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Jun
24

Guardiola beim FC Bayern – Sechs Stolperfallen für Pep

158 Tage sind vergangen, seit die Verpflichtung von Pep Guardiola als Bayern-Trainer zur Saison 2013/14 durchgesickert ist. Nun ist er endlich da. Viele spannende Fragen werden bald beantwortet.

Nicht einmal bei der Bekanntgabe der Verpflichtung Jürgen Klinsmanns im Januar 2008 war der Hype um den FC Bayern größer als in diesen Tagen. Die Münchner scheinen auf dem sportlichen Höhepunkt ihrer 113-jährigen Vereinsgeschichte alles perfekt zusammengefügt zu haben. Die unbestritten beste europäische Vereinsmannschaft des vergangenen Jahres kommt mit dem weltweit erfolgreichsten Trainer der letzten fünf Jahre zusammen. Das alles wirkt wie eine „himmlische Hochzeit“, bei der man in Ruhe zusehen kann wie ein Titel nach dem anderen eingefahren wird. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass nicht jedes vermeintliche perfect match Glück und Erfolg garantiert. Nüchtern betrachtet steht Pep Guardiola vor einem Berg von Herausforderungen.

Spielphilosophie und Personalien

Sicherlich die spannendste Frage ist, wie sich die Mannschaft unter Guardiola verändern wird. Dass der 42-Jährige den Heynckes-Stil fortführen wird, scheint ebenso ausgeschlossen wie eine radikale Abkehr der erfolgreichen Philosophie der Vorsaison. Sehr wohl wird Guardiola aber seine eigene Idee von Fußball umsetzen wollen. Wie die aussieht, werden die nächsten Wochen zeigen. Selbst wenn er das 4-2-3-1-System als Grundausrichtung beibehalten sollte, würde Guardiola gewiss Nuancen verändern. Bei einer Systemumstellung, etwa zum 4-3-3 mit nur einem echten Sechser, wäre gleich alles in Bewegung. Es wird also hochgradig spannend. In Barcelona waren mit Guardiolas Amtsantritt die Tage von Ronaldinho und Deco gezählt, weil sie nicht zu seiner Idee von Fußball passten. Ein Jahr später musste auch Samuel Eto’o gehen. Ich würde jedenfalls nicht darauf wetten, dass Mario Gomez der einzige Hochkaräter auf der Verkaufsliste bleibt.

Nimmt die Mannschaft Guardiolas Fußball an?

Die Entscheidung des Trainers für ein bestimmtes System und bestimmte Personalien ist das eine. Wie die Mannschaft diese Ideen umsetzt, ist eine ganz andere Frage. Unter Louis van Gaal dauerte es Wochen, ehe sich die gewünschten Resultate einstellten. Angesichts der immensen Erwartungshaltung nach der „perfekten“ Saison dürfte Guardiolas Zeit für Experimente noch knapper bemessen sein. Der Startrainer muss sich im Klaren sein, dass es für ihn eigentlich keine Schonzeit gibt. Nicht auszudenken, der FCB verpatzt den Saisonstart und Borussia Dortmund würde gleich ein paar Punkte zwischen sich und die Münchner legen – so sehen wohl Träume aus, wenn man Aki Watzke heißt.

Das Verhältnis zu den deutschen Medien

Bei der heutigen Pressekonferenz wird die ganze Welt zuschauen. Guardiola wird sich als sympathischer und eloquenter Weltmann präsentieren, der nicht nur in fließendem Spanisch, Englisch und Italienisch parlieren wird, sondern gerade bei der deutschen Presse mit seinen ersten Erklärungen in der Landessprache viele Sympathiepunkte sammeln wird. Dieses Polster dürfte ein paar Wochen vorhalten. Doch Guardiola hat schon als Barca-Trainer kaum Exklusiv-Interviews gegeben, sich nur auf Pressekonferenzen und in der Mixed Zone Kommentare entlocken lassen. Gerade die deutschen Boulevardmedien können aber sehr nachtragend sein, wenn man sie nicht bevorzugt behandelt. Im Misserfolgsfall schießen sie dafür umso früher und heftiger.

Der öffentliche Vergleich mit Jupp Heynckes

Der Erfolg des FC Bayern aus dem Vorjahr ist für Pep Guardiola nicht zu toppen. Souveräner als in der Saison 2012/13 wird wohl nie wieder eine Mannschaft die deutsche Meisterschaft gewinnen. Auch der Sieg in der Champions League war unter dem Strich eine souveräne Angelegenheit für die Münchner, vom Gewinn des DFB-Pokals ganz zu schweigen. Im günstigsten Szenario wird Guardiola die Erfolge der Vorsaison wiederholen und seiner Mannschaft dabei einen eigenen Stempel aufdrücken. Gelingt dies nicht, werden früher oder später die Vergleiche mit Heynckes aus der Schublade gekramt. So oder so kann Guardiola kaum gewinnen.

Der mannschaftsinterne Vergleich mit Jupp Heynckes

Ob Andres Iniesta, Xavi oder Lionel Messi – in Barcelona schwärmten die Spieler in höchsten Tönen vom Trainer Pep Guardiola, von seiner Arbeitsweise und seiner Kommunikation mit der Mannschaft. Doch auch in München wird man in diesen Tagen kaum einen Spieler finden, der etwas Schlechtes über Jupp Heynckes sagt. Dem Altmeister ist es gelungen, den Kader ein Jahr lang auf ein Ziel zu fokussieren und den Teamgeist in den Vordergrund zu stellen. Jeder bekam unter ihm seine Spielanteile, sensible Stars wie Ribéry und Schweinsteiger ernteten intern und öffentlich Trainer-Lob im Übermaß. Auch hier ist Guardiola gefordert, seine neue Mannschaft auf seine Weise für sich zu vereinnahmen. Wenn sich der erste Star vom Coach nicht mehr wertgeschätzt fühlt, könnte das gesamte Gefüge ins Wanken geraten und alte Egoismen wieder hervortreten.

Kompabilität mit den Größen in der Führung

Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass der FC Bayern über die prominenteste und dominanteste Führungsriege im Vereinsfußball verfügt. Das Trio Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer trifft allerdings nun auf einen Trainer, der ihre Aura noch einmal überstrahlt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es für jeden Bayern-Coach ratsam ist, nicht nur seine Spiele zu gewinnen, sondern auch ein gesundes Maß an Demut gegenüber der Führung walten zu lassen. Sonst kann es bei Misserfolg ganz schön dreckig werden. Nachzufragen bei Louis van Gaal.

Die ultimative Lösung für Pep

Das Schöne ist: Es gibt für Guardiola einen ganz einfachen Weg, all diese Stolperfallen auf einen Schlag zu umgehen. Alles was er braucht, ist Erfolg. Ein Tor mehr schießen als der Gegner. Und selbst für den Fall, dass Guardiola diesen Erfolg nicht hat, wird es zumindest für den neutralen Beobachter eine interessante Zeit.

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