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Apr
11

Hannover und wer noch? Der Bundesliga-Abstiegscheck

Die Meisterfrage in der Bundesliga ist so gut wie beantwortet. Nur ein dramatischer Einbruch kann den historischen vierten Titel in Folge von Bayern München noch verhindern. Der Abstiegskampf spitzt sich dagegen immer mehr zu. Fünf Spieltage vor dem Saisonende umfasst der Kandidatenkreis noch neun Vereine. Wer schafft den Klassenerhalt?

HAMBURGER SV (10. Platz/35:40 Tore/34 Punkte)

Restprogramm:

(A) Borussia Dortmund
(H) Werder Bremen
(A) FSV Mainz 05
(H) VfL Wolfsburg
(A) FC Augsburg

Der HSV schien eigentlich schon aus dem Gröbsten raus zu sein. Das 1:2 gegen Darmstadt 98 zog den „Dino“ aber wieder mitten rein in die Gefahrenzone. Zwar beträgt das Polster auf den „angestammten“ Relegationsplatz noch sechs Punkte und 15 Tore. Doch besonders eine Niederlage im Nord-Derby in zwei Wochen gegen den Erzrivalen Werder Bremen würde das Nervenkostüm noch einmal einer deutlichen Belastungsprobe aussetzen. Sollte der HSV bis zum Saisonabschluss beim ebenfalls stark abstiegsbedrohten FC Augsburg noch nicht gerettet sein, droht die dritte Relegation in Folge – zumal Mainz und Wolfsburg Punkte für Europa brauchen und nichts zu verschenken haben. Bei Lieblingsgegner Borussia Dortmund wird am Wochenende einiges davon abhängen, wie das Europa-League-Rückspiel beim FC Liverpool (Donnerstag) verlaufen ist.

Prognose: Der HSV bekleckert sich auf der Zielgeraden nicht mit Ruhm, rettet sich aber vorzeitig.

1. FC KÖLN (11./29:37/34)

Restprogramm:

(A) FSV Mainz 05
(H) SV Darmstadt 98
(A) FC Augsburg
(H) Werder Bremen
(A) Borussia Dortmund

Gefühlt steht der FC im oberen Mittelfeld. Viele gute Spiele haben die Geißböcke im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg gemacht. Viele eindeutige Schiedsrichter-Fehlentscheidungen haben verhindert, dass die Kölner vielleicht noch ein wenig nach Europa schielen können. Hätte, wäre, wenn. Spätestens nach dem 0:2 im Rheinderby gegen Bayer Leverkusen, der vierten Heimniederlage in Folge, muss auch die Mannschaft von Peter Stöger nach unten schauen. Allerdings ist auch der FC noch sechs Punkte und zwölf Tore besser als Werder Bremen auf dem Relegationsplatz. Die Norddeutschen kommen am 33. Spieltag aber zum Existenzkampf ins Rheinland, genauso wie Darmstadt 98 zwei Spieltage zuvor. Dazwischen muss Köln noch nach Augsburg. Drei Niederlagen in diesen Partien würden die Gefahr des sechsten Abstieges real werden lassen und die Mannschaft, die seit dem Aufstieg vor zwei Jahren nie wirklich unter Druck war, vor eine Mega-Aufgabe stellen. Auch die weiteren Gegner Mainz und Dortmund – wo in der Vergangenheit selten Punkte geholt wurden – machen Sorge.

Prognose: Dem negativen Trend zum Trotz zahlt sich die Ruhe aus. Der FC holt die nötigen drei Punkte, um alles klar zu machen.

VFB STUTTGART (12./46:59/33)

Restprogramm:

(A) FC Augsburg
(H) Borussia Dortmund
(A) Werder Bremen
(H) FSV Mainz 05
(A) VfL Wolfsburg

In der Hinrunde mittendrin im Schlamassel, nach einem fulminanten Start in die Rückrunde gefühlt schon wieder aus dem Gröbsten raus – und nach vier Spielen ohne Sieg nun doch wieder in Abstiegsgefahr: Der VfB Stuttgart hat sich mit seiner Inkonstanz selbst wieder in die Bredouille gebracht. Die Anfangseuphorie nach dem Trainerwechsel von Alex Zorniger zu Jürgen Kramny ist verflogen. Dauer-Gerüchte um die Zukunft zahlreicher Leistungsträger (Didavi, Kostic, Harnik) sorgen für Unruhe. Die zwei Duelle gegen Teams aus dem Tal der Liga (Augsburg, Bremen) sowie die drei Spiele gegen Europacup-Anwärter bieten Chancen, aber auch Risiken. Doch letztlich wird der VfB wie in den letzten Jahren Nervenstärke auf den letzten Metern der Saison beweisen.

Prognose: Stuttgart dreht den Trend und rettet sich spätestens in Bremen aus eigener Kraft.

SV DARMSTADT 98 (13./32:44/32)

Restprogramm:

(H) FC Ingolstadt
(A) 1. FC Köln
(H) Eintracht Frankfurt
(A) Hertha BSC
(H) Borussia Mönchengladbach

Komme, was wolle: Darmstadt 98 hat eine überragende Saison gespielt. Der Mega-Underdog hat mit seinem Kampffußball und herausragender Mentalität das Maximum aus den geringen Möglichkeiten gemacht und bereits jetzt mehr Punkte geholt, als die große Mehrheit der Fans und Experten angenommen haben dürfte. Mit dem Schwung des Sieges beim Hamburger SV können die Lilien nun voller Selbstbewusstsein in die letzten Wochen gehen. Mitaufsteiger Ingolstadt ist seit dem Wochenende quasi gerettet und schaltet vielleicht schon einen Gang runter. In Köln geht nach dem jüngsten Negativtrend etwas, das Heimspiel gegen den „großen“ Hessen-Rivalen Eintracht Frankfurt ist schon jetzt das Highlight für die Südhessen. Aus diesen Spielen muss Darmstadt Punkte holen, dann kann es was werden mit der Rettung. Die Hertha und Gladbach am Saisonende dürften nichts herschenken, für beide geht es voraussichtlich dann noch um die Champions League.

Prognose: Darmstadt rettet sich sensationell.

1899 HOFFENHEIM (14./33:44/31)

Restprogramm:

(H) Hertha BSC
(A) Borussia Mönchengladbach
(H) FC Ingolstadt
(A) Hannover 96
(H) FC Schalke 04

Unter Julian Nagelsmann glaubt die talentierte und technisch beschlagene Hoffenheimer Mannschaft wieder an ihre Stärken und bringt diese auf den Platz. Der Trend ist 16 Punkten aus den letzten acht Spielen überragend. Hoffenheim wird es auch den drei Europacup-Anwärtern aus Berlin, Mönchengladbach und Schalke an den letzten Spieltagen schwer machen – und gegen Ingolstadt und Hannover sicher die nötigen Punkte holen.

Prognose: Vorzeitige Rettung.

FC AUGSBURG (15./37:48/30)

Restprogramm:

(H) VfB Stuttgart
(A) VfL Wolfsburg
(H) 1. FC Köln
(A) FC Schalke
(H) Hamburger SV

Augsburg zahlt immer noch die Zeche für die Europapokalteilnahme. Der Sieg am Samstag in Bremen war nach zuvor sechs Spielen ohne Dreier eminent wichtig. Auch wenn die Spekulationen um einen Abgang von Trainer Markus Weinzierl am Saisonende nicht abreißen, kehrt bei den Fuggerstädtern keine Unruhe ein. Die Mannschaft ist intakt und hat seit dem Aufstieg 2011 in brenzligen Momenten immer wieder den Kopf aus der Schlinge gezogen. Die letzten fünf Gegner sind allerdings teilweise echte Hausnummern. Der FCA wird zu seiner Heimstärke zurückfinden müssen, zumal die „Besucher“ aus Stuttgart, Köln und Hamburg leichtere Kaliber sind als Wolfsburg und Schalke.

Prognose: Für den FCA wird es eng, aber am Ende stehen die Schwaben über dem Strich.

WERDER BREMEN (16./39:59/28)

Restprogramm:

(H) VfL Wolfsburg
(A) Hamburger SV
(H) VfB Stuttgart
(A) 1. FC Köln
(H) Eintracht Frankfurt

Torjäger Claudio Pizarro ist verletzt, Trainer Viktor Skripnik mal wieder angezählt – die Vorzeichen in Bremen könnten besser sein. Das Lippenbekenntnis von Manager Thomas Eichin zum ukrainischen Coach dürfte allenfalls noch bis zum HSV-Spiel Gültigkeit haben. Kommen dann keine Ergebnisse, muss man Werder zutrauen, auf den Feuerwehrmann-Effekt zu setzen. Nach fünf Jahren in Folge in den roten Zahlen wäre der zweite Abstieg der Klubgeschichte auch finanziell ein GAU. Positiv: Vier der nächsten fünf Gegner hängen unten drin, doch das muss für Werder kein Vorteil sein. Angesichts der mäßigen Formkurve bahnt sich am 34. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt aber eher ein Finale um den Relegationsplatz an. Hier hat Werder den Vorteil eines Heimspiels.

Prognose: Werder kämpft bis zum Ende und rettet sich auf den Relegationsplatz.

EINTRACHT FRANKFURT (17./29:46/27)

Restprogramm:

(A) Bayer Leverkusen
(H) FSV Mainz 05
(A) SV Darmstadt 98
(H) Borussia Dortmund
(A) Werder Bremen

Der Trainerwechsel-Effekt in Frankfurt ist bereits wieder verpufft. Nach nur einem Sieg aus vier Spielen unter Nico Kovac – und den gab es auch noch gegen Schlusslicht Hannover – nimmt der fünfte Abstieg der Hessen immer konkretere Formen an. Der nächste Gegner Leverkusen hat gerade einen Lauf und drängt mit Macht in die Champions League, Mainz will in die Europa League, Dortmund ist auch mit der B-Elf eigentlich klar besser als die Eintracht. Damit bleiben den Frankfurtern eigentlich nur die realistischen Punkthoffnungen in Darmstadt und Bremen. Werden beide Spiele nicht gewonnen, wird es ziemlich sicher direkt runter gehen.

Prognose: Das schwere Schlussprogramm und der negative Trend sprechen klar gegen die Eintracht. Frankfurt spielt kommende Saison in der 2. Liga.

HANNOVER 96 (18./24:54/18)

Restprogramm:

(H) Borussia Mönchengladbach
(A) FC Ingolstadt
(H) FC Schalke 04
(H) 1899 Hoffenheim
(A) Bayern München

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Hannover nicht nur gefühlt, sondern auch rechnerisch abgestiegen ist. Verliert Hannover am Freitag gegen Gladbach und gewinnt Bremen einen Tag später gegen Wolfsburg, wäre es bereits nach dem 30. Spieltag so weit. Nur vier Punkte aus zwölf Rückrundenspielen sind mehr als indiskutabel. Interimstrainer Daniel Stendel kann nur noch versuchen, die Saison anständig zu Ende zu bringen. Das 2:2 zuletzt bei Hertha BSC war ein guter Ansatz. Viel mehr Punkte sollten aber nicht mehr hinzukommen. Sind es am Ende 20 oder mehr, wäre das bereits ein kleiner Erfolg.

Prognose: Hannovers direkter Abstieg ist spätestens nach dem 31. Spieltag besiegelt.

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