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Apr
23

HSV, Nürnberg, Stuttgart: 3 Vereine, 9 Trainer

Sechs der acht Trainerentlassungen in der laufenden Saison entfallen auf die abstiegsbedrohten Traditionsvereine VfB Stuttgart (Platz 15 mit 31 Punkten), Hamburger SV (Platz 16 mit 27 Punkten) und 1. FC Nürnberg (Platz 17 mit 26 Punkten). Alle drei Klubs beschäftigen nun bereits den dritten Übungsleiter. Zusammenhänge mit der Krise sind nicht ganz zufällig.

Mindestens einer dieser drei Vereine muss am Saisonende den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Mitleid ist angesichts der wilden Personalpolitik auf dem Posten des Cheftrainers nur den eigenen Fans vorbehalten. Ansonsten muss man attestieren: Sowohl Stuttgart als auch Hamburg in Nürnberg sind mit voller Überzeugung in ihren Übungsleiter in die Spielzeit 2013/14 gestartet – und haben umso schneller den Glauben verloren. Da stellt sich die Schuldfrage.

Stuttgart: Einmal verständnisvoll und zurück

Für Bruno Labbadia war in Stuttgart bereits im August nach dem 3. Spieltag Schluss. Seine Art kam nach zweieinhalb Jahren nicht mehr an, also schenkte man dem Nachwuchstrainer Thomas Schneider das Vertrauen. Der fand mit seiner Ansprache zwar Gehör bei den vielen jungen Spielern, hatte aber bereits im März nach einer Niederlagenserie keinen Kredit mehr. In Huub Stevens, dem „Knurrer von Kerkrade“ holte man den Gegenentwurf zu Schneider – und scheint sich damit gerade noch retten zu können. Das ist angesichts der Qualität des Kaders, die mindestens einen soliden Mittelfeldplatz hergibt, aber auch Pflicht.

Hamburg: Konzept und Charakter dringend gesucht

Beim HSV musste Thorsten Fink im September nach nur sechs Spieltagen gehen, nachdem das Ziel Europapokal-Qualifikation bereits früh aus den Augen geriet. Sein Nachfolger Bert van Marwijk zündete nur eine Handvoll Spiele. Als er im Februar wieder geschasst und durch Mirko Slomka ersetzt wurde, hatte er sogar einen schlechteren Punkteschnitt als Fink. Slomka wiederum könnte dasselbe zu Protokoll geben wie seine Vorgänger: Wenn ein neuer Coach da ist, lässt die Mannschaft kurzzeitig ihr Können aufblitzen. Nach den ersten kleinen Erfolgen ist es damit aber bereits wieder vorbei. Mangelnde Klasse ist nicht das größte Problem, sondern eine unausgewogene Kaderzusammenstellung und eine katastrophale Berufsauffassung bei einzelnen Akteuren.

Nürnberg: Zickzack in den Abgrund

Beim Club musste der als ruhiger Coach geltende Michael Wiesinger bereits Anfang Oktober seine Koffer packen – ausgerechnet nach dem 0:5 gegen den HSV, der an jenem Tag eine seiner oben angerissenen seltenen Glanzstunden hatte. Das Urgestein wurde durch den Niederländer Gertjan Verbeek ersetzt, gegen den seine Landsleute Huub Stevens und Louis van Gaal Schoßhunde sein sollen. Verbeek blieb in der Folge wie auch Wiesinger zuvor in acht Spielen sieglos. Vier Siegen aus den ersten fünf Rückrundenspielen zum Trotz kam er mit der Mannschaft nie unten raus, nach dem 2:3 in Freiburg und seiner Schelte gegen den (Nicht-)Kollegen Streich Ende März ging nichts mehr. Am Mittwoch musste er gehen, nun soll die interne Lösung aus U23-Trainer Roger Prinzen und Club-Idol Marek Mintal den wahrscheinlichen neunten Abstieg verhindern.

Wer ist eigentlich verantwortlich? Sportdirektoren auf den Prüfstand!

Diese drei ähnlich gelagerten Fälle belegen wieder einmal eines: Ohne Kontinuität ist es im Fußball nahezu unmöglich, seine Möglichkeiten auszuschöpfen. Für diese Kontinuität sind aber noch vor den Trainern die Manager/Sportdirektoren/Sportvorstände/Geschäftsführer Sport (zutreffendes bitte ankreuzen) verantwortlich.

In allen drei Vereinen haben diese Leute – namentlich Fredi Bobic, Oliver Kreuzer und Martin Bader – in dieser Saison versagt. Sie haben alles ausprobiert und nachhaltig damit keinen Erfolg gehabt. Ob ihre Wahl dabei falsch war oder sie dem „Richtigen“ unter dem Druck des Tagesgeschäfts nicht die nötige Zeit gegeben haben, spielt dabei keine Rolle. Wenn auch auf ihrem Posten das Leistungsprinzip gilt, müssen alle drei im Sommer um ihren Job bangen. Vielleicht probiert es der Verein dann ja auch mit dem Gegenentwurf…

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