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Apr
09

Jeden Tag ne neue Story – Wie der 1.FC Köln sein eigenes Grab schaufelt

Das unruhige mediale Umfeld wird häufig als einer der Gründe für den sportlichen Misserfolg des 1.FC Köln angeführt. In der Tat sind Express, Stadt-Anzeiger, Bild & Co. nicht unkreativ im Auftun neuer Geschichten. Doch auch die Spieler und Verantwortlichen tragen ihren Teil bei zum nicht enden wollenden Chaos.

Sportredakteur beim Kölner Express, beim Stadtanzeiger oder bei der Bild zu sein, ist in diesen Tagen so einfach wie nie. Anstatt sich die Storys selbst beschaffen (oder erschaffen) zu müssen, lehnt man sich einfach zurück und wartet auf die nächste Dummheit eines Spielers oder Verantwortlichen des 1. FC Köln. Dieses Mal lieferte FC-Mittelfeldakteur Slawomir Peszko den Aufmacher: Stark alkoholisiert soll der polnische Nationalspieler in der Nacht von Samstag auf Sonntag in einem Taxi randaliert haben. Als „Belohnung“ verbrachte er die Nacht in einer Ausnüchterungszelle.

All das passierte wenige Stunden nach dem 1:1 im Schlüsselspiel gegen Werder Bremen, in dem es um nicht weniger als den Ligaverbleib seines Arbeitgebers ging, und drei Tage vor dem nächsten Schicksalsspiel beim direkten Konkurrenten Mainz 05. Professionalismus und Identifikation sehen anders aus.

Verfehlungen über Verfehlungen

Doch Peszko ist leider Gottes nicht der einzige Spieler des 1.FC Köln, der eine seriöse Arbeitsauffassung vermissen lässt. Erst wenige Tage zuvor verschlief Mato Jajalo die Abfahrt ins Trainingslager – und zwar in einer Situation, in der alle im Club eigentlich sensibilisiert sein sollten. Wenige Wochen zuvor „verfuhr“ sich der alkoholisierte Miso Brecko und strandete mit seinem Auto im Gleißbett der Stadtbahn. Andere Spieler äußern sich offen unzufrieden ob ihrer Situation und bringen so Unruhe in die Mannschaft. Wieder andere, wie Martin Lanig etwa, liebäugeln offen mit ihrem Abgang nach Saisonende, anstatt etwas dafür zu tun, dass man ihnen eine Träne nachweint, wenn sie wirklich gehen. (Gleiches traf im Übrigen auch auf Peszko zu, der die Heim-EM im Juni als Sprungbrett nutzen wollte. Nach seiner Alkoholeskapade ist allerdings fraglich, ob sein Nationaltrainer Frantisek Smuda ihn überhaupt nominieren wird). Und das sind nur die Verfehlungen der laufenden Saison. Mit den Eskapaden der Herren Novakovic (nun schon zum zweiten Mal in Folge nicht im Kader), Maniche oder Womé (beide sind mittlerweile Vergangenheit beim FC) und vieler, vieler anderer Kölner Akteure der letzten 20 Jahre könnte man eine ganze Buchreihe füllen. Ironischer Untertitel: „Geschichten, die man nicht besser erfinden kann“.

Das Maß ist voll

Die Zeiten, in denen man die „kleinen menschlichen Verfehlungen“ einiger FC-Akteure noch als lustig, wenn nicht gar irgendwie sympathisch bezeichnen konnte, sind endgültig vorbei. Der erste Bundesligameister gibt sich in der laufenden Saison mehr denn je der Lächerlichkeit preis. Und das ist, mangels vorzeigbarer Ergebnisse auf dem Rasen, der einzige Bereich, in dem der Club 2011/12 zugelegt hat…

Der 1.FC Köln scheint Spieler mit mangelhafter Berufsauffassung magisch anzuziehen (Könnte das daran liegen, dass die Leute, die solche Spieler holen, selber keine Profis sind…?) Die Medien schlachten deren Eskapaden zwar dankbar auf, doch letzten Endes sind es fast immer die FC-Akteure selbst, die dem Boulevard das Futter liefern – auf und neben dem Platz. Kann man ersteres noch tolerieren, sofern das Engagement stimmt, ist letzteres in dieser Häufung unverzeihlich.

Sportlich droht dem FC zwar „nur“ der Sturz in die Zweitklassigkeit, doch in allem anderen ist der 1.FC Köln schon längst auf Amateurniveau angelangt. Wobei dieser Vergleich unfair ist: In vielen Amateurvereinen wird hart, ehrlich und mit jeder Menge Herzblut gearbeitet…

P.S.: Das FC-Maß in meinem Blog ist eigentlich randvoll, aber kein anderer Verein liefert (leider) so viel Gesprächsstoff. Ab morgen widme ich mich dem Meisterkampf. Versprochen ;-)

2 Kommentare

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  1. Lancelot Maloisel sagt:

    Danke Köln, dass ihr euch das Torverhältnis ruiniert. Das ist nochmal ein Punkt mehr….

  2. Lancelot Maloisel sagt:

    Dieses war der nächste Streich. Ich leg mich fest, wir sind durch. 2 Siege und 1 Unentschieden macht Köln diese Saison nicht mehr. Shalalalalalalla! Ich drück natürlich die Daumen, dass die Relegation St.Pauli gegen HSV heißt und nicht Düsseldorf-Köln und Köln vor der Hertha steht.

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