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Mai
18

Heute ist Europa League-Finale! (und niemanden interessiert’s)

Juventus Turin, Inter Mailand, FC Liverpool, Real Madrid, Ajax Amsterdam oder Bayern München – die Liste der UEFA Cup-Sieger ist klangvoll. Allerdings trugen sich all diese Vereine zu einer Zeit in die Siegerliste ein, als sich noch jemand für diesen Wettbewerb interessierte und der Titel noch etwas wert war. Die „moderne“ Europa League ist gemäß dem alten Beckenbauer-Bonmot dagegen nur noch ein „Cup der Verlierer“.

Noch vor 15 Jahren gab es eine klare Aufteilung in den Europapokal-Wettbewerben: Die nationalen Titelträger spielen im Landesmeister-Pokal (bzw. der Champions League), die Pokalsieger im Pokalsiegercup und die Zweit- bis Fünftplatzierten der großen Ligen sowie ein paar Vertreter der kleineren Ligen im UEFA-Cup. Das führte dazu, dass die sportlich besten Teams zwar um den Henkelpott spielten, die größte Spannung aber aufgrund der hohen Leistungsdichte im UEFA-Cup gegeben war.

Gewinner Champions League, Verlierer UEFA-Cup

Das änderte sich, als ab der Saison 1997/98 auch die Vizemeister der größten Ligen in der Champions League antreten durften. Seit 1999/2000 sind sogar bis zu vier Starter pro Land möglich. Die Konsequenzen sind bekannt: Die Champions League vereint die Besten der Besten und bietet spätestens ab dem Achtelfinale Fußball auf allerhöchstem Niveau. Ein Titelgewinn in diesem Wettbewerb ist das Nonplusultra im Vereinsfußball, allein die Qualifikation für die Gruppenphase kommt einem Sechser im Lotto gleich. Das alles ist toll für den Fußball.

Doch wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer nicht weit: Der UEFA-Cup vermag nun kaum noch jemanden hinter dem Ofen vorzulocken. Vereine wie Bayern München, Juventus Turin oder der FC Liverpool betrachteten es quasi als Strafversetzung, als sie in den letzten Jahren nur den Trostpreis zogen und in diesem Wettbewerb antreten mussten. Wenig Geld, wenig Prestige, aber hoher Aufwand. So ist das nun mal, wenn allein das Erreichen der CL-Gruppenphase (inklusive Prämien aus dem TV- und Sponsorenpool) mehr Geld in die Kassen spült als der Titelgewinn in der Europa League.

„Cup der Verlierer“ oder „Cup der Kleinen“?

Die einzigen, die sich noch über die Qualifikation für diesen Wettbewerb freuen und dementsprechend alles geben, sind kleinere Vereine aus den Top-Ligen (da passt es ja, dass in der kommenden Saison Hannover 96 und Mainz 05 für Deutschland starten) oder Top-Vereine aus den kleineren Ligen. Das spiegelt sich auch in den Namen der Finalteilnehmer aus den letzten Jahren wider: ZSKA Moskau, Sporting Lissabon, FC Sevilla, FC Middlesbrough, Zenit St. Petersburg, Schachtjor Donezk, Glasgow Rangers, FC Fulham, Espanyol Barcelona, Werder Bremen oder Sporting Braga gehören bei allem Respekt nicht gerade zur ersten Garde in Europa.

Kann man es da Vereinen wie Manchester City, Juventus Turin, Atletico Madrid, dem FC Liverpool oder Bayer Leverkusen verdenken, dass sie sich in dieser EL-Saison im Zweifel lieber auf ihre nationale Liga konzentriert haben? Schließlich braucht man für den Sieg in der Europa League mindestens 17 Spiele. Anders ausgedrückt: Die Europa League lohnt sich nur, wenn man sie auch gewinnt. Für ein weites Vordringen (Halbfinale oder Finale) kann man sich als ambitionierter Verein mit einem teuren Kader dagegen wenig kaufen – und verliert auch noch wichtige „Körner“ im Kampf um die Qualifikation für die nächste Champions League-Saison.

Europa League = UI-Cup 2.0?

Im Grunde ist die „moderne“ Europa League dem mittlerweile eingestampften UI-Cup nicht unähnlich. Ihr erinnert Euch an diesen lustigen Wettbewerb, der darbenden Fans zwischen den frühen 90er und mittleren 00er Jahren die Sommerpause verkürzt hat? In Hochphasen durften bis zu vier Vereine eines Landes von Juni bis August durch Europa tingeln, in der Hoffnung, noch eines der letzten „Hintertür-Tickets“ für den UEFA-Cup zu ergattern. Das Ganze war ziemlich kraftraubend und lohnte sich nur dann, wenn man zu den Siegern zählte. Die Konsequenz eines weiten Vordringens im UI-Cup war jedoch, dass die Klubs oft nur schwer in die Saison kamen oder gegen Ende der Hinrunde überspielt wirkten. Auf diese Weise handycapte man sich beim Erreichen der Ziele für die kommende Saison selbst.

Man kann sich schon fragen, inwiefern es überhaupt noch Sinn macht, einen Wettbewerb auszutragen, der ganz offensichtlich von vielen Startern als lästige Pflichtaufgabe empfunden wird. Eine Reform täte aus meiner Sicht dringend Not. Sind etwa wirklich 12 Vorrundengruppen nötig? Oder die unzähligen Qualifikationsrunden? Fakt ist, dass sich auch durch die große Masse an Spielen keine allzu großen Gelder für die Starter generieren lassen (zumindest sind sie in keiner Weise vergleichbar mit den Einnahmen in der Champions League). Warum verzichtet man dann nicht auf zwei, drei weitere Millionen für den Sieger, kehrt dafür aber zum wesentlich spannenderen K.O.-Modus ab der 1. Runde zurück? Auf diese Weise bräuchte man nur 11 statt mindestens 17 Spiele für den Titelgewinn, wie es bisher der Fall ist. Durch die Kraftersparnis wären womöglich auch die größeren Vereine wieder eher bereit, mehr in diesen Wettbewerb zu investieren. Immerhin geht es ja noch um einen internationalen Titel.

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