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Jul
08

Gewinnspieleinlösung: Marco Bode – Eine Hommage

Grün-Weiße Wochen bei Aktives Abseits! Henning aus Leer hat bereits zum zweiten Mal den Sieg beim allmonatlichen Quiz davongetragen. Er wusste, dass Marcel Witeczek, Lionel Messi und Sergio Agüero Torschützenkönige bei einer U20-Weltmeisterschaft waren. Hennings Belohnung: Ein Loblied auf Marco Bode.

„You look very similar to Steffi Graf!“ Diese Worte würden sicherlich der einen oder anderen Frau schmeicheln. Doch wie reagierst du, wenn du als Mann ein solches „Kompliment“ erhältst? So widerfahren Marco Bode am 15. Dezember 1995 vor dem Länderspiel Südafrika – Deutschland in Kapstadt. Ausgesprochen wurden diese Worte von niemand geringerem als dem südafrikanischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, der jeden deutschen Spieler vor dem Anpfiff persönlich begrüßte.

Bode lächelte höflich und schwieg. Er wird ohnehin nervös genug gewesen sein, immerhin stand der damals 26-jährige Bremer vor seinem Nationalmannschafts-Debüt. Aber Mandela hatte ja auch nicht ganz unrecht, die entsprechende „Matte“ hatte Bode jedenfalls. Auch heute noch kann man Rudimente eines Vokuhila ausmachen. Und die Tatsache, dass Bodes beachtlicher Oberlippenbart, der ihm bereits mit Anfang 20 die Aura eines Fernfahrers um die 40 verlieh, kurz zuvor gewichen war, machte die Ähnlichkeit evident. Ohne Oliba sah Bode jedenfalls deutlich jünger und femininer aus – womit wieder einmal bewiesen wäre, wie sehr die Haartracht die Wahrnehmung beeinflussen kann.*

Marco Bode: Einer nach König Ottos Geschmack

Doch genug mit den Äußerlichkeiten. Marco Bode hatte schließlich noch mehr zu bieten. Er ist – wie Dieter Eilts, der bereits eine Hommage auf Aktives Abseits erhalten hat – ein echtes Werder-Urgestein, das nie für einen anderen Profi-Klub gespielt hat.

Mit seinen 190 Zentimetern Körpergröße, seiner bodenständigen Art und seiner Vielseitigkeit auf dem Platz passte genau in das „Beuteschema“ der Bremer Trainerikone Otto Rehhagel. Der holte den gebürtigen Osteroder im Jahr 1989 in den Profikader. Bode war zu der Zeit bereits ein Jahr im Verein, nach seinem Abitur im Jahr 1988 spielte er zunächst bei den Amateuren und absolvierte parallel seinen Zivildienst in einem Bremer Altersheim.

In seinen Anfangstagen als Profi machte sich Bode, der vor allem im linken Mittelfeld und im Sturm zum Einsatz kam, einen Namen als Chancentod. „König Otto“ hielt dennoch beständig an ihm fest, wegen (oder trotz?) seiner Jugend. Bodes erster Titel ließ nicht lange auf sich warten: Beim Bremer Pokalsieg im Jahr 1991 stand er im Finale gegen Köln (5:4 nach Elfmeterschießen) die vollen 120 Minuten auf dem Platz. Auch beim Sieg im Europapokal der Pokalsieger 1992, in der Meistersaison 1992/93 und beim abermaligen Pokalsieg 1994 war Marco Bode ein integraler Bestandteil der Werder-Mannschaft.

Um es kurz zu machen: Jedes Jahr zwischen 1989 und 2002 war ein Bode-Jahr bei Werder. Ob der Trainer nun Rehhagel hieß oder Aad de Mos, „Dixie“ Dörner, Wolfgang Sidka, Felix Magath oder schließlich Thomas Schaaf – Bode hatte immer seinen Platz in der Mannschaft. Und zwar aus gutem Grund:

Marco Bode: Werders Rekordmann

101 Tore in 379 Bundesligaspielen, mehr Treffer hat kein anderer Spieler für Bremen in der Bundesliga erzielt. Eines ist dennoch bemerkenswert: Fast jeder hat ein Tor von Rudi Völler, Mario Basler, Ailton oder Claudio Pizarro vor Augen. Doch sich an ein konkretes Bode-Tor zu erinnern, fällt trotz der Masse an Treffern irgendwie schwer. Er war eben kein Mann für die spektakulären Aktionen, sondern vielmehr der Inbegriff des Team- und Rollenspielers.

Auch Marco Bodes 10 erhaltene Gelbe Karten in diesen 379 Spielen sind rekordverdächtig – so viele sammelt so mancher Profi in einer Saison. Selbst Per Mertesacker, der in seiner BL-Karriere bislang bei 9 Gelben Kartons steht, wird Bodes Marke kaum unterbieten können.

Wer weiß, vielleicht sind ja Marco Bodes „Hobbies“ der Grund für die wenigen Verwarnungen. Immerhin hat die Werder-Legende lange Schach gespielt, außerdem Philosophie und Mathematik studiert (wenn auch ohne Abschluss). Der Schachspieler in ihm wird womöglich die Züge des Gegners vorhergesehen haben. Der Philosoph in Bode überlegte vielleicht zwei Mal, ob er dem Gegner tatsächlich Schmerzen zufügen soll. Und der Mathematiker in ihm dürfte bei der Berechnung der Flugkurve des Balls geholfen haben. Nur so ne Theorie…

Ein Mann für Berti, Erich und Rudi

Nochmal zurück zur Mandela-Anekdote vom Anfang. Der Vergleich mit Steffi Graf markierte nämlich den Anfangspunkt von Marco Bodes Nationalmannschaftskarriere. Hier – wie auch bei Werder – war er irgendwie immer dabei, ohne dass man es so recht bemerkte. Er brachte immer seine Leistung, stand aber auch stets im Schatten anderer. Eine Situation, die Bode sicherlich nicht unlieb war.

Bodes Vorteil im DFB-Dress war seine Vielseitigkeit. Als reiner Stürmer hätte er es sicherlich nicht auf 40 Länderspiele (9 Tore) gebracht. Doch in Ermangelung guter Spieler für die linke Seite fand sich immer ein Plätzchen für den Bremer, der auch mal als linker Verteidiger aushelfen musste. So wurde er 1996 Europameister und 2002 Vize-Weltmeister.

Und es gibt doch ein Bode-Tor, das in Erinnerung geblieben ist: Sein 1:0 im dritten Gruppenspiel der WM 2002 gegen Kamerun machte erst das Erreichen des Achtelfinales klar. Das 0:2 im Finale gegen Brasilien war nicht nur Marco Bodes letztes Spiel im Nationaltrikot, sondern auch das letzte seiner Karriere. Mit gerade einmal 32 Jahren hängte er die Fußballschuhe an den Nagel – sehr zum Verdruss vieler Werder-Anhänger. Mit ihm ging der letzte Spieler aus der großen Ära Rehhagel.

Und heute?

Marco Bode gehört zu den Ex-Profis, die auch außerhalb des Fußballs Fuß gefasst haben. Heute arbeitet er im Sportmarketing, außerdem produziert er Formate für das Kinderfernsehen. Als Steffi Graf Look-alike musste er (zum Glück) noch nie auftreten.

*(Das so genannte „Marco Bode-Phänomen“ bei Männern, bei Frauen der „Kerstin Stegemann-Effekt“ – ein erläuternder Artikel wird sicherlich zeitnah folgen)

Noch kein Kommentar

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  1. Marco Bode und Kerstin Stegemann – Frisurenpäpste im Fußball | Aktives Abseits sagt:

    […] Schreiben meiner Hommage an Marco Bode ist mir bewusst geworden, wie sehr die Haartracht einen Menschen verändern kann. Bode […]

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