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Jan
06

Kimmich, Kurt und Co.: Neuer Kurs beim FC Bayern?

Mit der Verpflichtung von U-19-Europameister Joshua Kimmich zur neuen Saison hat Bayern München ein Ausrufezeichen gesetzt. Der Rekordmeister scheint seine Transferstrategie zu radikalisieren: Kein Mittelbau mehr, nur noch Superstars und Top-Talente.

Sinan Kurt (18) wurde im August für rund drei Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach losgeeist – wohlgemerkt aus der U19 der Rheinländer. Beim FC Bayern kam er bislang auch mehrheitlich nur in dieser Klasse zum Einsatz. Ob beziehungsweise wann ihm in seiner vierjährigen Vertragsdauer der Sprung in den Profikader gelingt, ist offen.

Für Joshua Kimmich (19) werden die Münchner am 1. Juli kolportierte sieben Millionen Euro an den VfB Stuttgart überweisen. U19-Europameister Kimmich wird dann zumindest eine komplette Saison in der 2. Bundesliga für RB Leipzig absolviert haben, an das er seit 2013 ausgeliehen ist. Ob der nur 1,66 m kleine defensive Mittelfeldspieler (Typ Philipp Lahm) in München aber schnell auf Einsätze kommen wird, erscheint angesichts des hochklassig besetzten Bayern-Kaders mehr als fraglich.

Auch um den norwegischen Wunderknaben Martin Ödegaard bemühen sich die Münchner verstärkt. Ödegaard ist seit dem 17. Dezember 16 Jahre alt, könnte nun also offiziell wechseln. Allerdings wird der offensive Mittelfeldspieler von sämtlichen europäischen Top-Adressen umworben.

Superstars und Indianer

Diese drei Spieler stehen für einen neuen Kurs beim FC Bayern München. Der sieht so aus: Superstars wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Mario Götze oder Xabi Alonso werden „fertig“ gekauft. Um sie herum sollen Top-Talente entweder aus dem eigenen Unterbau (einst u.a. Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, dann die Generation Thomas Müller, Holger Badstuber und David Alaba, zuletzt Pierre-Emile Höjberg oder Gianluca Gaudino) das Gebilde komplettieren und frühzeitig den hohen Anforderungen wachsen. Typ drei sind Spieler wie Kurt und Kimmich, also hochveranlagte Akteure, die in einem noch sehr jungen Alter für im besten Fall noch recht kleines Geld geangelt werden.

Der FC Barcelona, „zufälligerweise“ mehr als 20 Jahre die sportliche Heimat von Bayern-Trainer Pep Guardiola, verfolgt seit Jahren eine ähnliche Strategie. Es ist ohne Zweifel die Strategie eines Klubs, der ganz oben angekommen ist. Eines Klubs, der keinen Spieler mehr verkaufen muss, sondern sich vielmehr theoretisch jeden Spieler leisten kann.

Abnutzungskampf unter den Talenten droht

Die Schattenseite dieses Szenarios: Der Kampf der Youngster gegen die Etablierten ist auf dem Papier nahezu aussichtslos. Zwar ist die Qualität des Trainings in München aufgrund der Masse an Weltklassespielern höher als in einigen anderen Vereinen der Spielbetrieb – auf der anderen Seite benötigt jeder Kurt, Kimmich, Gaudino oder Höjbjerg aber auch einen Trainer, der ihnen bedingungsloses Vertrauen schenkt. Doch selbst wenn dieses Vertrauen gegeben ist, sind Einsätze keinesfalls garantiert.

Die vergangenen Jahre haben bereits bewiesen, dass Bayern München mit seinen überraschenden Low-Budget-Transfers à la Jan Kirchhoff oder Sebastian Rode eher Kapital für die Reservebank gebunden hat, als eine ernsthafte Verstärkung zu erzielen. Diesem Schicksal müssen sich auch die jungen Wilden in München stellen. Kein Wunder, dass der von Guardiola hochgeschätzte Höjbjerg trotz ordentlicher 13 Pflichtspieleinsätze in der Hinrunde eine Leihe zu einem weniger stark besetzten Erstligisten anstrebt.

Philipp Lahm (Stuttgart) und David Alaba (Hoffenheim) gingen einst ebenfalls diesen Weg und avancierten nach ihrer Rückkehr zu Weltklassespielern. Sollte die neue Generation es ihnen gleich tun, hätten die Bayern mit ihrer Strategie alles richtig gemacht – und sogar noch eine ganze Stange Geld gespart, weil das Kaufen von Weltklasseleuten um einiges teurer ist…

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