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Apr
07

Hyypiä, Lewandowski, Völler – Zur Farce um Bayer Leverkusen

Jahrelang war Bayer Leverkusen bemüht um das Image eines solide geführten Vereins, der sich trotz schwieriger Lage zwischen Köln, Mönchengladbach, Dortmund und Schalke durch eine kluge Strategie behauptet und viele dieser Traditionsklubs regelmäßig hinter sich gelassen. In diesen Tagen gibt Bayer Leverkusen aber ein ganz schwaches Bild ab.

Nur ein Sieg aus den letzten zwölf Pflichtspielen waren zu wenig, auch Trainer Sami Hyypiä musste am Samstag den Mechanismen des Bundesliga-Geschäfts beugen. Dass die Leverkusener Führung um Sportdirektor und Ex-Bundestrainer Rudi Völler mit Sascha Lewandowski ausgerechnet den Mann als Interimslösung präsentiert, der noch bis zum Vorjahr mit Hyypiä ein nicht gerade harmonisches Gespann bildete, mutet da fast schon wie ein Treppenwitz an.

Es kommt aber noch besser: Lewandowski will sich im Mai 2013 aus freien Stücken in den Jugendbereich zurückgezogen haben, weil die Arbeit im Profibereich nichts für ihn gewesen sei. Auch Völler erklärte, dass „der Sascha das nur mit Bauchschmerzen macht“. Ist Lewandowski also ein Lügner, der einfach keine Lust auf die Arbeit mit Hyypiä hatte und sich auf die Lauer gelegt hat? Oder geht die Bayer-Führung einfach einen sehr bequemen Weg, indem sie einen vertraglich ohnehin an den Verein gebundenen Trainer dazu nötigt, die Scherben aufzukehren, die man selbst mitproduziert hatte?

Dass die Mannschaft unter Hyypiä die ganze Saison über keinen Champagner-Fußball gespielt hat, ist keine Neuigkeit und war für jeden ersichtlich. Die starken Ergebnisse der ersten 15 Bundesligaspieltage, von denen inklusive des Phantomtorspiels von Hoffenheim zwölf gewonnen wurden (von den 14 folgenden Spielen nur drei), täuschten über den uninspirierten Route-One-Fußball hinweg, den Bayer spielte und den man öffentlich lange Zeit überhöhte.

Völler in der Kritik – völlig zu Recht

Für den fast schon typischen Einbruch nach dem Winter und die peinlichen Heimpleiten in der Champions League (0:5 gegen Manchester United) und Paris St. Germain (0:4), ist aber nicht nur der Trainer verantwortlich. Auch und gerade das Management um Völler, der vor Weihnachten noch schwadronierte, die Werkself wäre „in jeder anderen Liga der Welt Tabellenführer“, um zwei Monate später einzuwerfen, dass man gegen Gegner wie Paris „einfach an seine Grenzen stößt“, hat nicht nur einige Fehlentscheidungen getroffen oder mitgetragen. Nein, er macht sich auch zum wiederholten Mal lächerlich.

Nicht von ungefähr wird der Weltmeister von 1990 mittlerweile selbst von den nicht gerade als heißblütig und vereinskritisch geltenden Bayer-Fans via Facebook und Twitter angegriffen. Beispiele gefällig? „Wenn’s nicht so lange dauern würde, würde sich der @Calmund im Bett rumdrehen wegen #Völler.“ “ #Völler sagt, weil der Schiedsrichter Bayer verpfiffen hat, mussten sie den Trainer feuern. Bei Rudi platzen in Rage alle Gehirnzellen, oder?“ „Rudi #Völler hat sie doch nicht mehr alle. Wegen Fehlentscheidungen von Schiri Dankert mussten wir den Trainer entlassen. Peinlich.“

Fehler in der Personalpolitik häufen sich

In der Tat lässt die Schlussfolgerung, dass Hyypiä laut Völlers Aussage vermutlich noch im Amt wäre, wenn Schiedsrichter Dankert der Werkself in Hamburg einen Elfmeter geschenkt hätte, nur Kopfschütteln zu. Entweder bewertet man die Arbeit als gut. Dann ist eine (vermeintlich) schwache Schiedsrichterleistung kein Grund für eine Trennung. Oder man ist nervös geworden und hat angesichts des drohenden Verlustes des Champions-League-Qualifikationsrangs die Nerven verloren.

Doch nicht nur in diesem Punkt hat sich Bayer angreifbar gemacht. Auch die Kaderzusammenstellung weist in dieser Saison so vielen Mängel auf wie lange nicht mehr. Die hinzugekauften oder ausgeliehen Verteidiger Giulio Donati, Konstantinos Stafylidis, Andres Guardado und Emir Spahic besitzen nicht die Klasse für eine Top-Vier-Mannschaft in der Bundesliga. Dennoch soll der Trainer – wie auch immer er heißt – diesen Platz erreichen. Denn irgendwie guckt man auch unterm Bayer-Kreuz auf das Geld. Auch wenn die anderen Vereine ja sehr viel teurere Kader haben und die Champions League ja ach so viel dringender erreichen müssen…

Alte Entschuldigungen gelten nicht mehr

Bayer gefällt sich in der Rolle, der Verein zu sein, der jedes Jahr eine junge und talentierte Mannschaft auf das Feld bringt. Jugend bietet schließlich immer automatisch eine Entschuldigung, wenn es mal nicht läuft: den Verweis auf die fehlende Erfahrung. Die geht der Mannschaft aber nur bedingt ab, wenn man bedenkt, dass viele junge Spieler bereits alte Hasen sind. Gonzalo Castro (26) etwa hat bereits über 350 Pflichtspiele als Profi auf dem Buckel. Auch der 24-jährige Lars Bender ist mit über 250 Profispielen schon längst über den Status eines Talents hinaus. Von Simon Rolfes (32 Jahre alt) oder Stefan Kießling (30) ganz zu schweigen.

Wie in jedem anderen Verein muss sich auch die Führung von Bayer Leverkusen und Völler und Geschäftsführer Michael Schade hinterfragen. Die Mannschaft ist unausgewogen besetzt, obwohl sie gewiss keine geringen Gehaltskosten verursacht. Für die Besetzung des Trainerpostens fällt die Verantwortung ebenfalls auf Völler& Co. zurück. Dort bewies Völler mit Michael Skibbe, Bruno Labbadia oder Robin Dutt schon mehrfach ein unglückliches Händchen. Bei anderen Vereinen wäre dem Sportdirektor schon früher ein scharfer Wind entgegengeweht. Aber andere Vereine sind den Leuten ja auch nicht flächendeckend egal.

4 Kommentare

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  1. lancelot maloisel sagt:

    Es ist der Lars Bender…
    schöner Artikel. Ich gehör wohl auch zu denen, die Leverkusen für besser halten als sie sind. Leno, Toprak, Schürrle, Bender, Castro – da kann man doch eigentlich mit der Zunge schnalzen. Aber wenn ich es mir so anschaue, da haste wohl recht.
    da bringt wohl nur noch der weinzierl die wende.

  2. Dominic sagt:

    Wenn alle in Form sind gibt der Leverkusener Kader sicherlich einiges her, allerdings hapert es (wie beim BVB auch) an der Kreativität. Schürrle und Son sind 2 starke Abschlussspieler, Kießling arbeitet viel aber ist nun auch nicht sonderlich kreativ, Castro muss für jede denkbare Position herhalten und bekommt kaum Gelegenheit sich irgendwo einzuspielen. Bender und Toprak haben zwar akzeptable Kreativfähigkeiten, aber beide Spieler haben ihre Paradedisziplin in anderen Bereichen.

    Defensiv steht Leverkusen ja weiterhin sehr ordentlich, auch im letzten Spiel. Nur Offensiv krankt es total, der Ball kommt sehr selten gefährlich vors gegnerische Tor. In der Hinrude konnte man dies durch die starke Ausbeute ausgleichen, nun trifft man nicht mehr mit jedem zweiten guten Torschuss und prompt fällt das Kreativloch auf. Ich glaube kaum, dass Lewandowski dieses Loch auf die schnelle wird beheben können. Zwar wird sicherlich noch der ein oder andere Sieg eingefahren werden, aber das ändert nichts an den grundlegenden Problemen des Kaders.

    1. Heibel sagt:

      Schürrle ist in der Tat ein sehr guter Abschlussspieler, nur mittlerweile für einen anderen Verein ;-) Mit dem hätte Bayer sicher mehr Qualität. Problematisch sehe ich aber eher den Kurs der Führung, die zuletzt einen Zick-Zack-Kurs gefahren ist. Gut, dass Völler sich da jetzt auch mal Kritik gefallen lassen muss.

  3. Dominic sagt:

    Das ist mir dann doch sehr peinlich, aber auch bei den anderen bleibe ich dabei, starke Abschlussspieler, aber kaum Kreativität nach vorne. :)

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