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Jun
04

Kein Sa(h)ne-Tag: Löw streicht Sané und Petersen

Die Nicht-Nominierung von Leroy Sané für die Fußball-WM in Russland ist eine kleine Sensation. Einer der unberechenbarsten deutschen Kicker bleibt zuhause. Auch dass Nils Petersen aus dem Aufgebot gestrichen wurde, ist bemerkenswert. Sané und Petersen wären mit ihren Fähigkeiten wertvolle Joker in engen K.o.-Spielen gewesen.

Keine Frage, in der Nationalmannschaft ist Leroy Sané bislang nicht so recht angekommen. Doch der pfeilschnelle, wendige und trickreiche Flügelstürmer sollte zu den 23 besten Spielern des Landes gehören – also zu der Auswahl, die in Russland den Titel verteidigen soll. Immerhin liegt Fußball-England dem 22-Jährigen zu Füßen. 25 Scorerpunkte sammelte Sané für Manchester City auf dem Weg zur souveränen Meisterschaft, er wurde zum besten jungen Spieler der Premier League gewählt und zählte sogar zum Kandidatenkreis für den Spieler des Jahres.

Doch in der DFB-Auswahl sind die Fähigkeiten des selbstbewussten Youngsters nach Dafürhalten von Joachim Löw entbehrlich. Immerhin hat man ja einen Marco Reus, einen Julian Draxler oder notfalls auch einen Julian Brandt auf der Linksaußenposition. Und alle drei können auf mehr starke Spiele im DFB-Dress verweisen als Sané. Allerdings ist Reus leider auch sehr verletzungsanfällig – mit 29 Jahren bestreitet der hochveranlagte Dortmunder aus diesem Grund erst sein zweites großes Turnier – und Brandt ist bei aller Wertschätzung (noch) kein Sané.

Löw verzichtet auf das Überraschungsmoment

Löws Entscheidung muss daher erstaunen. Immerhin ist Sané in einer Mannschaft aus zwar starken, aber eben auch ziemlich berechenbaren Spielern, die eher den Querpass als das eins-gegen-eins suchen, einer der wenigen unkonventionellen Akteure. Wenn Sané mit dem Ball am Fuß loszieht, ist man ungern Verteidiger. Genau diese Qualität kann in einem Viertelfinale, Halbfinale oder Endspiel bei engem Spielstand zum entscheidenden Plus werden – beziehungsweise: hätte es werden können.

Auch der Freiburger Petersen wäre ein Mann für Spiele gewesen, in denen wenig vorwärts geht. Der 29-Jährige, dessen Nominierung für das vorläufige Aufgebot bereits eine Überraschung war, ist der erfolgsreichste Joker der Bundesliga-Geschichte. Anders als etwa Mittelstürmer Mario Gomez, der hinter dem gesetzten Timo Werner meist Ersatz sein dürfte, ist Petersen schnell in einem Spiel drin.

Auch auf diese Qualität verzichtet Löw, allerdings deutete sich das spätestens an, als der Bundestrainer zuletzt von „Anlaufschwierigkeiten“ des Freiburgers Petersen berichtete. Das mag das entscheidende Kriterium gewesen sein: Sané und Petersen spielen nicht den klassischen Fußball des Systems Löw.

Die Nicht-Nominierung von Jonathan Tah war letztlich logisch, nachdem Weltmeister Jerome Boateng rechtzeitig fit wird. Sein Leverkusener Klubkollege Bernd Leno zeigte im letzten Jahr viel Licht, aber auch einigen Schatten im Tor. Bei der Besetzung der Nummer drei steht aber ohnehin nicht allein die sportliche Komponente im Vordergrund, sondern auch das Einfügen in den Kader.

Minimale Restchancen auf die WM bleiben für die vier Aussortierten aber bestehen: Sollte sich vor dem Auftaktspiel der deutschen Mannschaft am 17. Juni gegen Mexiko noch ein Spieler verletzen, kann Löw bis 24 Stunden vor dem Anpfiff einen Ersatz berufen. Danach ist keine Veränderung des Kaders mehr möglich.

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