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Apr
27

Gewinnspieleinlösung: Weltstars auf Altersteilzeit in der Bundesliga

In ihrer fast 50-jährigen Geschichte hat die Fußball-Bundesliga viele internationale Alt-Stars kommen und gehen sehen. Manche haben trotz ihrer Jahre noch einmal brilliert, andere haben Deutschland zum Karriereausklang „missbraucht“. Zu diesem Thema hat sich April-Gewinnspielsieger MaxPower einen Artikel gewünscht. Bitte schön!

Oldies but Goldies

Raul Gonzalez Blanco (Schalke 04)
2010 wechselte die lebende Real Madrid-Legende nach 18 Jahren im Trikot der „Königlichen“ zu den „Königsblauen“ nach Gelsenkirchen. An die Real-Triumphe (3 Champions League-Siege, 6 spanische Meisterschaften) konnte Raul beim FC Schalke erwartungsgemäß nicht mehr anknüpfen, doch der Spanier gewöhnte sich schnell an die Bundesliga, gewann den Respekt der Kollegen und die Sympathien der Fans. Und zaubern kann er immer noch! Lupfen kann in der Bundesliga jedenfalls keiner so gut wie Raul. Und es kommt noch besser! Eine tragische Figur ist Raul nämlich auch noch: Bis 2006, als die spanische Nationalmannschaft noch nicht die Klasse für den ganz großen Wurf hatte, war Raul in der Blüte seiner Jahre. Als die Mitspieler (endlich) reif waren, war der vermutlich beste spanische Fußballer aller Zeiten bereits ein „Auslaufmodell“ für den Nationaltrainer.

Gerald Vanenburg (1860 München)
In München feierte Gerald Vanenburg einst seinen größten Triumph, 1988 mit dem Gewinn der Fußball-Europameisterschaft mit den Niederlanden. Und in München zog sich Gerald Vanenburg auf sein Altenteil zurück. Im reifen Fußballeralter von 34 Jahren schloss sich der Niederländer 1998 dem TSV 1860 München an. Er war damit nur einer der illustren Altstars, die um die Jahrtausendwende das „Löwen“-Trikot trugen (zu den anderen unten mehr). Als Abwehrchef verlieh Vanenburg den Sechzigern große Stabilität und war neben Mittelfeldregisseur Thomas Häßler und Torjäger Martin Max einer der Gründe, warum sich die „Blaun“ in der Saison 1999/2000 auf Platz vier der Bundesliga kämpften und an der Qualifikation zur Champions League teilnehmen durften. Bei diesen Spielen war Vanenburg allerdings schon nicht mehr dabei. Gewissermaßen auf dem Höhepunkt seiner „Löwen“-Zeit erklärte er im Alter von 36 Jahren seinen Rückzug vom aktiven Fußball. 2004 kehrte Gerald Vanenburg übrigens noch einmal zu den Löwen zurück, als „letzte Patrone“ (Modewort der Saison) sollte er die 1860er vor dem Abstieg bewahren. Es gibt sicherlich dankbarere Aufgaben für die erste Trainerstation, als eine verunsicherte, auf einem Abstiegsplatz stehende Mannschaft für fünf Spieltage zu übernehmen. Fast folgerichtig gelang Vanenburg die Rettung nicht. Die „Löwen“ sind seitdem achtmal am Projekt Wiederaufstieg gescheitert, und Vanenburgs Trainerkarriere ist nie so richtig ins Laufen gekommen.

Sami Hyypiä (Bayer Leverkusen)
Bereits 35 Jahre alt war Sami Hyypiä, als er 2009 bei Bayer Leverkusen anheuerte. Nach einem Jahrzehnt war für den baumlangen Finnen auf einmal kein Platz mehr in der Innenverteidigung des FC Liverpool. Für die Bundesliga reichten Hyypiäs Qualitäten aber noch. Vor allem in seiner ersten Saison steckte er seine Nebenleute mit seiner Routine an: Leverkusen blieb 2009/10 vom Saisonstart weg 24 Spiele ungeschlagen, Hyypiäs Verdienst daran ist nicht zu unterschätzen. Nach der fast schon vereinstypischen „Leistungsdelle“ im Frühling beendete Bayer die Saison auf Rang 4. Nach der Saison 2010/11, in der die „Werkself“ gar Zweiter wurde, hängte Hyypiä seine Fußballschuhe an den Nagel. Aktuell ist er gemeinsam mit Sascha Lewandowski Interims-Trainer bei Bayer.

Morten Olsen (1.FC Köln)
Noch ein Jahr älter als Sami Hyypiä war Morten Olsen, als er 1986 zum 1.FC Köln wechselte. Der dänische Libero verlieh der Abwehr der „Geißböcke“ eine Stabilität, die in der Domstadt seitdem nicht mehr gesehen ward. Nach der knapp verpassten Deutschen Meisterschaft 1989 beendete Olsen seine Karriere. Der gute Name aber blieb: Von 1993 bis 1995 nahm Olsen auf der Trainerbank der Kölner Platz, seit 2000 trainiert er die dänische Nationalmannschaft.

Kein Rennpferd, aber auch kein Ackergaul

Youri Djorkaeff (1. Kaiserslautern)
Youri Djorkaeff war eine der großen Stützen der alles überragenden französischen Nationalmannschaft bei der WM 1998 und der EM 2000. Der offensive Mittelfeldspieler wechselte 1999, im Alter von 31 Jahren, überraschend von Inter Mailand zum 1.FC Kaiserslautern. Nach gutem Beginn (25 Spiele, 11 Tore in der Saison 1999/2000) spielte Djorkaeff in der Folge zunehmend lustlos und provozierte so in gewisser Weise seinen Abgang im Winter 2002 zu den Bolton Wanderers. Rückblickend bezeichnete er seine Zeit in Deutschland gar als schlimmste Erfahrung seines Lebens. 2006 beendete „die Schlange“ seine Karriere.

Ruud van Nistelrooy (Hamburger SV)
In seinen Glanzzeiten bei Manchester United (2001-06) und Real Madrid (2006-09) hatte „Van the Man“ die eingebaute Torgarantie. Als der 33-jährige Niederländer im Januar 2010 zum Hamburger SV gelotst wurde, konnte sich Sportdirektor Didi Beiersdorfer denn auch vor Lobeshymnen kaum retten. In der Tat wurde van Nistelrooys Trikot zu einem Verkaufsschlager, auch seine Torquote in der Rückrunde 2009/10 (11 Spiele, 5 Tore) konnte sich sehen lassen. Einem guten Start in die Saison 2010/11 folgte jedoch eine monatelange Torflaute. Da der HSV die Europacup-Qualifikation 2011 deutlich verpasste und ein Umbruch unumgänglich wurde, wechselte der Groß-Verdiener van Nistelrooy zum neureichen Primera Division-Club FC Malaga, wo ihm bislang lediglich vier Saisontore gelangen.

Großer Name, nichts dahinter

Igor Belanow (Borussia Mönchengladbach, Eintracht Braunschweig)
Die Mutter aller Transferflops. 1986 noch zu „Europas Fußballer des Jahres“ gewählt, wechselte Belanow 1989 als erster sowjetischer Nationalspieler in den Westen. Bei Borussia Mönchengladbach enttäuschte der Flügelstürmer jedoch, brachte es nur auf vier Tore in 24 Spielen. In der Winterpause der Saison 1990/91 wechselte Belanow zu Eintracht Braunschweig in die Zweite Bundesliga, wo er zumindest nicht negativ auffiel. 1994 beendete er im Alter von 33 Jahren in der Oberliga seine einst verheißungsvolle Karriere.

Darko Pancev (VfB Leipzig, Fortuna Düsseldorf)
1991 war das Jahr des Darko Pancev: Sieg im Europapokal der Landesmeister mit Roter Stern Belgrad, Zweiter bei der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ und ein hochdotierter Vertrag bei Inter Mailand. Zweieinhalb Jahre später verschlug es den mazedonischen Stürmer dann in die Bundesliga, zum abgeschlagenen Schlusslicht VfB Leipzig (10 Spiele, 2 Tore). 1995 schloss sich Pancev dem Aufsteiger Fortuna Düsseldorf an, wo er nach einer Saison (14 Spiele, 2 Tore) bereits wieder aussortiert wurde. Manche Spieler blühen halt nur einen Sommer…

Jean-Pierre Papin (FC Bayern München)
Europas Fußballer des Jahres, Welttorjäger, Champions League-Sieger – Jean-Pierre Papin hatte in seiner Karriere einiges vorzuweisen, als er 1994 für umgerechnet 2,8 Millionen Euro zu Bayern München wechselte. Obwohl mit 30 Jahren nicht mehr in der Hochform seiner Zeit bei Olympique Marseille (1986-92), galt Papin dennoch als Schlüsselspieler im Kader von Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni. Diesen Erwartungen konnte Papin allerdings nie gerecht werden. Auch aufgrund von Integrationsproblemen und Verletzungspech schoss der Franzose in seinem ersten Jahr nur ein Tor. In der Saison darauf setzte Trapattonis Nachfolger Otto Rehhagel meist auf den jungen Alexander Zickler als Sturmpartner von Jürgen Klinsmann, Papin blieb in der Regel nur die Reservistenrolle. Jean-Pierre Papin verließ den FC Bayern 1996 Richtung Girondins Bordeaux. Seine traurige Bayern-Bilanz: 31 Pflichtspiele, 3 Tore.

Abédi Pelé (1860 München)
Afrikas bester Fußballer des 1990er Jahre, der als Regisseur u.a. Olympique Marseille 1993 zum Sieg in der Champions League führte, ließ sich mit 32 Jahren auf das Abenteuer Bundesliga ein. Der Wandervogel, der u.a. in seiner Heimat Ghana, Saudi-Arabien, der Schweiz, Frankreich und Italien gekickt hat, war einer der größten Transfercoups der Münchner „Löwen“ unter ihrem Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser. Pelé soll seinerzeit fürstlich verdient haben, gespielt hat er aber viel zu oft wie Pele Wollitz. Nach zwei Jahren (50 Spiele, 2 Tore) ließ er seine Karriere dann in den Vereinigten Arabischen Emiraten endgültig ausklingen.

Rafael Martin Vazquez (Karlsruher SC)
Zehn Jahre lang trug Mittelfeldspieler Rafael Martin Vazquez das Trikot von Real Madrid und gewann in dieser Zeit fünf spanische Meisterschaften. 1998 verschlug es den damals 33 Jahre alten 38-fachen spanischen Nationalspieler zum Zweitligisten Karlsruher SC. Dort „glänzte“ Vazquez jedoch nur fünfmal, er beendete seine Karriere auf der Tribüne des zugigen Wildparkstadions.

Davor Suker (1860 München)
Der WM-Torschützenkönig von 1998, der in seiner glanzvollen Karriere u.a. für Real Madrid und den FC Arsenal stürmen durfte, wechselte ebenfalls im Spätherbst seiner Karriere zu 1860 München. In zwei Jahren (2001-2003) kam der einstige „Killer“ jedoch nur auf fünf mickrige Treffer. Technik hatte er immer noch, aber Schnelligkeit und Esprit waren Suker irgendwo zwischen London und München abhanden gekommen. Mit 35 Jahren beendete Davor Suker 2003 seine Karriere bei den „Löwen“.

Gheorghe Popescu (Hannover 96)
Bei der WM 1994 war Gheorge Popescu einer der Stars im rumänischen Team. Als Lohn wechselte er nach dem Turnier zum FC Barcelona. Mit 35 Jahren und den Zwischenstationen Galatasaray, Lecce und Dinamo Bukarest schloss sich Popescu 2003 Hannover 96 an. Das hohe Alter merkte man ihm an, Popescu war langsam und hüftsteif geworden. Nach 14 Vorstellungen war Schluss.

Vladimir Jugovic (LR Ahlen)
Gemeinsam mit Darko Pancev (s.o.) gewann Vladimir Jugovic 1991 den Landesmeister-Pokal mit Roter Stern Belgrad. Auch der Serbe machte anschließend Karriere in Italien. So gewann der Mittelfeldspieler mit Juventus Turin 1996 die Champions League und 1997 den Scudetto. Weitere namhafte Stationen seiner Karriere waren Inter Mailand, Lazio Rom, Sampdoria Genua und Atletico Madrid. Jugovic‘ letzter Arbeitgeber, der damalige Zweitligist LR Ahlen, mag da nicht so recht reinpassen. Jugovic passte sich denn auch dem Niveau seines Vereins an, biedere zwei Tore in 19 Zweitligaspielen standen in der Saison 2004/05 für ihn zu Buche, ehe er mit 36 Jahren seine Karriere beendete.

Jari Litmanen (Hansa Rostock)
In der großen Mannschaft von Ajax Amsterdam, die 1995 die Champions League in einer Überlegenheit gewann, an die nur der FC Barcelona der letzten Jahre heranreicht, war Jari Litmanen der Kopf der Offensive. Als der beste finnische Kicker aller Zeiten Ajax 1999 verließ, nahm sein Glück jedoch ein Ende. Weder beim FC Barcelona, noch beim FC Liverpool und noch nicht einmal nach seiner Rückkehr nach Amsterdam 2002 bis 2004 konnte Litmanen an alte Glanzzeiten anknüpfen. Anfang 2005 wagte der Finne einen letzten Anlauf in einer großen Liga, mit 33 Jahren schloss er sich Hansa Rostock an. Den Abstieg aus der Bundesliga konnte Litmanen mit einem Treffer in 13 Partien aber nicht abwenden, er kehrte Rostock nach einem halben Jahr wieder den Rücken. Obwohl mittlerweile 40 Jahre alt, ist Jari Litmanen heute noch in seiner finnischen Heimat bei HJK Helsinki aktiv.

Juan Pablo Sorin (Hamburger SV)
Drei Millionen Euro Ablöse überwies der Hamburger SV im Sommer 2006 für Juan Pablo Sorin an den FC Villarreal. Sorin schien mit seiner Übersicht und Routine der richtige Mann zu sein, um die linke Abwehrseite des HSV für die Champions League entscheidend zu verstärken. Doch Großverdiener Sorin war immer wieder verletzt. Muskelfaserrisse in Serie und hartnäckige Patellasehnenprobleme zwangen ihn allzu oft zum Zusehen. In zwei Jahren bei den Hanseaten kam Sorin so nur auf 27 Pflichtspieleinsätze. 2008 verkündete der HSV die Vertragsauflösung im – wie es so schön heißt – „beiderseitigen Einvernehmen“. Sorin wechselte daraufhin zu Cruzeiro Belo Horizonte nach Brasilien, wo er seine Karriere im Sommer 2009 beendete.

Maniche (1.FC Köln)
Als echter „Kracher“ wurde der Portugiese Maniche im Sommer 2009 beim 1.FC Köln vorgestellt. Der schussstarke Mittelfeldspieler stand immerhin 2004 im All-Star-Team der Europameisterschaft, auch 2006 spielte er eine starke WM. Einziges Problem: Maniche galt als schwieriger Spieler, der auf seinen Stationen (u.a. Porto, Chelsea, Inter, Atletico) immer wieder mit seinen Trainern aneinander geriet. Nicht von ungefähr wurde Maniche aufgrund seiner Suspendierung in Madrid überhaupt erst für den 1.FC Köln verfügbar, wohin ihn sein Landsmann und Freund Petit lotste. Auf dem Platz präsentierte sich Maniche zumeist divenhaft und lustlos. Sein Übergewicht, das sich nicht zuletzt in einem markanten Doppelkinn manifestierte, wurde er unter Trainer Zvonimir Soldo nie los. Das könnte auch an Maniches mangelndem Trainingsfleiß gelegen haben. So soll er im Winter 2009/10 die Aufforderung seines Trainers zu einem Waldlauf mit den Worten „I pay what you want, it’s too cold“ quittiert haben. Gespielt hat Maniche trotz solcher Respektlosigkeiten fast immer, 2009/10 kam er auf 30 Einsätze (3 Tore). Nach dieser einen Saison wurde das Missverständnis beendet.

Mauro Camoranesi (VfB Stuttgart)
Mitte der 2000er Jahre stand der rechte Mittelfeldspieler bei fast allen europäischen Top-Clubs auf dem Notizzettel. Die Krönung seiner Karriere erfuhr Camoranesi bei der WM 2006 in Deutschland, bei welcher der langjährige Juve-Profi wesentlich zum Titelgewinn der Italiener beitrug. Im Spätsommer 2010 wechselte der damals 33-jährige Zopfträger zum VfB Stuttgart, um der jungen Mannschaft mit seiner Erfahrung Stabilität zu verleihen. Camoranesi erwies sich jedoch schnell als unmotiviert, nicht austrainiert – und teuer. Nach nur sieben Spielen und einem Platzverweis wurde der Vertrag bereits im Dezember 2010 wieder aufgelöst.

Mickael Silvestre (Werder Bremen)
Fast auf den gleichen Tag wie Camoranesi wechselte auch ein Vize-Weltmeister von 2006 in die Bundesliga: Der beim FC Arsenal ausgemusterte Mikaël Silvestre schloss sich am 30. August 2010 Werder Bremen an. Der 33-jährige französische Verteidiger hatte in seiner Karriere allerhand gewonnen (5x englischer Meister, 1x Champions League mit Manchester United) und in der Szene einen entsprechend großen Namen. Dass der allein nicht alles ist, zeigten seine in der Regel schwachen Leistungen im Trikot der Grün-Weißen. 2011/12 kam er aufgrund von Verletzungen nur einmal zum Einsatz. Böse Zungen behaupten, dass das für Werder keine Schwächung sei.

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