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Jan
04

Jahrhundert-Trainer oder nix – Guardiola startet in letzte Bayern-Etappe

Mit dem Trainingsstart am 4. Januar beginnt bei Bayern München auch die letzte Halbserie für Pep Guardiola beim Rekordmeister. Der von vielen Seiten als Trainergenie und Jahrhundertcoach geadelte Katalane wird beim FCB aber nur mit Glanz und Gloria verabschiedet, wenn er die Champions League gewinnt.

Bis zu seinem Vertragsende am 30. Juni hat Pep Guardiola zwar noch fast sechs Monate Zeit, doch das finale Urteil über seine dreijährige Amtszeit in München wird spätestens am 28. Mai gefällt. Nur wenn die Bayern in Mailand das Finale der Champions League gewinnen, wäre Guardiolas Mission erfüllt.

Scheitert der Katalane allerdings auch im dritten Anlauf an dem Plan, den hochklassigen Kader der Münchner auf den europäischen Fußballthron zu führen, wird der einstige Titelmacher des FC Barcelona beim Rekordmeister eher in der Reihe eines Felix Magath oder Giovanni Trapattoni stehen – und nicht in einem Atemzug mit den Größen Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes genannt werden.

Zwei seiner fünf Titel von Heynckes „geerbt“

Zugegeben: Mit zwei Meisterschaften (2014, 2015), einem Sieg im DFB-Pokal (2014) und den Titelgewinnen im Europäischen Supercup 2013 und bei der Klub-WM im gleichen Jahr hat der 44-Jährige bereits sichtbare Spuren im Briefkopf hinterlassen. Doch die beiden Erfolge aus 2013 waren in gewisser Weise Erbstücke von Vorgänger Jupp Heynckes, der den Bayern mit dem Champions-League-Sieg erst diese beiden Titelchancen verschafft hat.

Eine dritte Meisterschaft – und damit der historisch vierte in Folge – wird angesichts von acht Punkten Vorsprung bei Saisonhalbzeit auf Borussia Dortmund mit ziemlicher Sicherheit dazukommen. Ein zweiter Pokalsieg ist ebenfalls nicht unwahrscheinlich. Doch Guardiola definiert sich durch etwas anderes: Er will SEINE Mannschaft mit SEINEM Fußball Titel gewinnen sehen. Er will umgesetzt sehen, dass SEINE Idee von Fußball der aller anderen ein Stück voraus ist.

Risikoreicher Fußball, viele Verletzte

Deswegen wird Guardiola trotz der bitteren Halbfinalniederlagen in der Champions League 2014 gegen Real Madrid (0:1, 0:4) und den FC Barcelona (0:3, 3:2) auch im Semifinale 2016 – sofern der FC Bayern es denn erreicht – mit weit aufgerückter Abwehrformation agieren. Bereits im Achtelfinale wartet in Vorjahresfinalist Juventus Turin aber bereits ein echter Prüfstein, an dem auch die Münchner scheitern könnten.

Guardiolas Konzept der bedingungslosen Offensive auf der Basis maximaler Ball- und Spielkontrolle kann den Erfolg bringen, keine Zweifel. Wenn bei den Bayern die Kugel läuft, beginnt auch in Barcelona oder Madrid das Zittern. Doch hierzu benötigen die Münchner in der Endphase der Saison mehr Konzentration als in den Vorjahren, als der Spannungsabfall nach dem frühzeitigen Gewinn der Meisterschaft eklatant war.

Zusätzlich braucht Bayern aber auch mehr Glück mit Verletzungen. Und hier hapert es vermutlich nicht ganz zufällig seit Beginn der Ära Guardiola. Den weltweit hoch angesehenen Orthopäden Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hat Pep bereits verschlissen, auch mit Nachfolger Volker Braun soll es heftige Spannungen geben.

Verletzungsmisere auch durch Guardiolas Zutun

Guardiola lamentiert wegen der zahlreichen und dauerhaften Ausfälle seiner Stars. Weltklassespieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben, David Alaba, Philipp Lahm, Arturo Vidal, Douglas Costa und Mario Götze gingen verletzt in die Winterpause oder fehlen gar beim Rückrundenauftakt. Die These, dass Guardiola selbst daran eine gewisse Schuld trägt, indem er seine Rekonvaleszenten in der Vergangenheit schnellstmöglich wieder auf den Platz jagte und verheizte, scheint nicht aus der Luft gegriffen.

Keine Frage: Guardiola muss liefern, scheint die Mannschaft doch individuell noch ein gutes Stück besser besetzt zu sein als die Triple-Gewinner von 2013. Und auch nach seinem Engagement in München wird er sich umsehen müssen: Sollte er wirklich zu Manchester City gehen, hätte er zwar finanziell alle Möglichkeiten, aber würde eine Mannschaft vorfinden, die abgesehen von wenigen Ausnahmen (Agüero, De Bruyne, Touré) auf fast allen Positionen von der Weltklasse entfernt ist.

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