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Feb
06

Gewinnspieleinlösung: Torjäger für eine Saison

Andi Latte, der Gewinner des Aktives-Abseits-Quiz im Februar, hat sich einen Übersichtsartikel über die größten „One Hit Wonder“-Torjäger der Bundesliga seit 1990 gewünscht. Hier ist das gute Stück!

Es ist gewiss besser, einmal in seinem Fußballerleben ein gefeierter Star gewesen zu sein, als seine gesamte Karriere in der grauen Masse der Durchschnittsprofis zu verbringen. Trotzdem haftet Spielern, die auf eine einzige herausragende Spielzeit zurückblicken können, im Nachhinein eher ein Versagerimage an als ihren gänzlich unauffälligen Kollegen. Doch es soll in diesem Artikel nicht darum gehen, dieses Paradoxon zu entschlüsseln zu bewerten… Vorhang auf für die größten „One Hit Wonder“-Torjäger der Bundesliga seit 1990!

Jan Furtok: Saison 1990/91, 20 Tore für den Hamburger SV

Bereits seit 1988 kickte der Pole für den HSV und lieferte mit neun bzw. zehn Saisontoren in seinen ersten beiden Jahren solide Leistungen ab. Die Spielzeit 1990/91 wurde jedoch Furtoks Jahr: 20 Tore in 32 Spielen, Platz zwei in der Torjägerliste, neuer Millionenvertrag. Danach ging es mit Furtoks Karriere aber deutlich bergab: Der Stürmer avancierte zum „Chancentod“, erzielte in vier weiteren Spielzeiten für den HSV (bis 1993) und Frankfurt (1993-1995) in 101 Spielen insgesamt nur noch 20 Treffer.

Peter Közle: Saison 1993/94, 13 Tore für den MSV Duisburg

Erst mit 25 Jahren feierte Peter Közle im August 1993 sein Bundesligadebüt. Bei Aufsteiger MSV Duisburg avancierte der gebürtige Bayer, der zuvor fünf Jahre in Belgien und der Schweiz gespielt hatte, zu einer der grö0ten Entdeckungen der Saison. Der Langhaarträger, der stets mit dickem Lederarmband auflief (das war damals noch erlaubt), wurde im Frühjahr 1994 sogar mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Közle blieb jedoch in Duisburg, traf in der Folgesaison allerdings nur noch viermal und stieg mit dem MSV ab. Auch auf seinen letzten Profistationen in Bochum und bei Union Berlin konnte Közle bei Weitem nicht mehr an die Form der Saison 1993/94 anknüpfen.

Sergio Zarate: Saison 1993/94, 13 Tore für den 1.FC Nürnberg

Die „Zaubermaus“ aus Argentinien spielte sich in seinem zweiten Anlauf in Nürnberg, wo er bereits von 1990 bis 1992 unter Vertrag stand, in den Fokus der Großvereine. Die 13 Tore des Langhaarträgers lösten ein Wettbieten in Deutschland, Italien und Spanien aus. Das Rennen machte schließlich der Hamburger SV, der 1994 umgerechnet eine Million Euro für Zarate locker machte. Der „zahlte“ seine Ablöse mit einem einzigen Tor zurück. 1995 zog der 1,70 Meter kleine Techniker dann nach Südamerika weiter, wo er ebenfalls keine Bäume mehr ausriss.

Vasile Miriuta: Saison 2000/01, 11 Tore, 11 Vorlagen für Energie Cottbus

Der überaus behäbige, aber bei Standards umso gefährlichere Ungar mit den rumänischen Wurzeln war in der Saison 2000/01 der (Glatz-)Kopf des Cottbuser Spiels und führte Energie zum unerwarteten Klassenerhalt. Nach 2001 gelangen ihm allerdings nur noch vier Tore in 46 Spielen für Cottbus und Duisburg.

Thomas Christiansen: Saison 2002/03, 21 Tore für den VfL Bochum

Bis zur Saison 2002/03 war Thomas Christiansen nicht viel mehr als ein guter Zweitligaspieler. Zwischen 1991 und 1995 gelangen ihm 28 Tore in 60 Spielen für die Zweite Mannschaft des FC Barcelona, 2001/02 trug der Spanier mit dänischen Wurzeln mit 17 Treffern zum Bochumer Aufstieg bei. Doch in seiner ersten Bundesliga-Spielzeit überraschte der immer etwas schläfrig wirkende Mittelstürmer alle, erzielte 21 Tore und wurde gemeinsam mit Giovane Elber Bundesliga-Torschützenkönig. 2003 nahm Christiansen eine Millionen-Offerte aus Hannover an, wo er in drei Jahren nur noch zwölf weitere Tore erzielen konnte, ehe er seine Fußballschuhe 2006 an den Nagel hängte.

Vahid Hashemian: Saison 2003/04, 16 Tore für den VfL Bochum

Allzu lange trauerte man in Bochum dem abgewanderten Thomas Christiansen nicht nach, denn dessen Ersatzmann Vahid Hashemian trug in der Folgesaison mit seinen 16 Saisontreffern maßgeblich zur UEFA-Cup-Qualifikation des VfL bei. Hashemian hatte in den vier Jahren zuvor für den Hamburger SV und Bochum insgesamt 18 Treffer erzielt, diese Quote egalisierte er nun fast in einer einzigen Saison. Zur Belohnung schloss sich der Iraner 2004 dem FC Bayern an, wo er hinter Makaay, Pizarro und Santa Cruz nur vierter Stürmer war und gerade einmal auf neun Kurzeinsätze kam, in denen er ohne Torerfolg blieb. Auch bei Hannover 96 (2005 bis 2008) und erneut beim VfL Bochum (2008 bis 2010) konnte „der Hubschrauber“ nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen, traf in 130 Spielen nur noch zwölfmal ins Tor.

Delron Buckley: Saison 04/05, 15 Tore für Arminia Bielefeld

Delron Buckley ist in dieser Liste das krasseste Beispiel für eine Achterbahnkarriere: 1995 ging der Südafrikaner im Alter von 18 Jahren zum VfL Bochum. Dort traf der pfeilschnelle Außenstürmer in neun Profijahren 20 Mal ins Tor. 2004 dann der Wechsel zu Aufsteiger Bielefeld, das in der Saison 2004/05 unter Uwe Rapolder deutschlandweit für seinen variablen und technisch ansprechenden „Konzeptfußball“ gefeiert wurde. Buckley war der Star in einer Mannschaft ohne Stars. Er erzielte sensationelle 15 Tore und wechselte nach nur einem Jahr zu Borussia Dortmund, wo ihm in 59 Spielen ein einziges Tor gelang. Weitere Stationen: Mainz, Famagusta, Karlsruhe, Maritzburg. Torquote: unter ferner liefen.

Ebi Smolarek: Saison 2005/06, 13 Tore für Borussia Dortmund

In der vermutlich dunkelsten Saison der Dortmunder Vereinsgeschichte, als der BVB kurz vor den Insolvenz stand und auch sportlich vor sich hin dümpelte, war der Pole Ebi Smolarek einer der wenigen Lichtblicke bei den Schwarz-Gelben. Zuvor als Chancentod verschrien (13 Tore in 73 Spielen für Feyenoord Rotterdam und den BVB), traf Smolarek in einer einzigen Saison so häufig wie in seinen vier Profijahren zuvor insgesamt. Der BVB erklärte sein „Tafelsilber“ daraufhin für unverkäuflich. Dumm nur, dass Smolarek danach kaum noch traf. Im Januar 2008 verließ er Dortmund und wurde zum Wandervogel: Santander, Bolton, Kavala, Polonia Warschau, Al-Khor SC, ADO Den Haag und aktuell Jagiellonia Bialystok hießen die weiteren Karrierestationen Smolareks.

Robert Vittek: Saison 2005/06, 16 Tore für den 1.FC Nürnberg

Keinen einzigen Treffer erzielte Robert Vittek in der Hinrunde der Saison 2005/06. In der Rückrunde traf der damals 23-jährige Slowake aber nach Belieben: Allein acht Tore standen an den Spieltagen 24, 25 und 26 für ihn zu Buche, am Saisonende waren es 16. Im Sommer 2006 schlug der FCN ein zweistelliges Millionen-Angebot des Hamburger SV für Vittek aus, in dem festen Glauben, eine goldene Ära eingeleitet zu haben. Leider baute Vittek so rasant ab, wie er zugelegt hatte: Für den Club traf er in den folgenden 43 Spielen nur noch viermal. Auch auf seinen weiteren Karrierestationen (Lille, Ankaragücü, Trabzonspor) sprangen in fünf Jahren lediglich noch 16 Tore heraus.

Halil Altintop: Saison 2005/06, 20 Tore für den 1.FC Kaiserslautern

In der der Saison 2005/06 war der Deutsch-Türke Halil Altintop der Torgarant schlechthin beim Pfälzer Traditionsverein. In einem komplett auf ihn zugeschnittenen Spielsystem reichten jedoch selbst seine 20 Saisontore nicht zum Klassenerhalt. Altintop, der zuvor in zwei Jahren insgesamt acht Treffer erzielt hatte, wechselte nach dem Abstieg ablösefrei zum FC Schalke 04, wo er die hohen Erwartungen mit 16 Toren in 96 Spielen nicht erfüllen konnte. Im Januar 2009 zog er zu Eintracht Frankfurt weiter, wo er in 49 Spielen gerade einmal drei Treffer erzielte. Auch die Torquote für seinen aktuellen Arbeitgeber Trabzonspor ist ausbaufähig (49 Spiele/9 Tore).

Sergiu Radu: Saison 2006/07, 14 Tore für Energie Cottbus
Vlad Munteanu: Saison 06/07, 11 Tore für Energie Cottbus

Diese beiden Herren kann man fast nicht anders als im Doppelpack abhandeln. Die beiden Rumänen waren die Garanten für den souveränen Klassenerhalt des Aufsteigers in der Saison 2006/07, erzielten zusammen 25 der 38 Cottbuser Tore. Mittelfeldspieler Munteanu und Stürmer Radu wechselten nach der Saison im Paket für 4,5 Millionen Euro nach Wolfsburg. Dumm gelaufen: Als sie in der Autostadt unterschrieben, war Klaus Fuchs noch Sportdirektor und Klaus Augenthaler Trainer. Als sie dort ankamen, war Felix Magath Trainer und Sportdirektor in Personalunion – und „Quälix“ stand so gar nicht auf die beiden Rumänen, die seitdem eine wahre Odyssee hinter sich gebracht haben: Munteanu ist über die Zwischenstationen AJ Auxerre, Arminia Bielefeld, FSV Frankfurt, Dinamo Bukarest und Concordia Chiajna mittlerweile bei Erzgebirge Aue angekommen. Seit seinem Abgang aus Cottbus absolvierte er gerade einmal 56 Erst- und Zweitligaspiele, in denen er vier Tore erzielte. Radu hat seine Karriere mittlerweile beendet, nachdem er von Wolfsburg erst nach Stuttgart, dann nach Köln und dann zurück nach Cottbus ausgeliehen wurde. Seine letzte Station: Alemannia Aachen. Seine Bilanz seit 2007: 108 Erst- und Zweitligaspiele, zwölf Tore.

Mohammed Zidan: Saison 2006/07, 13Tore für Mainz 05

Gerade einmal eine Halbserie benötigte Mohamed Zidan, bei Werder Bremen hinter Miroslav Klose und Ivan Klasnic chancenloser dritter Stürmer, um in Mainz zum Star zu avancieren. Der FSV stieg zwar trotz 13 Zidan-Toren in 15 Spielen zwischen Januar und Mai 2007 ab, konnte mit dem Ägypter aber noch ein nettes Geschäft machen: Für 2,5 Millionen gekauft, für mehr als das Doppelte ein halbes Jahr später nach Hamburg verkauft. Dort glaubte man, endlich den ersehnten Knipser gefunden zu haben. Doch Zidan kam nie zurecht, schoss im ersten Jahr nur zwei Tore und wurde nach Dortmund abgegeben. Dort war Jürgen Klopp, der Zidan in Mainz stark gemacht hatte, gerade Trainer geworden. Doch auch unter „Kloppo“ kam der Ägypter nicht mehr so recht in Tritt: 13 Tore erzielte er in dreieinhalb Jahren für die Borussia, war im Ein-Stürmer-System des BVB meist nur dritter Mann. Sein Comeback in Mainz ab Januar 2012 begann zwar verheißungsvoll (sieben Tore in zwölf Spielen), wurde aber trotz ansprechender Trefferquote im vergangenen Sommer nicht fortgesetzt, weil sich Zidan dem Vernehmen nach nur zum Ausführen des Anstoßes in der eigenen Hälfte aufhielt. Mittlerweile spielt der 31-Jährige in seiner Heimat bei Baniyas SC.

1 Kommentar

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  1. Henning F. Strenge sagt:

    Zidan hat in seinen ersten beiden Jahren in Dortmund 13 Tore geschossen und war v.a. 2009/10 als hängende Spitze hinter Barrios tätig wo er eine glänzende Saison spielte. Leider brachte ihn im April 2010 ein Kreuzbandriss aus dem Tritt.

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