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Sep
19

Hoffenheims neuer Manager – Es müllert wieder

Schnell ging’s in Hoffenheim. Nicht im Umschaltspiel auf dem Rasen, sondern im Wechselspiel auf der Funktionärsebene. Nur einen Tag nachdem Markus Babbel erklärt hat, sich nur noch auf sein Traineramt konzentrieren zu wollen, hat die TSG Andreas Müller als neuen Manager verpflichtet. Der Ex-Schalker ist erfahren, stand drei Jahre bei den „Königsblauen“ an vorderster Front. Doch die Tatsache, dass man ihm in Gelsenkirchen keine Träne nachweint, sagt viel über Müllers Arbeitsweise in der Vergangenheit aus.

Auf Schalke sind schon einige Millionengräber hinterlassen worden: In der Ära von „Sonnenkönig“ Günter Eichberg (Präsident von 1989 bis 1993) lebte der Verein weit über seine Verhältnisse und verschuldete sich hoffnungslos. Weitere teure Baustellen wurden vom langjährigen Manager Rudi Assauer geschaffen, der aber im Gegenzug den Erfolg und die schmucke, wertvolle Arena nach Schalke brachte. Assauers ehemaliger Zögling Andreas Müller, der diesen im Mai 2006 aus dem Amt verdrängte, hat da schon weniger Zählbares hinterlassen.

Namen zum Fürchten: Großmüller, Streit & Co.

2007 verspielte Schalke 04 ausgerechnet gegen Borussia Dortmund die schon sicher geglaubte Meisterschaft. 2008 zog S04 zwar erstmals in der Vereinsgeschichte ins Viertelfinale der Champions League ein, doch kurz darauf setzte Müller Trainer Mirko Slomka vor die Tür, der heute in Hannover einen exzellenten Job macht und mittlerweile einer der begehrtesten Trainer der Liga ist. Stattdessen installierte Müller den Niederländer Fred Rutten, der in der Saison 2008/09 nur Platz 8 in der Liga erreichte. Schlechter hat Schalke in diesem Jahrtausend nur ein einziges Mal abgeschnitten.

Vor allem hat sich Andreas Müller aber einen zweifelhaften Namen als schlechter Einkäufer gemacht. Dem einen oder anderen Fan der „Königsblauen“ werden beim Gedanken an Spieler wie Carlos Grossmüller, Zé Roberto II und Albert Streit noch heute die Haare zu Berge stehen. Ihre Bilanz für Schalke: Zé Roberto II machte ganze drei Spiele (ein Tor). Albert Streit kam zu 15 Pflichtspieleinsätzen (kein Tor) für die Erste Mannschaft, ehe er zum Dauergast auf der Tribüne und später gar zur persona non grata avancierte. Der Uruguayer Grossmüller trug 22-mal das königsblaue Trikot (ein Tor, zwei Platzverweise).

Sieben Millionen Euro Ablöse kosteten diese drei Einkäufe der Saison 2007/08, allesamt erhielten sie Vier- bzw. Fünfjahresverträge mit Jahresgehältern zwischen zwei und drei Millionen Euro. Macht hochgerechnet ein Volumen von rund 40 Millionen Euro. Zugegeben, soviel geben andere Vereine allein als Ablöse für einen Spieler aus; doch gleich drei teure Fehlschläge, mit denen der Verein teilweise noch bis 2011 zu kämpfen hatte (Albert Streit), werfen ein schlechtes Licht auf die Arbeit von Andreas Müller.

Wenig Licht, viel Schatten

In die Ära Müller fallen außerdem der Verkauf von Mesut Özil für fünf Millionen Euro zu Werder Bremen (2010 für 18 Millionen Euro zu Real Madrid) und der Einkauf von Orlando Engelaar für sechs Millionen Euro. Immerhin: Mit Jefferson Farfan, Benedikt Höwedes, Jermaine Jones, Ivan Rakitic (mittlerweile FC Sevilla) und Heiko Westermann (heute HSV) holte Andreas Müller auch einige Leistungsträger nach Gelsenkirchen. Andreas Müllers Zeugnis bei Schalke 04 fällt dennoch bestenfalls mit der Note „ausreichend“ aus. Nicht von ungefähr musste der gebürtige Stuttgarter 39 Monate lang auf eine neue Anstellung in der Bundesliga warten.

Hoffenheim: Keine Dorfidylle

In Hoffenheim erwartet ihn eine schwierige Aufgabe. Sein Vorgänger Markus Babbel kämpft massiv um die sportliche Trendwende und somit auch um seinen Trainerjob, Vorvorgänger Ernst Tanner war lange Zeit ein Liebling von Mäzen Dietmar Hopp, ehe er urplötzlich in Ungnade fiel und im März dieses Jahres wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der sportlichen Abteilung“ (Zitat Hopp) vor die Tür gesetzt wurde.

Tanner war der Mann für den Sparkus, den Hopp im Sommer 2011 einläutete und im Frühjahr 2012 wegen ausbleibenden sportlichen Erfolgs (das konnte niemand kommen sehen…) nicht mehr wollte. Andreas Müller ist ein ausgewiesener Einkäufer. Ob er dazugelernt hat und nun auch ein guter Einkäufer geworden ist, kann er erst ab Januar 2013 beweisen. Dann öffnet das Transferfenster wieder. Aber vielleicht hat man in Hoffenheim bis dahin ja wieder einen Sparkurs im Sinn…

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