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Sep
17

Hello Joe – HSV „vertraut“ auf Coach ohne Namen

Der neue HSV-Trainer Josef Zinnbauer ist der Gegenentwurf zu seinen erfolglosen Vorgängern der letzten Jahre. Aber hat Mr. Nobody überhaupt eine Chance?

Wer vor Saisonbeginn Geld darauf gesetzt hat, dass Mirko Slomka als erster Bundesliga-Trainer entlassen wird, durfte sich über einen frühen Zahltag freuen. Der „Favorit“ bei den meisten Wettanbietern ist bereits nach dem 3. Spieltag mit der Bilanz von einem Punkt und 0:5 Toren gefeuert worden. Zu angeschlagen war Slomka in die neue Saison gegangen, zu wenig Unterstützung hat er vom neuen „starken Mann“ Didi Beiersdorfer erfahren.

Slomka durfte für 26 Millionen Euro einkaufen. Er erhielt aber letztlich nur ein Spiel Zeit, um alle Neuzugänge einzusetzen. Sieben von ihnen standen am Samstag beim 0:2 bei Hannover 96 in der HSV-Startelf, vier davon zum ersten Mal. Dass diese neu formierte Mannschaft in noch nicht funktionieren KANN, liegt da völlig auf der Hand.

Wieder einmal scheint es, als hätte man beim HSV vor der Saison in der Trainerpersonalie eine „Jein“-Entscheidung gefällt – in der Hoffnung, dass bitte bitte alles gut gehen möge. Weil das aber unter solchen Voraussetzungen selten passiert, hat der HSV bereits den neunten Trainer binnen vier Jahren verschlissen, muss abermals eine stattliche Abfindung zahlen.

Zinnbauer startet gleich mit schwerem Programm

Das Gute vorab: Eine mögliche Abfindung dürfte bei sich bei Slomka-Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer in Grenzen halten. Der 44 Jahre alte Ex-Profi (Ulm, Karlsruhe, Mainz) ist erst seit April im Besitz der Fußballlehrer-Lizenz, er erspielte sich aber mit der U23 des HSV in der laufenden Regionalliga-Saison acht Siege aus acht Spielen.

Der kluge Kopf (seit Spielerzeiten im Zweitjob Finanzberater) soll laut Beiersdorfer „unbefristet“ auf der Bank Platz nehmen und damit mehr sein als eine Interimslösung. Ob Zinnbauer das wirklich wird, bleibt abzuwarten. Immerhin heißen drei der nächsten vier Gegner Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund.

Sollte Zinnbauer gegen die Schwergewichte der Liga keine Sensation gelingen, scheint eine Weiterbeschäftigung vorstellbar. Zu groß wäre dann vermutlich bereits der Abstand zum gesicherten Mittelfeld, wo man in dieser Saison ja eigentlich hinwollte.

Auf Dolls Spuren – Gegenentwurf zum alten Trainermodell

Zumindest geht der HSV bei der Trainerwahl mal wieder andere Wege. Die letzten drei Trainer Thorsten Fink, Bert van Marwijk und eben Slomka waren allesamt große Namen, die irgendwie zur immer noch vorhandenen Großmannssucht des HSV passten. Ihr Haken: der Kostenpunkt. Sie waren teuer, hatten teure Vorstellungen und kosteten hohe Abfindungen.

Nun die „Rückbesinnung“: Vor ziemlich genau zehn Jahren ist der HSV – mit dem damaligen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer – schon einmal sehr gut damit gefahren, einen Trainer-Nobody zu installieren. Im Herbst 2004 wurde Ex-HSV-Star Thomas Doll wie nun Zinnbauer aus der U23 zu den Profis befördert, fand wie Zinnbauer eine teuer verstärkte aber schwach gestartete Mannschaft vor und führte den Verein 2006 in die Champions League. Mit der Hoffnung auf das (erneute) Durchstarten eines Underdogs lässt sich die überaus schnelle Entscheidung pro Zinnbauer also erklären.

Welcher renommierte Coach tut sich den HSV an?

Allerdings ist die Entscheidung pro Zinnbauer gewiss auch eine der (mangelnden) Alternativen. Den allerorts als 1A-Lösung gehandelten Thomas Tuchel dürfte der freie Posten beim HSV jedenfalls kaum gereizt haben.

Der frühere Mainz-Coach, dessen bis 2015 laufender Vertrag bei den Rheinhessen ruht, kann sich gewiss komfortablere Wiedereinstiege vorstellen als die Übernahme einer neu zusammengestellten Mannschaft NACH dem Schließen des Transferfensters, die in der Bundesliga auf dem letzten Tabellenplatz steht. Noch dazu scheint das chaotische Umfeld in Hamburg auch in der hoffnungsspendenden Ära HSV Plus kaum ruhiger geworden zu sein.

So wird der Kreis der möglichen Kandidaten immer kleiner. Trainer mit einem guten Ruf würden sich den HSV kaum antun. Bliebe nur die Sorte Coach, die solange aus dem großen Geschäft raus ist, dass jeder Strohhalm ergriffen werden muss – natürlich nur, wenn Zinnbauer scheitert… Wer will darauf wetten?

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