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Sep
04

Kassensturz – Die Transferbilanz im Sommer 2013

Jabadabadu! Die Wechselfrist in der Bundesliga und in vielen europäischen Ligen ist abgelaufen. Die monatelangen Transfer-Gerüchte haben zumindest vorübergehend ein Ende. Es ist Zeit für eine Bilanz über die Last-Minute-Transfers.

Der Top-Transfer

Normalerweise werden Transfers in der Sport- und Boulevardpresse schon Wochen vor dem Vertragsabschluss als nahezu perfekt vermeldet. Umso mehr überraschte der Wechsel von Kevin Prince Boateng (26) vom AC Milan zu Schalke, bei dem zwischen Bekanntwerden des Interesses und der Unterschrift am vergangenen Freitag nicht einmal 24 Stunden vergingen.

Der Mittelfeldspieler hat zwar amtliche zwölf Millionen Euro gekostet, er hat aber auch das Potenzial, den S04 auf dem Platz zu verstärken und der Mannschaft mehr Profil zu verleihen. In seinen vier Jahren bei Portsmouth und Milan ist KPB zudem sichtbar gereift, sodass er auch menschlich ein „kalkulierbares Risiko“ darstellen dürfte.

Der Überraschungstransfer

Dass ein 13-maliger Nationalstürmer im besten Fußballeralter von 29 Jahren trotz eines mit rund drei Millionen Euro dotierten Erstligavertrags Angebote aus dem Oberhaus ausschlägt und freiwillig in der 2. Liga zu extrem reduzierten Bezügen spielt, hat in unserer Zeit absoluten Nachrichtenwert.

Die Rückkehr von Patrick Helmes zum 1. FC Köln nach fünfjähriger „Ausgesorgt“-Tournee in Leverkusen und Wolfsburg ist gewiss DER Transferkracher in der 2. Liga – und zeigt den Erstligisten, die um ihn geworben haben, dass man manchmal trotz der besseren Argumente keine Chance hat.

Der Win-Loose-Tausch

U-21-Nationalstürmer Pierre-Michel Lasogga wechselt für ein Jahr auf Leihbasis von Hertha BSC zum Hamburger SV. Dafür geht der norwegische Mittelfeldspieler Per Skjelbred für den gleichen Zeitraum den umgekehrten Weg. Auf den ersten Blick haben beide Seiten schlau gehandelt. Hertha, das nur mit einem echten Angreifer agiert, aber derer vier im Kader hat, konnte dem talentierten, aber zuletzt unzufriedenen Lasogga Spielpraxis bei einem Verein verschaffen, der mangels Quantität und Qualität im Angriff dringenden Bedarf hatte.

Auf der anderen Seite konnte die Hertha ihr Mittelfeld nach dem Kreuzbandriss von Alexander Baumjohann mit Skjelbred durch einen weiteren vielseitig einsetzbaren Akteur ergänzen. Auf den zweiten Blick kann man sich aber fragen: Was versprechen sich die Berliner von einem Mann, der in Hamburg zwei Jahre meist auf der Bank oder der Tribüne gesessen und bei seinen wenigen Einsätzen nur sehr selten überzeugt hat?! Bei diesem Deal muss man wohl sagen: Da hat der HSV alles richtig gemacht. Ausnahmsweise.

Die Nicht-Transfers des Sommers

Eigentlich war sie nur als Provisorium geplant, die mittlerweile fast schon legendäre „Trainingsgruppe II“ von 1899 Hoffenheim, die von ihrer Gehaltsstruktur her ähnlich aufgestellt sein dürfte wie die Hobby-Kickrunde mehrerer Bankvorstandsmitglieder. Tim Wiese, Matthieu Delpierre, Tobias Weis, Edson Braafheid und Matthias Jaissle sind allesamt – vermutlich nicht zuletzt ob ihrer üppig dotierten Verträge – noch da und halten sich weiterhin gesondert fit.

Immerhin konnte der Klub mit Eren Derdiyok (Bayer Leverkusen), Afriyie Acquah (FC Parma), Knowledge Musona (Kaizer Chiefs), Luis Advincula (AA Ponte Preta), Igor de Camargo (Standard Lüttich) und Joselu (Eintracht Frankfurt) sechs Mitglieder dieser elitären Riege loswerden. Dumm nur: Abgesehen von de Camargo sind sie alle nur ausgeliehen und stehen spätestens in einem Jahr wieder auf der Matte. Was Wiese & Co. betrifft: Transfers in die Türkei, nach Russland, Frankreich und eine Handvoll Exoten-Ligen sind weiterhin möglich. Dass einer aus dem verbliebenen Quintett dorthin wechseln wird, ist aber leicht zu bezweifeln…

Bei den Nicht-Transfers hat die TSG sogar noch den HSV hinter sich gelassen, dem es zum wiederholten Mal misslungen ist, hochbezahlte Ikonen wie Gojko Kacar, Robert Tesche, Slobodan Rajkovic oder Michael Mancienne an den Mann zu bringen. Manciennes Kinder, so wird das nie was mit der finanziellen Konsolidierung in der Hansestadt.

Die Bundesliga-Bestmarken des Sommers

263,25 Millionen Euro haben die 18 Bundesligavereine in dieser Transferperiode bewegt – so viel wie nie zuvor. Krösus war der FC Bayern mit 62 Millionen Euro, die der Triple-Sieger in Mario Götze und Thiago Alcantara investiert hat.

Auf Rang zwei folgt der BVB mit seinem 50-Millionen-Paket für das „Scrabble-Trio“ Henrikh Mkhitaryan, Pierre-Emerick Aubameyang und Sokratis Papastathopoulos. Anders ausgedrückt: Die Borussia hat einen halben Gareth Bale respektive einen ganzen Mesut Özil verpflichtet, die Investition jedoch auf drei Positionen gestreut.

International Madness

Mit ihren 263,25 Millionen Euro ist die Bundesliga international allenfalls ein mittelgroßes Licht. Die klare Nummer eins in dieser Transferperiode war wieder einmal die englische Premier League mit 763 Millionen Euro Ausgaben. Mit weitem Abstand folgen die italienische Serie A (409 Millionen), die spanische Primera Division (391 Millionen), die französische Ligue 1 (379 Millionen) und die russische Premier Liga (272 Millionen) auf den Plätzen. Die Bundesliga als Nummer drei der UEFA-Fünfjahreswertung belegt hier somit nur den sechsten Rang.

Internationaler Krösus bei den Vereinen ist – fast schon aus Gewohnheit – Real Madrid. Die hoch verschuldeten Spanier haben neben den 100 Millionen Euro für Gareth Bale noch weitere 72,5 Millionen Euro in Isco, Asier Illarramendi, Daniel Carvajal und Casemiro gesteckt. Damit hat Real den neureichen und nicht minder verrückten Ligue-1-Aufsteiger AS Monaco (166 Millionen) allerdings nur knapp hinter sich gelassen. Fairerweise muss man aber sagen, dass Real auch knapp 115 Millionen Euro durch Verkäufe eingenommen hat. Bei Monaco waren es läppische sechs Millionen, was ein Minus von 160 Millionen Euro in einer Transferperiode macht! Könnte eng werden, in den nächsten Jahren die Vorgaben des Financial Fairplay zu erfüllen…

Im Winter geht’s weiter. Traditionell wird da etwas weniger Geld in die Hand genommen als im Sommer. Aber wehe, einer der Großinvestoren läuft bis dahin Gefahr, seine Ziele zu verpassen…

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