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Mrz
25

„Können nicht mehr mithalten“ – Die Bundesliga zittert vor der Premier League

Die Fußball-Bundesliga boomt. Volle und moderne Stadien, tolle Tore, spektakuläre Spieler und herausragende Trainer – und doch herrscht nicht gerade Goldgräberstimmung im Oberhaus. Der neue TV-Vertrag der englischen Premier League bereitet besonders den kleinen und mittelgroßen Vereinen Kopfzerbrechen.

1,21 Milliarden Euro haben die 20 Vereine der englischen Premier League in dieser Saison an Ablösesummen für neue Spieler bezahlt. Das sind rund 300 Millionen Euro mehr als die spanische Primera Division (549 Millionen) und die Bundesliga (357 Millionen) – zusammen, wohlgemerkt.

Die Schere dürfte alsbald noch größer werden, denn ein neuer TV-Vertrag spült der englischen Beletage zwischen 2016 und 2019 insgesamt 6,9 Milliarden Euro in die Kassen. Das sind für die 20 Vereine 2,3 Millionen Euro pro Jahr.

Der Letzte in England bekommt mehr als doppelt so viel wie der FC Bayern

Der Tabellenletzte der Premier League wird dann allein an TV-Geldern 133 Millionen Euro in einer Spielzeit einnehmen. Zum Vergleich: Bayern München als deutscher Branchenprimus erhält derzeit rund 50 Millionen Euro aus dem TV-Topf der Bundesliga, der 1. FC Köln als Aufsteiger kassiert gerade einmal 21 Millionen Euro.

Selbst der neue TV-Vertrag, welcher der Bundesliga ab der Saison 2016/17 den vorläufigen Höchstwert von 835 Millionen Euro per annum bescheren wird, kommt da beinahe wie ein Sonderangebot daher. Der (vermeintliche) Marktwert der Premier League wirkt umso bizarrer, wenn man bedenkt, dass in dieser Saison im Viertelfinale der Champions League und der Europa League kein einziger Klub aus England mehr vertreten ist. Die Premier League ist also derzeit nur auf dem Papier ein Spitzenprodukt.

Bundesliga zittert vor England-Millionen

Und doch zittern viele Vereine aus der Bundesliga vor den englischen Klubs. Nicht unbedingt sportlich, sondern finanziell. „Ein Marco Reus wird kaum bei Stoke City oder Hull City spielen. Für die Topstars wird es keinen Unterschied machen. Für Spieler von Vereinen in der Größenordnung von Hannover 96 oder dem 1. FC Köln schon. Da können wir im Zweifel nicht mithalten“, sagte etwa FC-Manager Jörg Schmadtke jüngst dem Express.

Auch sein Bremer Amtskollege Thomas Eichin fürchtet, dass sein Klub bald bei Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern oder im Buhlen um neue Spieler gegen die englischen Teams bald mit stumpfen Waffen kämpfen wird. „Es wird sich die Entwicklung fortsetzen, dass selbst Spieler, die aktuell geringe Einsatzzeiten bekommen, so eminent hohe Gehälter verdienen, dass man sie nur schwer für einen Engagement in der Bundesliga gewinnen könnte. Man muss klar sagen: Bei den Angeboten aus England werden wir zukünftig nicht mithalten können“, schrieb der 48-Jährige in seiner Kolumne für transfermarkt.de.

Breiterer Pay-TV-Markt: Darum ist der Preiskampf in England so extrem

Inwiefern Schmadtke, Eichin und zahlreiche Kollegen mit ihren düsteren Prognosen Recht behalten werden, wird man erst in drei bis fünf Jahren seriös beantworten können. Doch wie kann es überhaupt sein, dass in der Premier League solch astronomischen Summen für die TV-Rechte gezahlt werden?

Möglich macht dies ein erbitterter Bieter-Wettstreit. In Deutschland ist Sky gewissermaßen Monopolist auf dem Pay-TV-Markt. Entsprechend muss der Sender, der Ende 2014 stolze 4,1 Millionen Abonnenten besaß, im Wettbieten in einer halbwegs komfortablen Situation. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) weiß um den Wert ihres Produkts, aber überreizt ihn nicht. Das macht sich auch für den Kunden bemerkbar: Das Bundesliga-Paket bei Sky kostet in den ersten zwei Jahren nur 24,95 Euro im Monat. Um Sky noch günstiger zu abonnieren, schaut mal hier vorbei.

Auf der Insel besitzt der Sender dagegen nur die Rechte für 504 von insgesamt 1080 Spielen in den drei verhandelten Spielzeiten. Der Rest ging an die British Telecom. So kommt der hohe Preis zustande. Zur Verdeutlichung: Die Konzerne lassen sich jedes Spiel 13,5 Millionen Euro kosten. Sky Deutschland zahlt dagegen im Schnitt „nur“ 1,1 Millionen Euro pro Partie.

Welche Lösungen bleiben für die Bundesliga?

DFL und Vereine sind alarmiert. Möglichkeiten zur Generierung höherer Einkünfte werden derzeit diskutiert. Realistisch ist die Umsetzung der folgenden Szenarien:

  • Veränderung der Anstoßzeiten: Fünf Spiele am Samstag um 15:30 Uhr sind toll für den Fan, aber mit der Verlegung von einer oder zwei Partien könnte man sowohl ausländische Märkte besser bedienen als auch mehr Exklusivität für die Rechteinhaber erzielen. Eichin hat konkrete Vorschläge: „Ein Spiel in der Mittagszeit pro Spieltag wäre für die Fans in Asien wichtig, auch der Montagabend ist seit dem Zweitliga-Spitzenspiel kein Tabu mehr“. Zur Beruhigung aller Fans: Ein Extremmodell wie in Spanien, wo teilweise sämtliche zehn Spiele zu zehn unterschiedlichen Uhrzeiten stattfinden, lässt dagegen allein schon das deutsche Kartellrecht nicht zu.
  • Bilder im Free-TV erst mit deutlicher Verzögerung: Die Samstagnachmittagsspiele der Bundesliga gehen gegen 17:20 Uhr zu Ende. Wenig mehr als eine Stunde später flimmern bereits die ersten Bilder in der ARD Sportschau im Free-TV über die Bildschirme. Eine spätere Ausstrahlung im frei empfangbaren Fernsehen, etwa ab 20 oder gar erst ab 22 Uhr, würde die Exklusivität für das Pay-TV erhöhen und einen höheren Preis rechtfertigen.
  • Verkauf der Bundesliga-Namensrechte: Die Premier League macht ihren guten Namen bereits seit über 20 Jahren zu Geld, derzeit ist das Finanzunternehmen Barclays der Namenspate – für einen jährlichen Obolus von 55 Millionen Euro. Auf diesen Vermarktungsweg hat die Bundesliga bislang bewusst verzichtet. Eine Summe im Bereich von 50 Millionen Euro für die 36 Klubs der ersten beiden Ligen scheint aber vorstellbar, wenn deutsche Global Player aus der Automobil-, Finanz- oder Telekommunikationsbranche ernsthaftes Interesse hätten.
  • Eine Möglichkeit der „faireren“ Verteilung der Gelder liefert Eichin: „Auslastung des Stadion, Zahl der mitgebrachten Fans in Auswärtsstadien, Zuschauerzahlen im TV, Mitgliederzahlen oder Sympathiewerte“ sollten neben dem sportlichem Erfolg stärker berücksichtigt werden, so der Werder-Manager. Die Idee dahinter: Traditionsvereine mit einer großen Strahlkraft sollen im Kampf gegen konzernunterstützte Vereine mit kleiner Fan-Basis und geringer Attraktivität für den neutralen Zuschauer (z.B. VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, 1899 Hoffenheim, RB Leipzig, FC Ingolstadt) gestärkt werden, um zumindest ligaintern „gerechtere“ Bedingungen zu schaffen.

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