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Okt
25

Kein Pardon für Roger Schmidt: Ein Trainer in der Image-Falle

Der DFB hat Ernst gemacht und Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt wegen seines jüngsten Ausrasters bei der 0:3-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim für zwei Spiele gesperrt. Der 49-Jährige kann einem fast leidtun. Auf der anderen Seite hat Schmidt auch akribisch an seinem Negativ-Image gearbeitet, das ihm nun immer wieder schadet.

Zugegeben, in Bundesligastadien sind gewiss schon heftigere Worte gefallen als die von Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt am vergangenen Samstag. „Gar nichts war das! Was bist Du denn für ein Spinner?“, hatte Schmidt nach einer strittigen Szene kurz nach der Halbzeitpause in Richtung seines Hoffenheimer Amtskollegen Julian Nagelsmann gerufen und hinterhergeschoben: „Halt doch einfach mal die Schnauze!“

Arrogant bis aufbrausend: Bad Boy Schmidt bedient alles

Schön für den Fan und dumm für Schmidt, dass die Mikrofone von Sky an den Trainerbänken so sensibel sind, dass diese Sätze nicht nur für den Schiedsrichter und die Umherstehenden, sondern für jeden hörbar waren, der einen Fernseher besitzt. Und schadenfroh ist der gemeine deutsche Fußballfan auch, wenn es um einen wie Schmidt geht. Der Westfale kommt nämlich allzu gern mit einer ordentlichen Portion Arroganz daher und kann dabei so herrlich herablassend sein, dass Vergleiche mit dem Harry-Potter-Bösewicht Professor Snape nicht allein optischer Natur sind.

Insofern hat Fußball-Deutschland – mit Ausnahme einer rechtsrheinischen Enklave zwischen Köln und Düsseldorf – die Sperre von zwei Spielen gegen Schmidt als vollkommen gerecht eingestuft. Zumal der ehemalige Trainer des SC Paderborn und von Red Bull Salzburg im Frühjahr gegen Borussia Dortmund schon einmal auf die Tribüne geschickt worden war. Allerdings weigerte er sich damals so standhaft wie skandalös, dass das Spiel am Rande zum Abbruch stand. Schmidt wurde deswegen vom DFB-Sportgericht für rekordverdächtige fünf Spiele gesperrt. Drei Spiele Sperre gab es sofort, zwei auf Bewährung, ausgesetzt bis zum 30. Juni 2017. So lange konnte sich Schmidt nicht einmal annähernd zurückhalten. Insofern war dieses Mal alles klar und vollkommen rechtens.

Warum durften Pep und Klopp, was Schmidt nicht darf?

Doch es gibt da noch eine andere Seite der Medaille. Wenn man nämlich ein bisschen vergleicht, ist Schmidt vielleicht gar nicht so ein böser Bube. „Bei anderen wird bei so etwas ein Auge zugedrückt. Bei unserem Trainer ist das aber gleich eine große Hysterie“, sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler am Sonntag – und hatte nicht ganz Unrecht.

Auf jedem Kreisligaplatz fallen an jedem Sonntag Ausdrücke, die ich nicht einmal in meine Tastatur zu tippen wage. Und auch auf allerhöchstem Niveau geht es keineswegs immer fein zu. Der einstige Bayern-Übertrainer Pep Guardiola etwa durfte sich eigentlich alles erlauben. Den Schiedsrichtern höhnisch Beifall für vermeintliche Fehlentscheidungen spenden? Passt schon. Der 4. Offiziellen Bibiana Steinhaus einfach mal an den Vorbau fassen? Schwamm drüber. Der stolze Katalane hatte sich in drei Jahren Bundesliga zwischen 2013 und 2016 die eine oder andere Überreaktion geleistet. Doch er kam immer wieder davon, weil bei ihm der berühmte „Ermessensspielraum“ ungefähr die Größe der Trophäenschränke des FC Bayern hatte.

Auch Jürgen Klopp durfte sich in seinen erfolgreichen Tagen bei Borussia Dortmund an der Seitenlinie gerieren, wonach ihm gerade war. Wildes Toben oder zähnefletschendes Ankeifen gehörten zum Standard-Repertoire. Einmal rammte Klopp gar den Schirm seiner Baseball-Kappe förmlich ins Großhirn des 4. Offiziellen. Vonseiten des DFB wurde ihm immer verziehen, ein paar Geldstrafen hatten kaum mehr als den Charakter eines kleinen symbolischen Rüffels. Wirkliche Sanktionen (sprich: Sperren) erlebte Klopp erst durch die UEFA beim Dortmunder Champions-League-Auftritt 2013 beim SSC Neapel, als er den 4. Mann in der Manier eines Horror-Clowns anging.

Insofern ist Schmidts Sperre, die zusätzlich mit 15.000 Euro Geldstrafe „veredelt“ wurde, schon eine delikate Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Für Schmidt hat die Affäre freilich die unschöne Folge, dass er nun endgültig sein schlechtes Image weg hat. Mit Milde bei ähnlichen Fehltritten darf er in Zukunft nicht rechnen. Und jeder Gegner weiß nun auch: Der Schmidt hat eine kurze Lunte, man muss nur ein bisschen zündeln. „Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich mal eine glatte zehn vergeben“, sagte Schmidt am Montag reumütig. Helfen wird ihm und Bayer diese Einsicht in der Zukunft wohl nicht mehr.

1 Kommentar

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  1. Vjeko sagt:

    Die Diskussion rund um Roger Schmidt und seine so „unangemessene“ Wortwahl ist einfach nur eine Farce…der DFB soll sich mal anhören was Sonntag für Sonntag in der Kreisklasse für ein Vokabular herrscht…

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