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Jan
12

Keine Abstellungspflicht: Olympia mit deutschem B-Team?

Seit 1988 hat Deutschland auf eine Olympia-Qualifikation seiner Fußballer gewartet – und nun könnte das Turnier im August zu einem Rohrkrepierer für den DFB werden. Weil Rio 2016 von der FIFA als Jugendturnier eingestuft wird, besteht für die Vereine keine Abstellungspflicht. Es droht ein Streit um die Talente: Saison-Vorbereitung für den Arbeitgeber oder Kampf um Medaillen für das Heimatland?

Was könnte Deutschland für eine Mannschaft zu den Olympischen Spielen schicken: Julian Draxler, Leroy Sané, Marc-André ter Stegen, Bernd Leno, Timo Horn, Matthias Ginter, Max Meyer, Emre Can, Kevin Volland – alle nach dem Stichtag am 1. Januar 1993 geboren. Dazu darf der DFB drei weitere Spieler nach Rio schicken, die älter sind. Wie wäre es beispielsweise mit den Weltmeistern Philipp Lahm, Jerome Boateng und Mesut Özil?

Keine Frage, eine solche Mannschaft würde um Gold spielen und könnte nach dem WM-Titel 2014 binnen zwei Jahren das nächste brasilianische Märchen für Deutschland schreiben. Doch wenn man die Aussagen der Bundesliga-Sportdirektoren Rudi Völler (Bayer Leverkusen) und Max Eberl (Borussia Mönchengladbach) auf den Rest der Liga überträgt, wird DFB-Trainer Horst Hrubesch beim Turnier (3. bis 20. August) sowie in der Vorbereitung nur einige wenige dieser Namen zur Verfügung haben.

Bundesliga wehrt sich gegen Abstellungen

„Es darf dann nicht so sein, dass einige Klubs vier Profis abstellen und andere gar keinen“, sagte Völler am Montag der Rheinischen Post und sprach sich dafür aus, „die Abstellungen der Spieler pro Verein zu limitieren – und zwar unabhängig von ihrer Nationalität“.
Eberl machte sich für eine einheitliche Lösung stark: „Entscheidend ist, dass wir alle gleich betroffen sind. Wir sind in guten Gesprächen mit dem DFB.“

Weltverband FIFA kündigte zwar an, auf die Vereine einwirken zu wollen, doch ihre besten Spieler abstellen müssen diese tatsächlich nicht. Und gerade Akteure wie Sané bei Schalke 04, ter Stegen beim FC Barcelona, Leno bei Bayer Leverkusen oder Horn beim 1. FC Köln nehmen bei ihren Vereinen mittlerweile Schlüsselpositionen ein.

Realistisch wird nicht das beste deutsche Team in Rio sein

Ein Fehlen dieser Spieler in der wichtigen Saisonvorbereitung sowie in der 1. Runde im DFB-Pokals (am Olympia-Schlusswochenende) träfe die Vereine spürbar – nicht auszudenken, wenn sich einer in Rio schwer verletzt und Wochen oder gar Monate für den Verein ausfällt. Bereits bei einer Weltmeisterschaft, dem größten Ereignis für einen Fußballer, gehen die Klubs auf die Barrikaden und fordern zumindest finanzielle Ersatzleistungen von den Verbänden und den Veranstaltern ein.

Umso illusorischer erscheint es, dass Bayern München, der FC Arsenal oder Real Madrid einem Weltmeister „erlaubt“, sich den Traum von Olympischen Spielen und womöglich einer Goldmedaille zu erfüllen. Das ist traurig, aber Realität.

Dabei sein darf für den deutschen Fußball nicht alles sein

Und so dürfte Deutschland mit einer B-Mannschaft zu den Spielen fahren. In gewisser Weise kann man die Klubs verstehen, schließlich darf es keine Strafe sein, viele talentierte Spieler in seinen Reihen zu haben. Dennoch war 1992, 1996, 2000, 2004, 2008 und 2012 das Geheule groß, dass der größte und einer der erfolgreichsten Fußballverbände der Welt das Tickt für Olympia verpasst hat.

Für die deutschen Fußballer sollte in Rio Dabeisein nicht alles sein – mit den Ambitionen des DFB muss eine Medaille her, und zwar mit der bestmöglichen Mannschaft.

1 Kommentar

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  1. h.chinaski sagt:

    „Für die deutschen Fußballer sollte in Rio Dabeisein nicht alles sein – mit den Ambitionen des DFB muss eine Medaille her, und zwar mit der bestmöglichen Mannschaft.“

    Exakt! Für jeden anderen ambitionierten Sportler ist Olympia das Größte.

    Und wenn es in anderen Sportarten (Eishockey, Basketball, Baseball, Handball etc.) möglich ist Spieler abzustellen oder den Terminplan etwas umzustellen, warum dann nicht auch für den Fußball?

    Es gibt mehr als einen großen Sportler der sich für Olympia „geopfert“ hat. Ich denke ein Dirk Nowitzki (als prominentes Beispiel) hätte auch gern die Füße für ein paar Wochen hoch gelegt, aber stattdessen hat er sich für den Adler auf der Brust den A***h aufgerissen. Von den Handballern und deren Belastung (im gleichen Jahr auch noch eine EM) braucht man gar nicht erst anzufangen.

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