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Okt
25

Gewinnspieleinlösung: Was wäre wenn… Lothar Matthäus Bundestrainer geworden wäre?

„Olaf Bodden“, der Gewinner des fabulösen Aktives Abseits-Quiz im Oktober, wünscht sich einen Artikel der Kategorie „Was wäre wenn“. Er möchte wissen, was geschehen wäre, wenn nicht Jürgen Klinsmann, sondern Lothar Matthäus im Jahr 2004 Bundestrainer geworden wäre. Eines vorweg: Der deutsche Fußball sähe heute anders aus.

23. Juni 2004
Deutschland verliert bei der Europameisterschaft in Portugal gegen die zweite Garnitur Tschechiens mit 1:2. Reservespieler wie Jaromir Blazek, Pavel Mares, Roman Tyce oder Marek Heinz reichen aus, um die vermeintlich besten elf deutschen Kicker vorzuführen. Mit zwei Unentschieden und eben dieser Niederlage scheidet Deutschland zum zweiten Mal in Folge in der Vorrunde einer Europameisterschaft aus. Knapp zwei Jahre vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist der deutsche Fußball (fast) wieder am Boden.

24. Juni 2004
Teamchef Rudi Völler und (Co-)Bundestrainer Michael Skibbe geben ihre Rücktritte bekannt. Völler, der trotz des behäbigen Spiels seiner Mannschaft bei diesem Turnier bei den Medien immer noch hoch im Kurs steht, erklärt seinen Abschied mit den Worten: „Ich habe bis 2006 nicht mehr den Kredit, etwas auszuprobieren und auch Spiele zu verlieren. Das kann nur einer, der unbefleckt ist, der nicht persönlich den Rucksack mit dem EM-Vorrunden-Aus schleppen muss.“

Schnitt. Hier endet die Realität. Tatsächlich ging es wie folgt weiter: Der DFB tut sich – wie schon 1998 und 2000 – extrem schwer, einen neuen Bundestrainer zu finden. Große Namen, darunter Ottmar Hitzfeld, Otto Rehhagel, Guus Hiddink oder Arsène Wenger sagen der eigens gegründeten „Trainerfindungskommission“ unter Vorsitz von DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder ab. Nach wochenlanger Suche fällt die Wahl schließlich am 26. Juli 2004 auf Jürgen Klinsmann, nachdem kurz zuvor noch der von Franz Beckenbauer protegierte Lothar Matthäus als aussichtsreichster Kandidat gegolten hatte. Der Rest ist bekannt: Klinsmann holt Joachim Löw als Co-Trainer, engagiert Psychologen und Fitnesstrainer, vertraut einer jungen Mannschaft und bricht die (Denk-)Strukturen beim DFB und in der Liga auch gegen heftigste Widerstände auf. Klinsmann gelingt so ein Meilenstein für die sehr erfreuliche Entwicklung des deutschen Fußballs in den vergangenen acht Jahren.

Das Matthäus-Szenario

Nun aber das Alternativ-Szenario: Man stelle sich nur vor, Franz Beckenbauer und der beinahe allmächtigen Bild-Zeitung wäre es tatsächlich gelungen, den damaligen ungarischen Nationaltrainer Lothar Matthäus ins Bundestraineramt zu befördern.

Ich könnte den guten Lothar jetzt durch den Kakao ziehen, das ist ja mittlerweile fast ein Volkssport geworden. Ich könnte satirisch maßlos überzogene Geschichten erdenken. Etwa darüber, dass Matthäus seine alte Position als Libero wieder eingeführt hätte. Dass er sich hin und wieder Situationen selbst aufgestellt hätte, um sich kurz vor Abpfiff gegen Thorsten Fink auswechseln zu lassen. Ich könnte mir Ehen mit Teenie-Stars ausmalen. Ich könnte spekulieren, dass er am Ende seiner Trainerlaufbahn mehr Frauen als Nationalelfdebütanten hatte. Doch das ist wohl alles etwas billig.

Was ich mich aber zu behaupten traue, ist, dass der Deutsche Fußball-Bund nach 2004 unter Matthäus vermutlich so weitergemacht hätte wie zuvor. Oder könnt Ihr Euch vorstellen, dass Matthäus Fitnesstrainer, einen Psychologen und einen Chefscout engagiert? Dass er brutal auf junge Spieler gesetzt hätte, um unter all diesen Talenten vielleicht das eine oder andere „Juwel“ zu entdecken? Dass er die Mannschaftshierarchie in Frage gestellt hätte, Oliver Kahn die Kapitänsbinde entzogen hätte und auch die Position der Nummer eins neu „ausgeschrieben“ hätte? Dass er sich von Altlasten (u.a. dem Bayern-Lobbyisten Sepp Maier) getrennt hätte, und so dem gesamten Betreuerstab ein neues Gesicht verpasst hätte? Dass er sich mit den Verbandsoberen angelegt hätte, um bei der WM 2006 den maximalen Erfolg zu erzielen?

All das, zumindest aber vieles davon, wäre unter einem anderen Bundestrainer als Jürgen Klinsmann wohl ausgeblieben. Ok, vermutlich hätte man sich mit einer anderen Besetzung auch die leidige Wohnort-Diskussion um den seit über zehn Jahren in Kalifornien lebenden Klinsmann erspart, der zu den Bundesliga-Spielen lieber seinen Co Jogi Löw geschickt hat. Heute wissen wir, dass es so besser für den deutschen Fußball war als anders herum…

Die bestmögliche aller Welten

Ich würde nicht ausschließen, dass auch Lothar Matthäus nach 2004 womöglich Erfolg gehabt hätte. Talente wie Mario Götze, Mesut Özil oder Marco Reus wären heute wohl auch dann Nationalspieler, wenn 2004 ein anderer Bundestrainer geworden wäre. Doch Klinsmann hat damals erst das Bewusstsein für die Jugend geschärft. Der Mangel an guten Mitt- und Endzwanzigern hat ihn damals dazu bewogen, auf den talentierten, wenn auch vermutlich noch etwas zu „grünen“ Nachwuchs zu setzen. Natürlich handelte er damals aus der Not heraus, doch heute haben viele dieser „grünen Jungs“ wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Per Mertesacker 90 und mehr Länderspiele. Sie waren gewissermaßen die Türöffner für die Jugendwelle in Liga und Nationalelf.

Insofern sage ich: Was die Besetzung des Bundestrainerpostens im Jahr 2004 angeht, hat der DFB tatsächlich einmal alles richtig gemacht. Jeder andere Bundestrainer mit weniger Reformwillen – ob er nun Matthäus oder Meier oder Schmidt geheißen hätte – hätte sich vermutlich im Nachhinein als die schlechtere Lösung herausgestellt. Klinsmann war damals der richtige Mann zur richtigen Zeit. Und das Entwickeln und Umsetzen einer Spielphilosophie hatte er schließlich qualifizierte Mitarbeiter…

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  1. Klinsmann: "Arbeit von Jogi ist einfach klasse" sagt:

    […] erschießt Frau offenbar im Beisein von Kindern Emotionen: 11* In Blogs gefunden: Gewinnspieleinlösung: Was wäre wenn Lothar Matthäus Ok vermutlich hätte man sich mit einer anderen Besetzung auch die leidige WohnortDiskussion um […]

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