«

»

Feb
14

Gladbach holt Lucien Favre als neuen Trainer – Ein Abstieg mit System?

Nach langem Festhalten hat der Tabellenletzte Borussia Mönchengladbach gestern seinen Trainer Michael Frontzeck vor die Tür gesetzt. Anstatt einen „Feuerwehrmann“ à la Hans Meyer zu holen, verpflichtete die Elf von Niederrhein mit dem Schweizer Lucien Favre einen Trainer, der eher für langfristige Arbeit steht. Nimmt man den Abstieg in Kauf für einen „echten“ Neuaufbau mit Sinn und Verstand?

22 Spiele, 16 Punkte, kein Heimsieg – wenn das nicht die Bilanz eines echten Abstiegskandidaten ist! Doch während der drei Punkte besser platzierte VfB Stuttgart in dieser Saison bereits zweimal ohne Besserung den Trainer gewechselt hat, ist man in Mönchengladbach entgegen seiner Gepflogenheiten erstaunlich lange ruhig geblieben. Zumindest bis gestern.

Kein Meyer, kein Lattek – sondern Favre

Seitdem wurden die tollsten Nachfolgekandidaten für Michael Frontzeck gehandelt, sogar Stefan Effenberg war mit in der Verlosung – das wäre ein Spaß geworden. Doch anstatt zum dritten Mal Hans Meyer oder einen anderen „Feuerwehrmann“ zu holen, schwenkt nun der „Konzepttrainer“ (Schimpfwort?) Lucien Favre das Zepter bei der Borussia. Der Neu-Coach sagte bei seiner Vorstellung zwar, dass er noch an den Klassenerhalt glaube, aber (Achtung!) dass man im Falle des Abstiegs am sofortigen Wiederaufstieg arbeiten werde.

Schenkt Gladbach also ab und plant schon für die neue Saison in der Zweiten Liga? Favres Verpflichtung spricht jedenfalls dafür, dass man den Klassenerhalt nicht mit allen Mitteln erzwingen will. Der Schweizer hat einst mehrere Jahre bekommen (und benötigt), um aus dem FC Zürich zumindest national ein Spitzenteam zu formen. Auch mit der Berliner Hertha spielte Favre erst ein Jahr im biederen Mittelmaß, ehe er in seiner zweiten Saison (2008/09) um ein Haar die Champions League erreicht hätte (was der Fußballgott und das Hertha-Gen zu verhindern wussten). Dass in der Folgesaison dann nichts mehr ging, lag vermutlich weniger am Trainer, als an der Tatsache, dass mit Pantelic, Voronin und Simunic die drei wichtigsten Spieler auf einen Schlag den Verein verließen und der Rest der Mannschaft nicht in der Lage war, eine weitere Saison am oberen Limit hinzulegen.

Kompletter Neustart?

Favre kann eine Mannschaft weiterentwickeln, wenn man ihm Zeit gibt. Doch genau die hat die Borussia nicht, wenn sie die Klasse noch halten will. Um drinzubleiben, müssen sofort Siege her – zur Not mit Libero und Brechstange. Genau dafür steht Lucien Favre nicht.
Gladbach geht somit einen unkonventionellen Weg.

Was sind die Optionen? Bleibt man drin, hat man mit Favre alles richtig gemacht. Steigt man ab, hat der Neuaufbau der Mannschaft schon im Abstiegsjahr begonnen. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und langfristige Planung allerorts als Grundsteine für den Erfolg gesehen werden, könnte man sich so womöglich einen Vorteil verschaffen. Doch was, wenn die Elf vom Niederrhein bis zum Saisonende unter Favre ergebnistechnisch überhaupt nichts mehr zu Wege bringt? Könnte man den Fans und den Medien einen Trainer vermitteln, der als abgeschlagener Letzter in die Zweite Liga geht? Würden Königs und Co. auch dann noch an ihren Wunschtrainer glauben?

Fakt ist, dass Gladbach sich seit Mitte der Neunziger im unteren Tabellendrittel befindet (bzw. drei Jahre lang sogar in der Zweiten Liga). Feuerwehrmänner haben jeweils nur kurzfristigen Erfolg gebracht. Den Sprung in die Regionen, wo der fünffache Meister eigentlich hin will, hat niemand geschafft. Vielleicht macht man ja gezielt einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen. Ich bin jedenfalls gespannt – und hätte für’s Erste schon mal nichts gegen den Schritt zurück…

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*