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Jun
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Gewinnspieleinlösung: Trainingsauftakt beim 1.FC Köln – Was bringt die Saison?

Hier der Wunschartikel für David, den Gewinner des Aktives Abseits-Quiz im Monat Juni! Am 22. Juni startet der 1.FC Köln in die Saisonvorbereitung. Vieles ist neu bei den „Geißböcken“. Nur der Kader ist fast unverändert. Was ist von den Kölnern in dieser Saison zu erwarten?

Willkommen im Sommerloch. Weil außer Frauenfußball und der mittlerweile völlig ausgelutschten Ballack-Löw-Thematik nichts los ist, sind viele Bundesliga-Redakteure in der Bredouille. Wie soll man täglich eine Story liefern, wenn nichts passiert? So kam denn auch der für den 1. FC Köln verantwortliche BILD-Reporter für auf die Idee, gegen den neuen Trainer zu schießen, obwohl – oder gerade weil – der noch gar nicht da ist: „Klassischer Fehlstart für Solbakken. Ein Trainer, der weder Mannschaft noch Liga kennt, hätte eigentlich sogar schon vorm Trainingsstart in Köln sein müssen!“ Auch die Tatsache, dass der im Urlaub weilende Solbakken den im Urlaub weilenden Lukas Podolski noch nicht als Kapitän bestätigt hat, sorgt rund um das Geißbockheim für Diskussionsstoff. Womit schon einmal klar ist, dass zumindest die Kölner Medien in der kommenden Saison die Rolle einnehmen werden, die man von ihnen gewohnt ist: die des Aggressive Leaders, der einfach mal dazwischen grätscht, wenn es zu harmonisch zu werden droht. Doch was ist mit dem Rest?

Präsidium

Um das Präsidium war es in den letzten Wochen wohltuend ruhig. Das wird sicherlich nicht so bleiben, Sonnenkönig Wolfgang Overath wird auch in der kommenden Saison Schlagzeilen machen – wenn es gut läuft, vor allem aber wenn es schlecht laufen sollte. Die Kritik von Teilen der Fans wird nicht verstummen, auch wenn Overath sich nur zu gerne taub stellt.

Das Team hinter dem Team

Wie vor rund einem halben Jahr beschlossen, haben die beiden Hauptverantwortlichen für die Ausrichtung des FC – Sportdirektor Volker Finke und Geschäftsführer Claus Horstmann – viele Steine umgedreht. Vom Präsidium einmal abgesehen, ist im Verein kein Bereich unangetastet geblieben. Einige, wie Physio Dieter Trzolek, sind freiwillig gegangen. Die meisten, darunter die Ex-Spieler Paul Steiner (Scouting), Thomas Häßler (Techniktrainer) oder Matthias Scherz (Karriere-Planung), gingen im Zuge einer „Verschlankung“, wie es so schön heißt. Auch Pressechef Christopher Lymberopoulos oder Konditionstrainer Cem Bagci mussten den Verein verlassen. Tenor: „Klare Fokussierung auf Leistung und Erfolg“ (Zitat Claus Horstmann im Express-Interview vom 13.6.2011). Wenn man böswillig wäre, könnte man fragen, worauf sich der FC in der Vergangenheit fokussiert hatte. Aber in der Tat scheint man auf dem richtigen Weg zu sein, indem man überflüssige Stellen abbaut.

Ebenfalls neu: Die Zweite Mannschaft firmiert künftig unter dem Namen U21 (anstatt U23). Auch hier will man die Vorgänge optimieren, indem man die Regionalliga-Mannschaft als reines Bindeglied zwischen Jugend- und Profimannschaft betrachtet. Wer auch nach zwei, drei Jahren noch nicht den Sprung in die Erste Mannschaft geschafft hat, soll künftig verliehen oder ganz abgegeben werden. Die Plätze im Kader werden generell durch jüngere Spieler eingenommen. Das senkt auch in diesem Bereich die Personalkosten.

Für die Leihspieler wird künftig Frank Schaefer verantwortlich sein. Wie beispielsweise Bayer Leverkusen es schon seit Jahren praktiziert, wird auch der FC künftig verstärkt Spieler verleihen, die für die Zweite Mannschaft zu stark und für die Erste Mannschaft (noch) zu schwach sind. Um die soll sich Frank Schaefer verstärkt kümmern. Mit der Zielsetzung, dass diese nach Ablauf der Leihe das Zeug zum Stammspieler haben. Die „Werkself“ hat es vorgemacht: Dort entwickelten sich aus der aktuellen Mannschaft u.a. Tranquillo Barnetta oder Stefan Reinartz in der Fremde zu gestandenen Profis.

Trainerstab

Die wichtigste Personalie ist der neue Chef-Trainer. Der Norweger Stale Solbakken ist die 1A-Lösung von Volker Finke und sollte allein schon deswegen jede Menge Rückendeckung bei Sportdirektor und Präsidium besitzen. Solbakken kommt mit Vorschusslorbeeren, führte den FC Kopenhagen zu fünf Meisterschaften in Folge und zog mit den Dänen in der vergangenen Saison ins Achtelfinale der Champions League ein. Solbakken hatte bereits einen Vertrag als norwegischer Nationaltrainer unterschrieben, aus dem ihn der FC eigens herauskaufte. In der Vergangenheit war er zudem schon in Leverkusen und Hamburg ein heißer Kandidat. Dass man sich dort für Robin Dutt bzw. Michael Oenning entschieden hat, muss nicht gegen Solbakkens Qualifikation sprechen. Aber der Norweger spricht eben noch kein perfektes Deutsch und hat zudem noch keine Erfahrungen im deutschen Fußball gesammelt– ein Risiko, das der FC in Kauf genommen hat. Sonst hätte man einen solchen Mann vermutlich auch nicht bekommen.

Solbakkens Co-Trainer ist sein langjähriger Assistent Bard Wiggen. Erweitert wird das Team von Ibrahim Tanko. Der ehemalige Dortmunder und Freiburger Stürmer gehörte auch schon bei den Urawa Red Diamonds zu Finkes Mitarbeiterstab. Hinzu kommen der bisherige U16-Trainer Patrick Weiser und Torwarttrainer Alexander Bade, der einzige „Überlebende“ aus dem alten Trainerstab.

Mannschaft

Hier ist bislang noch wenig geschehen. Der einzige echte Neuzugang ist der 20-jährige Albaner Odise Roshi, der nicht mehr als ein Perspektivspieler sein dürfte. Weiterhin kommen diverse Leihspieler zurück, allen voran Manasseh Ishiaku, der sich selbst in der belgischen Liga nicht durchsetzen konnte. Der 2-Millionen-Flop (Vertrag bis 2012) steht wie in jeder Transferperiode zum „Verkauf“ (im Zweifel würde man ihn vermutlich auch ablösefrei abgeben, um zumindest sein üppiges Grundgehalt zu sparen). Fest verpflichtet wurde der bisherige Leihspieler Mato Jajalo vom AC Siena. Der FC lässt sich den Kroaten rund zwei Millionen Euro kosten, die dem Vernehmen nach in Raten gezahlt werden.

Der einzige echte Abgang ist bislang Fabrice Ehret. Thomas Kessler, Simon Terodde, Reinhold Yabo, Stephan Salger und José-Pierre Vunguidica wurden derweil an unterklassige Vereine ausgeliehen. Gut möglich, dass ihnen noch ein paar weitere Spieler nachfolgen, allen voran Taner Yalcin, der dringend Spielpraxis braucht.

Was die Kaderplanung angeht, übt man sich beim FC in Geduld. Sportdirektor Finke buhlt zwar um ausgewählte Spieler, wie seinen Ex-Schützling Sascha Riether, doch letzten Endes muss Solbakken entscheiden, mit wem er aus dem aktuellen Kader arbeiten möchte und auf welchen Positionen er noch Bedarf sieht.

Entscheidend wird in dieser Frage auch das System sein, auf das der Trainer setzt. In Kopenhagen ließ er mal mit einem 4-4-2 mit Raute, mal mit zwei Sechsern und zwei offensiven Flügeln spielen. Beim Blick auf den FC-Kader und die finanziellen Möglichkeiten scheint die Raute als System aber auszufallen. Dafür hat man einfach zu viele Sechser und Flügelspieler im Kader. Außerdem würde die Verpflichtung von Sascha Riether (eines Sechsers, der auch rechts verteidigen könnte) nur dann Sinn ergeben, wenn Solbakken auf die Doppelsechs setzt. Das nötige Geld wäre plötzlich da, weil man dank einer Klausel am Wechsel des Ex-FC-Profis Derek Boateng von Getafe nach Dnjeprpetrowsk rund zwei Millionen Euro mitverdient. Dennoch darf man sich fragen, warum sich Finke nicht um Alternativen bemüht hat, die bei ähnlicher Qualität deutlich günstiger gewesen wären als Riether (etwa St.Paulis Matthias Lehmann, der künftig für Zweitligist Frankfurt spielt).

Es ist zu erwarten, dass der FC bis zum Transferschluss am 31. August die Augen nach Schnäppchen offen hält und erst spät tätig wird – möglicherweise so spät, dass die Mannschaft bis zum Winter braucht, um sich zu finden. Zwar hat die Verpflichtung eines Sechsers Priorität, doch ein starker Innenverteidiger (als Konkurrent oder gar Nachfolger für Mohamad oder Geromel), ein Rechtsverteidiger, der Miso Brecko Druck macht, ein flinker Flügelspieler sowie ein Stürmer stünden der Mannschaft noch gut zu Gesicht.

Am Ende wird Vieles davon abhängen, welchen Eindruck der aktuelle Kader auf Solbakken macht, und welche „Altlasten“ man noch abbauen kann. Kandidaten gibt es auch hier genug: Manasseh Ishiaku, Kostas Giannoulis, Andrézinho, Kevin McKenna, Christopher Schorch, Wilfried Sanou oder Alexandru Ionita dürften es schon schwer genug haben, überhaupt zum 18er Kader zu gehören.

Fahrplan bis zum Saisonstart

Der Trainer hat frühzeitig angekündigt, alle Spieler auch unter Wettkampfbedingungen sehen zu wollen. Gelegenheiten wird es genug geben. Neben dem Vorbereitungsknaller gegen Arsenal London misst sich der FC auch noch u.a. mit Panathinaikos Athen, Spartak Moskau und Twente Enschede.

Aussichten & Erwartungshaltung

Entscheidend wird sein, wie der Trainer von der nicht immer einfachen Mannschaft aufgenommen wird und inwiefern die Spieler seine Vorstellungen umsetzen können. Dass der FC nicht vom ersten Spieltag an alles in Grund und Boden spielen wird, wissen selbst die größten Optimisten. Eine Weiterentwicklung des zarten spielerischen Aufwärtstrends der letzten Saison, ein Bestätigen der wiedergewonnenen Heimstärke und ein selbstbewussteres Auftreten auf des Gegners Platz sind wohl das, was man erwarten kann und darf. Eine sorgenfreie Saison vom Start weg, die man irgendwo zwischen Platz 8 und 11 beendet, würde man wohl im Nachhinein als gelungenen Start in die „Ära“ Solbacken bezeichnen.

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