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Sep
20

„In Pod we trust“ – Lukas Podolski widerlegt seine Kritiker

Kaum ein deutscher Nationalspieler hat so viele Anhänger und Kritiker zugleich wie Lukas Podolski. Nach dem Wechsel der Kölner Ikone zum FC Arsenal prophezeiten viele Fans und Experten ein Scheitern des Linksfußes. Auch Podolski-Sympathisanten mussten zumindest eine lange Anlaufphase befürchten. Doch der „Prinz“ hat sie bislang alle widerlegt. Ein Liebesgedicht in Prosaform.

„Wenn der Ball auf dem linken Fuß ist, ist er meistens drin. Das ist wie in der A-Jugend.“ Dieser O-Ton von Lukas Podolski stammt aus dem Frühjahr 2004. Der damals 18-jährige Nachwuchsstürmer machte sich seinerzeit keinen sonderlichen Kopf über seine Wahnsinnstorquote von 10 Treffern in 19 Bundesligaspielen für Absteiger 1. FC Köln. So war er halt, der „Poldi“.

Seine Einfachheit im Spiel wie auch im Geiste brachte ihm viele Sympathien ein, nicht alle Bewunderer sahen ihn jedoch frei von Ironie. Getreu dem Motto: ‚Der Poldi ist ein geiler Kicker, aber irgendwie auch eine hohle Frucht.‘ Trotzdem war der junge Lukas Podolski einfach ein Typ zum Liebhaben: Ein stets gut aufgelegter Profi mit einer erfrischenden Spielweise, einem enormen Wumms und phasenweise auch durchaus fragwürdigen blonden Haarsträhnchen, die dem ekstatischen Publikum vor Augen führten, dass er tatsächlich auch nur ein Mensch ist.

Allerdings “funktionierte“ Podolski nur, wenn er seine Lebensfreude auch auf dem Platz ausleben durfte. An dieser sorglosen Haltung dürfte auch der eine oder andere seiner 15 Vereins- und Nationaltrainer verzweifelt sein. Die Übungsleiter Marcel Koller, Rudi Völler, Huub Stevens, Jürgen Klinsmann, Uwe Rapolder, Hanspeter Latour, Felix Magath, Jogi Löw, Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Zvonimir Soldo, Frank Schaefer, Volker Finke, Stale Solbakken und neuerdings Arsène Wenger haben aus dem rein offensiv denkenden Instinktfußballer in neun Jahre währender Kleinarbeit jedoch mittlerweile einen Spieler geformt, der offensiv immer noch unnachahmliche Qualitäten hat (Tempo, Kaltschnäuzigkeit, Durchschlagskraft) und nach hinten arbeitet – wenn auch selten mehr als nötig.

Zahlen sprechen für „Poldi“, die Stimmung im Volk gegen ihn

„Prinz“ Lukas Podolski hat mit seinen erst 27 Jahren bereits 103 Länderspiele bestritten. Damit liegt er gleichauf mit „Kaiser“ Franz Beckenbauer auf Rang fünf der ewigen DFB-Bestenliste. Bei den Nationalmannschafts-Torjägern rangiert er mit 44 Treffern auf Platz 6. Seine 10 „Tore des Monats“ sind einmalig. Auch den Titel des „Besten Nachwuchsspielers der WM 2006“ und seine Nominierungen für die All Star-Teams der WM 2006 und der EM 2008 kann ihm niemand nehmen. Neun Tore bei zwei Welt- und drei Europameisterschaften, wobei Podolski bei den letzten vier Turnieren stets ins Schwarze traf, sind ebenfalls keine Alltäglichkeit.

Trotzdem muss sich Lukas Podolski seit Jahren Vorwürfe gefallen lassen: Er habe nicht den nötigen Biss für die Spitze. Er sei in wichtigen Spielen nicht zu sehen, treffe nur gegen die San Marinos und Kasachstans dieser Welt. Auch das EM-Aus 2012 gegen Italien wurde zu einem guten Teil an seiner Person festgemacht.

Auf der anderen Seite werden junge Spieler mit deutlich weniger Meriten in den Himmel gehoben. Allen voran André Schürrle, der bei seinem Verein Bayer Leverkusen auch nach 16 Monaten noch auf den absoluten Durchbruch wartet, wird in der Öffentlichkeit beinahe zu einem Weltklassespieler überhöht. Ihm gegenüber wird Lukas Podolski zu einem blinden, in die Jahre gekommenen Recken herabgesetzt.

Auch hier kann man die von mir in der letzten Woche kritisierte „Jünger ist immer besser“-Mentalität beobachten: Wer neu ist, hat erst einmal einen Bonus. Früher oder später gehört jeder Neue aber zum Establishment. Die Zeit frisst die Sympathie auf, und der Spieler wird zunehmend (zu) kritisch gesehen. In dieser Situation steckt Lukas Podolski seit Jahren, in diese Situation werden aber auch André Schürrle und andere noch kommen. Sich auch nach der rosaroten Phase noch zu behaupten, ist Lukas Podolski gelungen. Viele vor ihm haben das nicht geschafft.

“Später“ Aufstieg in die Weltklasse?

Lukas Podolski teilt das Schicksal vieler verdienter Spieler vor ihm: Wenn es dumm läuft, wird man seinen Wert erst nach seiner aktiven Karriere zu schätzen wissen. Ich kann förmlich schon Mehmet Scholl oder Oliver Kahn am Rande eines Länderspiels im Jahre 2020 hören: „Für diese Situationen hätten wir einen Spieler wie Lukas Podolski gebrauchen können.“

Dabei ist die Karriere des „Prinzen“ noch lange nicht vorbei: Lukas Podolski erarbeitet sich gerade beim FC Arsenal den Respekt, der ihm gebührt. Im Ausland schaut man ohne die deutschen Vorbehalte auf „Poldi“. Dort ist er einfach nur ein prominenter Spieler, der sein Spiel spielt – und damit die Herzen der Fans erobert. Schlagzeilen wie „In Pod we trust“ (Mirror vom 3. September 2012) mögen zwar typische Auswüchse des überschwänglichen englischen Boulevard-Journalismus sein, sie belegen aber auch Podolskis Stellenwert in der Öffentlichkeit. Gleiches gilt für den neuen Arsenal-Fangesang „Lukas Podolski. He scores when he wants.“, mit dem man Podolski als legitimem van Persie-Nachfolger huldigt.

Zwar ist man im modernen Fußball mit 27 Jahren bereits ein „alter Sack“. Doch warum sollte Lukas Podolski nicht jetzt noch – mit der nötigen Erfahrung und Reife – den Schritt zur Weltklasse vollziehen, den ihm viele (eingeschlossen meiner Wenigkeit) für die Zeit nach der WM 2006 prophezeit haben? Und selbst wenn es ihm nicht gelingt: Nach Köln kann er immer wiederkommen. Irgendwie ist er ohnehin immer noch da:

In Köln unvergessen und omnipräsent: Lukas Podolski

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