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Feb
06

Inder statt Inter – Der Subkontinent lockt Altstars mit schnellem Geld

Sport in Indien? Bei diesem Stichwort denken die meisten vermutlich an Cricket oder Hockey. Fußball ist im 1,2 Milliarden-Einwohnerland nur eine Randsportart. Das soll sich ändern. Die Premier League Soccer lockt gerade (abgehalfterte) Altstars, wie Fabio Cannavaro oder Hernan Crespo, mit einer netten Pensionsaufbesserung.

Ein einziges Mal hat sich Indien für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. 1950 in Brasilien war das. Angetreten sind die Mannen vom Subkontinent aber nicht, weil die FIFA ihnen untersagt hatte, barfuß zu spielen. Seitdem hat der indische Fußball nicht mehr von sich reden gemacht. In der Weltrangliste belegt Indien gerade einmal den 158. Platz, noch hinter den Nationalmannschaften von Turkmenistan, Lesotho oder Curacao. Das soll sich nun ändern.

Stars, Stars, Stars

Die indische Premier League Soccer (PLS), die voraussichtlich Ende Februar in ihre erste Saison starten wird, hat in den letzten Tagen für einen Paukenschlag nach dem anderen gesorgt. Dabei haben die Inder im Grunde nur das imitiert, was bereits die japanische J-League oder die Major League of Soccer in den USA getan haben, um zum Start der Liga in die Schlagzeilen zu kommen: Sie haben ein paar namhafte Spieler verpflichtet.

Bislang wurden die Transfers von Ex-Weltfußballer Fabio Cannavaro (38/Italien), Robert Pires (38/Frankreich), Jay-Jay Okocha (38/Nigeria), Hernan Crespo (36/Argentinien) oder Robbie Fowler (36/England) bekannt gegeben. Auch einige prominente Ex-Profis wurden als Trainer nach Indien gelockt, darunter John Barnes (48/zuletzt Trainer der Tranmere Rovers).

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten

Interessant ist, wie die Spieler zu ihren Arbeitgebern gekommen sind. Um einen möglichst spannenden Wettbewerb zu erhalten, darf jedes Team nur maximal drei Ausländer in seinen Reihen haben. Zudem wurden die Spieler versteigert. Am begehrtesten war Hernan Crespo, dessen Dienste dem Team aus Barasat rund 750.000 Euro wert waren.

Die Gehaltsobergrenze pro Team liegt bei knapp 1,8 Millionen Euro. Dass davon der Großteil an die drei Ausländer im Kader fließt und die indischen „Sidekicks“ mit Kleingeld abgespeist werden, muss wohl nicht eigens erwähnt werden. Robert Pires, französischer Weltmeister von 1998, etwa verkündete, rund 400.000 Euro für sein Engagement zu erhalten. Zu seinen Glanzzeiten hätte Pires für über eine solche Summe noch ein verächtliches Lachen übrig gehabt, doch für einen Fußballer im Spätherbst seiner aktiven Karriere sind 400.000 Euro immer noch eine schöne Stange Geld.

Kurze Saison, schnelles Geld

Und der Verdienst fällt noch viel üppiger aus, wenn man weiß, dass die Premierensaison gerade einmal zwei Monate dauern soll. Kein Wunder, gibt es doch nur fünf Vereine (Kolkata, Barasat, Howrah, Durgapur und Siliguri). Gespielt wird in einer Fünfer-Liga mit Hin- und Rückspiel. Danach duellieren sich die vier besten Mannschaften im Halbfinale und Finale im K.o-Modus. Das macht maximal 10 Spiele pro Saison. Kurzarbeit nennt man so etwas wohl.

Fragwürdiges Konzept

Ob das Konzept aufgeht, bleibt abzuwarten. Zum einen gibt es in Indien populärere Sportarten als Fußball, zum anderen werden die Tickets für den Apu-Normal-Inder kaum erschwinglich sein. Auch das sportliche Niveau steht in Frage: Die Mischung aus Alt-Stars und billigen einheimischen Talenten verheißt nicht gerade einen tollen Wettbewerb. Nachzufragen in den Ligen auf der arabischen Halbinsel.

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