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Sep
09

Kein Spaziergang auf der Schafinsel – Stolperstein Färöer

Wenn Deutschland auf Liechtenstein oder Luxemburg trifft, können sich die Zuschauer normalerweise auf ein Schützenfest im Bereich der Zweistelligkeit einstellen. Deutschlands morgiger WM-Qualifikationsgegner Färöer ist zwar auf dem Papier ein ähnlich schwaches Kaliber – in der Praxis hat sich die DFB-Elf gegen den wackeren Männer aus dem hohen Norden aber immer schwer getan.

Hannover, 16. Oktober 2002. An einem verregneten Mittwochabend im alten Niedersachsen-Stadion stellt sich ganz Deutschland auf einen Kantersieg ein gegen den vermeintlich leichtesten Gegner auf dem Weg zu Europameisterschaft 2004 in Portugal. Etwas anderes ist undenkbar, immerhin ist Deutschland amtierender Vizeweltmeister – wenn auch von Kahns und des Spielplans Gnaden –, während der Gegner aus dem hohen Norden eine reine Amateur-Truppe stellt.

Dennoch tat sich Deutschland an diesem Abend schwer. Der in der 2. Minute verwandelte Foulelfmeter von Michael Ballack schien zwar zunächst der Auftakt zu einem Scheibenschießen zu werden, doch die restlichen 43 Minuten der ersten Hälfte wurden zu einem Gewürge, wie man es in der Ära Völler noch des Öfteren zu sehen bekommen sollte (s. Rückspiel am 11.6.2003).

Als Friedrich ins eigene Tor traf

Als Arne Friedrich mit dem Halbzeitpfiff ein Eigentor unterlief, wurde die wenige Monate zuvor noch frenetisch gefeierte Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Kabine geschickt. Zwar markierte Miroslav Klose nach einer Stunde das 2:1, doch der Abend hätte noch ein böses Ende nehmen können, als der eingewechselte Hjalgrím Elttør in der 83. Minute allein auf Oliver Kahn zulaufend den Pfosten traf.

Auf dieses böse Ende hatte man sich am bereits erwähnten 11. Juni 2003 im Rückspiel in Torshavn im Grunde schon eingestellt. Drei Monate vor der Völler’schen Wutrede nach dem 0:0 auf Island war die DFB-Elf an diesem windigen Mittwochabend 89 Minuten lang auf Kurs zu einem torlosen Remis. Die EM-Qualifikation wäre damit auf das Ernsthafteste bedroht gewesen. Erst der Doppelschlag von Miroslav Klose (89.) und Fredi Bobic (90.) brachte noch den mehr als glücklichen Sieg.

Das Gewürge von Hannover, Teil II

Nun kann man sagen: Ja gut, sicherlich, in der Ära Völler haben wir uns gegen fast jeden Gegner spielerisch schwer getan. So war das halt damals. Es gab ja auch keine Kleinen mehr. Doch selbst unter „Zauber-Jogi“ Löw war das letzte Aufeinandertreffen am 7. September 2012 – übrigens erneut in Hannover – kein Spaziergang. Im ersten Pflichtspiel seit dem EM-Aus war die Stimmung im Stadion nicht unangespannt, die Halbfinalpleite gegen Italien hing aber auch der verunsicherten deutschen Mannschaft noch in den Kleidern.

Als die Gäste im ersten Abschnitt häufiger vor dem Tor von Manuel Neuer zu finden war, als die deutschen Weltstars vor dem Gehäuse von Gunnar Nielsen, musste man sich schon Sorgen machen. Erst der Treffer von Mario Götze (28.) wurde zum „Dosenöffner“, wie dessen Ex-Vereinstrainer sagen würde. Ein Doppelpack von Mesut Özil in der zweiten Hälfte stellte zumindest den halbwegs standesgemäßen 3:0-Sieg klar. Dennoch war es eine Partie, die zu wünschen übrig ließ.

Am Dienstag geht es erneut nach Torshavn, in ein 6.000 Zuschauer fassendes, zugiges Stadion. Es wird ein Spiel, das nach Freundschaftsspielatmosphäre schreit. Angesichts der Performance der deutschen Mannschaft in Freundschaftsspielen seit der EM 2012 (13 Gegentore in sechs Spielen) und der Problematik mit den wackeren Färingern bleibt zu hoffen, dass es nicht böse endet…

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