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Apr
06

Köln gegen Leverkusen: Die denkwürdigsten Derbys

Am Sonntag kommt es zum 63. Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen – im Gegensatz zum „großen“ Derby zwischen dem FC und Borussia Mönchengladbach ist es ein Duell mit vermeintlich wenig Brisanz und Historie. Ein paar denkwürdige Partien waren aber doch dabei zwischen den Geißböcken und den „Pillen“.

Nullnummer zur Premiere

Waren das Zeiten! Als amtierender Deutscher Meister bestritt der 1. FC Köln am 14. Oktober 1962 erstmals ein offizielles Spiel gegen den krassen Außenseiter Bayer Leverkusen. In der letzten Saison vor der Gründung der Bundesliga kam der FC in der Oberliga West gegen den Aufsteiger aus der Industriestadt am 9. Spieltag allerdings nur zu einem 0:0. Am Ende der Saison trennten sich die Wege der Klubs bis auf weiteres. Während sich die Geißböcke für die Bundesliga qualifizierten und dort gleich Meister wurden, benötigte Bayer 16 Anläufe für den Sprung ins Oberhaus. Dort ist die Werkself seit 1979 Dauergast – im Gegensatz zum FC, der seit 1998 fünfmal abstieg.

Das torreichste Derby

Wir müssen doch noch einmal zurückgehen in die Saison 1962/63. Das Rückspiel am 17. Februar 1963 in Köln war nämlich mit neun Treffern gleich das torreichste Duell der beiden Klubs. Überraschend setzte sich Leverkusen 5:4 nach 4:1-Führung durch, es war der erste von bislang 24 Bayer-Siegen (15-mal gewann Köln, 23 Spiele endeten Unentschieden).

K(l)eine Hürde vor dem Pokalsieg

In der Saison 1982/83 gewann der 1. FC Köln mit dem DFB-Pokal seinen bislang letzten Titel. Auf dem Weg dorthin wartete in der 2. Runde mit der Bayer-Elf eine nur sehr kleine Hürde. Mit 3:1 hatte der FC wenige Probleme. Die Nationalspieler Stephan Engels und Pierre Littbarski sowie der Jugoslawe Edhem Sljivo trafen für die Gastgeber im Müngersdorfer Stadion, Herbert Waas erzielte für Leverkusen das zwischenzeitlichen 1:2.

Die Geburtsstunde von „Vizekusen“

Nachdem der FC jahrzehntelang zu den Top-Teams der Bundesliga gehörte und ab Anfang der 1990er Jahre einen eklatanten Absturz erlebte, verlief Bayers Formkurve genau umgekehrt. Nach schweren Anfangsjahren gewann die Werkself 1988 den UEFA-Cup, 1993 den DFB-Pokal und hatte vor dem 33. Spieltag der Saison 1996/97 unter dem früheren Kölner Erfolgscoach Christoph Daum noch Chancen auf die erste Meisterschaft. Den Titel vor Augen, schlotterten den Bayer-Profis um Torjäger Ulf Kirsten an diesem 24. Mai 1997 aber die Knie, der im Tabellenmittelfeld befindliche FC gewann 4:0 – drei Tore gingen auf das Konto von Toni Polster. Weil Bayern München zeitgleich 4:2 gegen den VfB Stuttgart gewann, feierte der Rekordmeister vorzeitig den Titel, Leverkusen wurde zum ersten Mal Vize. Vier weitere zweite Plätze folgten bislang.

Apropos Vizekusen

14 Jahre später wurde der FC erneut für Bayer erneut zum Vizemeister-Macher. Am 32. Spieltag war die Werkself der einzige verbliebene Verfolger von Borussia Dortmund. Erneut mussten in Köln Punkte her, um die Chance auf die Schale zu wahren – und erneut versagten den Leverkusener Profis die Nerven. Die höchst abstiegsbedrohten Kölner siegten am 30. April 2011 mit 2:0 durch einen Doppelpack von Milivoje Novakovic, besiegelten damit den fünften Vize-„Titel“ für den Rivalen und retteten sich selbst einen Spieltag später.

Anfang vom Ende für Dutt – und für Solbakken

Keine fünf Monate später düpierte ein völlig aufgedrehter 1. FC Köln den Rivalen aus Leverkusen in dessen Stadion mit 4:1. Doppeltorschütze Milivoje Novakovic und Lukas Podolski ließen die FC-Fans nach dieser Glanzvorstellung am 17. September 2011 gar vom Europacup träumen. Für Robin Dutt auf der Leverkusener Bank wurde das Spiel der frühe Anfang vom Ende. Bald darauf musste man aber auch in Köln erkennen, dass dieses Spiel das einzige echte Highlight einer desaströsen Saison unter dem zerstrittenen Trainer/Sportdirektor-Duo Stale Solbakken/Volker Finke war. Verdient wie nie zuvor ging der FC im Mai 2012 zum fünften Mal in die 2. Liga.

Das Schmidt-Stöger-Derby

Der 29. November 2014 wurde zum Tag des giftigsten aller bisherigen Derbys zwischen Köln und Leverkusen. Im Zentrum standen aber keine Spieler, sondern die beiden Coaches. Seit der für den FC tätige Peter Stöger 2013 mit Austria Wien dem Ligakrösus Red Bull Salzburg um Roger Schmidt die Meisterschaft in Österreich abluchste, waren sich die beiden Trainer spinnefeind. Das Spiel in Leverkusen trug zu einer weiteren Eskalation bei. Köln spielte extrem defensiv, ging aber per Elfmeter 1:0 in Führung und hätte wenig später einen weiteren Strafstoß zugesprochen bekommen müssen – inklusive eines Platzverweises für Bayer-Torhüter Bernd Leno. So aber drehte Leverkusen auf, schoss in den letzten 30 Minuten vier Tore und gewann 5:1. Schmidt sagte nach dem Spiel in einem Anflug von Arroganz: „So könnte ich nicht Fußball spielen, wie Köln heute gespielt hat. Dann wäre ich kein Trainer.“ Tags darauf kontert Stöger süffisant: „Respekt kann man sich auf dem Transfermarkt nicht kaufen.“

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