Eilts nur zweimal eingesetzt. An Mirko Votava, Günter Hermann, Norbert Meier und Thomas Wolter war einfach kein Vorbeikommen.

Nach solch bitteren Erfahrungen hätten andere schon dreimal den Verein gewechselt. Nicht so Eilts. Erst in der Saison 1989/90, mit 25 Jahren, spielte er sich fest – und gab seinen Platz nicht mehr her. Bis zum Ende der Saison 2000/01 absolvierte er in jeder Spielzeit mindestens 25 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen, viele davon als Kapitän. So feierte er als Stammkraft den Pokalsieg 1991, den Europapokalsieg der Pokalsieger 1992, die Deutsche Meisterschaft 1993 und den abermaligen Pokalsieg 1994.

Mit dem Abgang von Trainer Rehhagel 1995 ging auch eine Bremer Erfolgsära zu Ende. Erst zum Ende von Eilts‘ Karriere hin, im Jahr 1999, gewann Werder ein weiteres Mal den DFB-Pokal. Etwas bedauernswert war Dieter Eilts‘ Karriereende in der Saison 2001/02. Damals wurde er nach dem 4. Spieltag von seinem Trainer und ehemaligen Mitspieler Thomas Schaaf nicht mehr berücksichtigt und musste seine Bundesliga-Karriere nach 390 Bundesligaspielen und 7 Toren für Werder Bremen glanzlos als Reservist beenden. Klingt traurig, relativiert sich aber. Denn Eilts hat ja auch noch eine Nationalmannschaftskarriere vorzuweisen…

„Lord Eilts“ – Ein internationaler Anti-Star

In der heutigen Zeit würde ein 28-jähriger wohl nicht mehr zu seinem Nationalmannschaftsdebüt kommen. Anders in der Ära Vogts, als „alte Männer“ per se einen Vorteil genossen und es zudem nicht gerade einen Überfluss an Talenten gab. Bei der USA-Reise der Nationalmannschaft im Dezember 1993 mit Spielen gegen Argentinien und die US-Boys gab Eilts sein Debüt. Die WM in den USA ein halbes Jahr darauf verpasste er. Seinen Durchbruch feierte Dieter Eilts bei der Europameisterschaft 1996, bei der sich die deutsche Mannschaft weniger durch brillante spielerische Momente als vielmehr durch eine kompakte Teamleistung den Titel sicherte. Der international unbekannte Dieter Eilts avancierte dabei zum Inbegriff der viel beschworenen deutschen Tugenden. Kein Spiel, nach dem er nicht schwer gezeichnet von Platz humpelte.

Obwohl vor Turnierbeginn eher auf der Bank erwartet, brachte ihn Berti Vogts in allen sechs Spielen von Beginn an. Mit einer gefühlten Bilanz von 90 Prozent gewonnener Zweikämpfe und einer Foulspielanzahl im Bereich der Mertesacker-Quote entnervte Eilts die Gegner, gewann unzählige Bälle und galt im fortgeschrittenen Fußballeralter von 31 Jahren als eine der Entdeckungen des Turniers. Er schaffte es in das UEFA-Allstar-Team des Turniers, wurde von der nationalen und internationalen Presse für seinen Einsatzwillen gefeiert („Lord Eilts“) und erhielt nach der EURO unzählige hoch dotierte Angebote. Doch was machte Eilts? Er widerstand den Lockrufen aus München, Italien und England und blieb in Bremen. Bodenständig halt. Wie später im Verein, endete auch Eilts‘ Länderspielkarriere eher abrupt und unschön. Das letzte seiner 31 Länderspiele absolvierte er im Juni 1997 in der WM-Qualifikation in der Ukraine (0:0). Danach wurde er von Berti Vogts nicht mehr berücksichtigt. Bei der WM ein Jahr später krähte schon kein Hahn mehr nach „Lord Eilts“.

Und heute?

Nach der aktiven Laufbahn schlug Dieter Eilts zunächst eine viel versprechende Trainerkarriere ein. Über die A-Jugend von Werder Bremen kam er 2003 zum DFB, wo er die U19 übernahm. Die Beförderung zur U21 folgte ein Jahr später. Eilts erreichte mit der Mannschaft zweimal in Folge die EM-Endrunde, wurde jedoch trotz guter Ergebnisse im November 2008 entlassen, weil seine Philosophie nicht mit der von Bundestrainer Jogi Löw übereinstimmte. Eilts verließ den DFB und wurde Chefcoach bei Hansa Rostock. Er übernahm den Erstliga-Absteiger im Mittelfeld der Zweiten Liga. Nach nur einem Sieg aus 11 Spielen wurde er jedoch bereits im März 2009 entlassen, Hansa lag zu diesem Zeitpunkt auf dem 17. Tabellenplatz. Seit Anfang 2011 arbeitet Dieter Eilts nun beim Landesligisten VfL Oldenburg als Jugendkoordinator.

„Wissenswertes“ zu Dieter Eilts

1995 wurde Eilts zu Bremens Sportler des Jahres gewählt. Eine Auszeichnung, die auch schon seine Werder-Kollegen Angelos Charisteas, Marco Bode, Fabian Ernst, Frank Rost, Rune Bratseth und Uwe Harttgen (!) erhalten haben. In diesem Jahr käme es wohl einem Wunder gleich, wenn ein weiterer Werder-Spieler diese Wahl gewänne…

Dieter Eilts ist einer von derzeit sieben Ehrenspielführern von Werder Bremen, wie auch u.a. Horst-Dieter Höttges, Dieter Burdenski und Marco Bode.

Bekanntestes Zitat des als dröge und wortkarg geltenden Dieter Eilts: „Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen.“

Noch kein Kommentar

1 Ping

  1. Gewinnspieleinlösung: Marco Bode – Eine Hommage | Aktives Abseits sagt:

    […] Marco Bode hatte schließlich noch mehr zu bieten. Er ist – wie Dieter Eilts, der bereits eine Hommage auf Aktives Abseits erhalten hat, ein echtes Werder-Urgestein, das nie für einen anderen Profi-Klub gespielt […]

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