«

»

Jan
03

Gute Wünsche für 2017: Weniger Fußball!

Der Fußball steht am Scheideweg. Die TV-Quoten sind weiter einzigartig, und doch scheint der Zenit des Spiels bereits überschritten. Weniger wäre in Zukunft mehr. Allein FIFA, UEFA, die Ligen, die Großklubs, die Sponsoren und, und, und werden das nicht mitmachen.

Das Wort von Joachim Löw hat Gewicht. Doch selbst der 56-Jährige, immerhin Weltmeistertrainer und gefühlt seit Jahren der mit Sicherheit nächste Coach von Real Madrid, redet gegen Windmühlen an. „Man darf das Rad nicht überdrehen“, ist seit dem Herbst der überaus treffende Stehsatz des Bundestrainers, wenn es um die Zukunft des Fußballs geht.

Und recht hat er: Die Spieler stoßen immer mehr an ein körperliches und mentales Limit, auch bei den Fans macht sich ein Überdruss an dem eigentlich schönen Spiel breit. Doch was geschieht stattdessen? Es werden noch mehr Spiele: Die Europameisterschaft wurde 2016 auf 24 Starter aufgestockt. Das Turnier verlor dadurch an Qualität – es brachte aber mehr Geld, und das ist der entscheidende Faktor.

Deswegen wird Weltverband FIFA auch alsbald die Aufstockung der WM-Endrunden ab 2026 von bislang 32 auf 40, wahrscheinlicher aber auf 48 Mannschaften beschließen. Irgendwann werden gewiss auch andere Planeten zur WM zugelassen, wenn das den Umsatz steigert. Deswegen werden sich die großen europäischen Vereine in einigen Jahren aus der Champions League in eine Superleague verabschieden, in der die Bayern Münchens, Real Madrids oder Manchester Uniteds unter sich sind. Solange wird die „Königsklasse“ aber weiter entseelt, indem die UEFA den Startern der Top-Nationen mehr sichere Startplätze und natürlich auch mehr Geld garantieren muss, um sie solange wie möglich bei der Stange zu halten.

China-Millionen als Sinnbild für den Wert(e)verlust 

Apropos Geld: China überschwemmt den Markt mit Phantasiesummen, gegen die selbst auf ihrem 3,2 Milliarden schweren TV-Vertrag sitzenden Klubs der englischen Premier League nicht mehr mithalten können. Und die Bundesliga durchstößt bald wacker die Milliardengrenze. Allerdings zum hohen Preis der Salamisierung des Spieltages. So kommt in der 1. Liga mehr Geld rein, der Rest von Liga 2 bis runter in die Amateurligen schaut aber in die Röhre.

Die Folgen liegen auf der Hand. Eigentlich sind sie längst greifbar: Es gibt keine Highlights mehr im Highspeed-Fußballkarussell. Jeden Tag wird man heiß gemacht für einen Top-Kracher, den man bloß nicht verpassen darf. Ob Bundesliga, internationale Ligen, Champions League, Europa League, WM- oder EM-Qualifikation. Immer weiter. Und am Ende des Fußballjahres tut man sich dann schwer, auch nur drei Spiele zu benennen, die einen wirklich mitgerissen haben.

Spätrömische Dekadenz – und ein Ende

Man muss nicht drum herum reden: Die Übersättigung ist längst eingetreten. Wie beim Essen dauert es nur eine Weile, bis diese Erkenntnis auch im Kopf ankommt. Der Fußball geriert sich solange noch in spätrömischer Dekadenz und erfreut sich an den Millionen und Milliarden, die man irgendwo noch herauspressen kann. Doch Vorsicht: Wenn es weiter so geht, wird es irgendwann nicht mehr weitergehen.

Es war früher nicht alles besser. Doch der Fußball in seiner Darreichungsform war es schon.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*