«

»

Mai
05

Heidel-Vorschlag 20er-Liga: Pro und Contra

Mainz-05-Manager Christian Heidel hat am vergangenen Wochenende mit dem Vorschlag für Aufsehen gesorgt, die Fußball-Bundesliga von 18 auf 20 Vereine aufzustocken. Aus der Liga ließen die Absagen an den Vorstoß nicht lange auf sich warten. Dennoch ist Heidels Idee ein interessantes Gedankenmodell. Welche Auswirkungen hätte die Aufstockung?

Mehr Spiele, mehr Geld

Zunächst einmal würde die Bundesliga-Saison ausufernder. Zwei Mannschaften mehr in der Eliteklassen bedeuten für jeden Klub vier Saisonspiele mehr. Das bedeutet auch zwei Heimspiele mehr, gleichbedeutend mit einem Einnahmenplus im mittleren einstelligen Millionenbereich für jeden Verein.

Für die Liga als Ganzes bedeuten 380 statt bislang 306 Spiele natürlich auch größere Möglichkeiten bei der TV-Vermarktung. Sky als Live-Partner müsste dann noch einmal deutlich tiefer in die Tasche greifen und auf die 835 Millionen Euro, die ab der Saison 2016/17 fließen werden, weitere Millionen draufpacken. Nicht auszuschließen, dass dann die Milliardenschwelle pro Saison fallen würde. Das bedeutet mehr Geld für alle.

Höhere Belastung für die Spieler

Aber: Vier Spiele mehr pro Verein bedeuten auch vier Spiele mehr für die Spieler. Selbst finanziell hochpotente Klubs wie Bayern München oder Borussia Dortmund litten in der laufenden Spielzeit aber bereits bei „nur“ 34 Ligaspielen plus DFB-Pokal, Champions League und Nationalmannschaft unter massiven Personalengpässen infolge von Verletzungen.

Zusätzliche Spiele würden nur zwei Konsequenzen zulassen: Die Kader der Vereine müssten noch größer werden, um auf Verletzungen angemessen reagieren zu können. Das würde aber auch höhere Ausgaben nach sich ziehen, weil zusätzliche Spieler zusätzliches Geld kosten. Oder aber die Top-Stars würden in Spielen gegen schwache Gegner verstärkt geschont. Und davon gäbe es in einer 20er-Liga noch mehr als bislang. Ob dies die Attraktivität der Liga erhöhen würde?

Wegfall der Winterpause

In Spanien, England oder Italien schauen die Trainer bisweilen neidisch auf die Bundesliga. Eine Pause zwischen Weihnachten und Ende Januar mit zwei Wochen totaler Erholung für Spieler und Mitarbeiterstab sowie einem Neuaufbau der Form für die zweite Saisonhälfte sind dort undenkbar. Gerade in der Endphase des Europapokals sowie bei großen Turnieren im Sommer (WM, EM) stehen Bundesliga-Profis dank der Pause im Winter oft noch gut im Saft, wo die Konkurrenten aus Premier League, Primera Division und Serie A bereits auf dem Zahnfleisch gehen.

Mit vier Ligaspielen mehr pro Verein wäre die Winterpause allerdings nicht mehr aufrechtzuerhalten. Europapokal, DFB-Pokal und Nationalmannschaftstermine lassen bereits jetzt kaum fußballfreie Löcher an Dienstagen und Mittwochen übrig. Auch ein früherer Saisonbeginn oder ein späteres Ende der Spielzeit sind wegen WM und EM kaum umzusetzen. Es ginge zwangsläufig dem Winter an den Kragen.

Verlust von sportlicher Substanz

Zugegeben, schwächelnde Traditionsvereine wie der Hamburger SV oder der VfB Stuttgart hätten gewiss nichts dagegen, wenn die Bundesliga bereits jetzt aus 20 Klubs bestünde. Mit dieser Größe wäre es „einfacher“ denn je, die Klasse zu halten. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass noch größere Löcher zwischen Primus Bayern München und den Mannschaften aus der unteren Hälfte klaffen würden.

Bereits in der aktuellen Konstellation hat der FCB ein klares Polster auf die drei Verfolger VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Hinter diesem Trio klafft abermals eine gigantische Lücke auf eine breite Masse von Teams, die irgendwo zwischen Europapokalambitionen und Existenzangst balancieren.

Noch zwei Slots mehr verheißen auf den ersten Blick zwar mehr sogenannte Traditionsklubs in der Liga verheißen. Doch sicher ist das nicht: Ingolstadt und Leipzig zeigen, dass auch Vereine ohne große Historie mit Macht nach oben drängen. Am Ende wären vermutlich nicht die großen Namen unter den Top 20, sondern die Standorte, an denen man mit der Kombination aus Konzept und Kohle am meisten rausholt. Getreu dem Leistungsprinzip eben.

Fazit: Den Status quo beibehalten

Klar, in England oder Spanien funktioniert die Liga auch mit 20 Vereinen. Doch 18 Klubs sind genau das richtige Maß für die Bundesliga. Finanzielle Vorteile gäbe es nur auf den ersten Blick. Überbelastungen durch noch kürzere Regenerationszeiten sowie eine Verwässerung der Qualität würden der Bundesliga nachhaltig schaden und womöglich auch in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit negative Folgen haben.

1 Kommentar

Derzeit kein Ping

  1. Buli sagt:

    Seh ich genauso; denke dass die 18er Regelung uns langfristig einen Vorteil gibt mit England und Spanien da wir mehr Regeneration haben. Eine 20er Runde wird uns langfristig weh tun in der Champions League und dem Europa Pokal.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*