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Jul
09

Hallo, wer da?! Viel Spaß mit Elia und Arnautovic

In Zeiten des Umbruchs hat sich Werder Bremen auf dem Transfermarkt lange zurückgehalten. U.a. mit Assani Lukimya, Theodor Gebre Selassie und Nils Petersen holte der vierfache Deutsche Meister solide bis gute Lösungen für kleines Geld. Gestern wurde der Transfer von Eljero Elia bestätigt. Der Niederländer ist extrem talentiert, aber auch extrem teuer und launisch. Elia trifft bei Werder mit Marko Arnautovic auf einen Bruder im Geiste. Das verspricht, interessant zu werden.

Werder Bremen hat sich in den vergangenen 20 Jahren den Ruf erarbeitet, gerade für so genannte „schwierige Spieler“ ein gutes Pflaster zu sein. So leuchteten die Sterne von Andreas Herzog, Mario Basler, Ailton, Ivan Klasnic, Johan Micoud oder Diego nie heller als in ihrer Zeit an der Weser. Doch spätestens seit dem Flop-Transfer des Brasilianers Carlos Alberto (kam 2007 für knapp 8 Millionen Euro, machte nur 5 Pflichtspiele, ging für 1 Million) hat Werder seinen Nimbus verloren.

Marko Arnautovic: Mehr Skandale als Tore

So geht der hoch veranlagte, aber nicht minder kindsköpfige und arrogante Marko Arnautovic (kam 2010 für 6,2 Millionen Euro von Twente Enschede) in seine dritte Saison. Gerade einmal 11 Pflichtspieltore hat der österreichische Stürmer bislang für Werder zustande gebracht. Die Zahl seiner Skandale dürfte in einer ähnlichen Größenordnung liegen.

Bereits bei seinem ersten Training legte er sich mit dem damaligen Platzhirsch Torsten Frings an („Was willst Du? Ich bin Champions League Sieger“) – Arnautovic kam in der Saison 2009/10 tatsächlich 55 Minuten für Inter Mailand zum Einsatz. Erst kürzlich soll er österreichischen Medienangaben zufolge einen Polizisten mit den Worten „Ich stehe über Dir. Ich kann Dein Leben kaufen!“ attackiert haben. Die zahlreichen Vorfälle dazwischen erspare ich Euch.

Unzählige Male haben Geschäftsführer Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf dem Stürmer den Kopf gewaschen. Lerneffekt bislang: null. Ob es den noch geben wird? Angesprochen auf die Aussichten seines Stars auf Läuterung, sagte Klaus Allofs vergangene Woche gegenüber “Bild“: „Marko hat geheiratet, wird Vater. Meistens hilft das.“ Die gute alte Rehhagel-Taktik lebt!

Eljero Elia: Letzte Chance für das Mega-Talent

Werders Neuer, der Flügelstürmer Eljero Elia (25), hat gemeinsam mit Marko Arnautovic bei Twente Enschede gezaubert. Den niederländischen Nationalstürmer zog es bereits 2009 in die Bundesliga, für 9 Millionen Euro wechselte das Top-Talent damals zum Hamburger SV. Dort schlug der schnelle, technisch starke Elia voll ein. Eine starke Hinrunde mit 5 Toren und 7 Vorlagen bescherte ihm das WM-Ticket nach Südafrika.

Doch bereits im Frühjahr 2010 sorgte Elia für Missstimmung. Trotz nachlassender Leistungen flirtete er unverhohlen mit „größeren Vereinen als dem HSV“. Als die konkreten Angebote nach der Weltmeisterschaft ausblieben, gönnte sich Elia eine schwache Saison – um anschließend für 9 Millionen Euro zu Juventus Turin zu wechseln. Dort kam er in der Serie A-Saison 2011/12 gerade einmal 97 Minuten zum Einsatz, wurde gewissermaßen auf der Tribüne Italienischer Meister – und wechselt nun für immer noch beachtliche 6 bis 7 Millionen Euro zu Werder Bremen. Das Gehaltspaket für vier Jahre dürfte die Ablöse noch einmal deutlich übersteigen. Werder geht damit für einen Spieler, dessen Leistungen nicht realistisch abzuschätzen sind, ein enormes finanzielles Risiko ein. Skepsis ist an dieser Stelle nicht unangebracht.

Hinzu kommt der „Spaltpilz-Faktor“. Spielern wie Elia und Arnautovic verzeiht man ihre Eskapaden nur, wenn die Tor- und Assistquote stimmt. Nun sind beide an guten Tagen Genies, an schlechten – und davon haben sie deutlich mehr – reißt schon ein einziger Spieler dieses Typus eine Mannschaft in den Abgrund. Bei zwei von dieser Sorte will man sich die Konsequenzen gar nicht ausmalen… Doch Arnautovic und Elia sind nicht die einzigen Fragezeichen des SV Werder.

Werder 2012/13: Hopp oder Top

Die Grün-Weißen stecken mitten im Umbruch. Nachdem bereits zum zweiten Mal in Folge das internationale Geschäft verpasst wurde, muss der einstige Abonnent auf die Champions League-Teilnahme (von 2004/05 bis 2010/11 sechs Mal dabei) kleinere Brötchen backen. Durch die Abgänge von Tim Wiese, Claudio Pizarro, Tim Borowski, Mickaël Silvestre, Markus Rosenberg (alle ablösefrei) und Marko Marin (für ca. 9 Millionen Euro zum FC Chelsea) hat Bremen viel Geld gespart. Allerdings sind das Einsparungen, die angesichts der fehlenden Einnahmen auch nötig waren. Aus dem Transferbudget für die Saison 2012/13 von knapp 10 Millionen Euro steckt man nun gut drei Viertel in einen Spieler, dessen Talent unbestritten ist, dessen Leistungsschwankungen aber nicht minder bekannt sind. Werder geht damit – untypisch für die Hanseaten – voll ins Risiko.

Aktuell hat Werder Bremen mit 22,9 Jahren den jüngsten Kader der Liga. Das ist noch einmal zwei Jahre jünger als die Truppe, mit der die deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Polen und der Ukraine angetreten ist. Grundsätzlich ist es in der aktuellen Situation richtig, den eigenen Nachwuchs stärker einzubinden. Talente wie Tom Trybull, Florian Hartherz oder Niclas Füllkrug haben bereits in der abgelaufenen (schwachen) Rückrunde ihren Platz in der Mannschaft gefunden. Doch allein mit Jugend und Talent wird es schwer, wieder den Anschluss an die Spitze zu schaffen. Die einzigen „gestandenen“ Akteure im aktuellen Kader sind der dauerhaft wechselwillige Naldo (29), EM-Fahrer Sokratis (24) und Kapitän Clemens Fritz (31), der nicht gerade als Anführer verschrien ist.

Ansonsten findet man im Kader der Grün-Weißen viele ähnliche Spielertypen, denen der absolute Durchbruch noch nicht gelungen ist. Vor allem in der Kreativzentrale stehen mit Mehmet Ekici (22), Zlatko Junuzovic (24), Aaron Hunt (25), Florian Trinks (20) und Felix Kroos (21) gleich fünf Spieler vom Typ „feiner Techniker ohne den letzten Punch“. Auch auf anderen Positionen lässt sich dieses Schema durchexerzieren.

Alles in allem vereint der Kader viel Talent, aber auch wenig Erfahrung, Konstanz und Durchschlagskraft. Auch wenn es noch früh ist und meine explizite Vorschau auf die Saison erst im August kommen wird: Werder ist für mich ein ganz klarer Kandidat für die untere Tabellenhälfte. Die Gegner 2012/13 heißen Mainz, Freiburg, Augsburg, Nürnberg, Frankfurt, Fürth und Düsseldorf. Anders ausgedrückt: Willkommen im Abstiegskampf, Werder!

1 Kommentar

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  1. Astronautovic sagt:

    Lieber Marco,

    du weißt, dass ich dein Leben kaufen kann und noch viele Weitere dazu.
    Geheiratet hab ich und der kleine Arni ist auch schon unterwegs. Du kannst Dir daher sicher sein, dass ich nächste Saison richtig Gas geben werde. Durch meinen Kumpel Elia komme ich locker auf über 20 Buden. Das wird eine richtige gute Saison. Nach links, nach rechts, wir bewegen unsere Hüften und kommen ins internationale Geschäft.

    Dein größter Leser,
    Astronautovic

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