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Mai
14

Jugend schnarch – Debütantenball als Muster ohne Wert

Jogi erfüllt Kinderwünsche, so könnte man das gestrige Freundschaftsländerspiel gegen Polen (0:0) zusammenfassen. Zwölf Neulinge gab es nie zuvor in der DFB-Geschichte. Selbst beim ersten Länderspiel anno 1908 waren es „nur“ elf – Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt. Auch der Allzeit-Jugendrekord wurde dank der besseren U21 auf 21,45 Jahre gedrückt.

Natürlich war das Spiel gegen Polen ein Muster ohne Wert. Hier war der Begriff „Freundschaftsspiel“ anstatt der wettkampfnäheren und mittlerweile gebräuchlicheren Formulierung „Testspiel“ noch einmal angebracht. Denn ein Test für die WM war das torlose Unentschieden von Hamburg gewiss nicht – wenn überhaupt, dann nur für die WM 2018.

Für diesen Umstand kann der Bundestrainer grundsätzlich nichts. Die FIFA lässt diesen Testspieltermin Mitte Mai im Vorfeld einer Weltmeisterschaft nicht zum ersten Mal zu. Dass Löw ihn wahrnimmt, darf man ihm nicht verübeln. Es ist vielmehr sogar seine Pflicht, jede Gelegenheit wahrzunehmen, „seine“ Spieler um sich zu versammeln. Wenn es denn seine Spieler wären.

Der ungünstigste Termin für ein Länderspiel

In Deutschland steigt schließlich am Samstag das DFB-Pokalfinale zwischen Meister Bayern München und Vizemeister Borussia Dortmund. Beide Vereine stellen mit 13 Spielern das Gros des deutschen WM-Kaders, diese Spieler waren folglich beim Polen-Test unabkömmlich. Vielleicht sollte man sich für die Zukunft vormerken, dass es keine Seltenheit ist, dass die besten Mannschaften eines Landes am Ende der Saison den Cup unter sich ausspielen.

Weiterhin rollt auch im Ausland der Ball noch munter: In Spanien steht am Wochenende der letzte Spieltag an. Zudem spielt Real Madrid am 24. Mai (mit Sami Khedira) gegen den Lokalrivalen Atlético Madrid noch um die Champions-League-Krone – macht wieder einen weniger. „Dumm gelaufen“ aus Bundestrainer-Sicht ist zudem, dass der FC Arsenal mit dem DFB-Trio Lukas Podolski, Per Mertesacker und Mesut Özil das FA-Cup-Finale in England am kommenden Samstag erreicht hat.

Antonio Rüdiger schimpft sich nun A-Nationalspieler

So hatte der deutsche Nachwuchs die Chance, sich zu empfehlen. Das kann man positiv sehen. Im Falle des Hoffenheimers Kevin Volland etwa war das Debüt längst überfällig. Der 21-Jährige muss sich wohl auch wenige Sorgen machen, dem ersten Cut des Bundestrainers zum Opfer zu fallen, der seinen vorläufigen WM-Kader in Kürze von 30 auf 26 Spieler reduzieren wird.

Allerdings hat Löw für das Polen-Spiel auch Akteure berufen, die angesichts ihrer Bundesliga-Leistungen im Normalfall meilenweit von einer Nominierung entfernt sind. Bei allem Respekt für den Stuttgarter Antonio Rüdiger etwa muss man attestieren, dass die Formulierung Nationalspieler für ihn eigentlich eine Frechheit ist.

Zwar hat der physisch starke Verteidiger zweifellos Talent, doch fiel er in seinen ersten beiden Profijahren vor allem durch Unkonzentriertheiten und unerklärliche Ausraster auf. Nun ist er also offiziell A-Nationalspieler… Man kann nur hoffen, dass Löw für sich (oder seinen Nachfolger) einige Erkenntnisse gewonnen hat. Ein paar der Berufenen werden vermutlich die mittel- und langfristige Zukunft des deutschen Fußballs mitprägen. Am 13. Mai 2014 sollte man sie aber nicht messen…

Falls es jemand verpasst hat, hier noch einmal alle Debütanten im Überblick:
Max Meyer (18/Schalke), Leon Goretzka (19/Schalke), Maximilian Arnold (19/Wolfsburg), Kevin Volland (21/Hoffenheim), Antonio Rüdiger (21/Stuttgart), Christian Günter (21/Freiburg) Shkodran Mustafi (22/Sampdoria), André Hahn (23/Augsburg), Sebastian Jung (23/Frankfurt) Oliver Sorg (23/Freiburg), Christoph Kramer (23/Gladbach), Sebastian Rudy (24/Hoffenheim).
Kapitän: Julian Draxler (20/Schalke/10 A-Länderspiele).

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