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Mai
09

Kuriose Vater-Sohn-Geschichten im Fußball

Dass Fußballspieler Kinder zeugen, ist keine Sensation. Dass der eine oder andere Junge darunter ist, nichts anderes als eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Nicht von ungefähr hat es daher in der Geschichte des Fußballs unzählige interessante Vater-Sohn-Geschichten gegeben. Und es werden immer mehr.

Wenn der Vater den Sohn in den Schatten stellt

Pelé und Edinho

Pelé (Jahrgang 1940), dessen Kinderzahl nur geschätzt werden kann, kann „nur“ einen Sohn namens Edinho (Jahrgang 1972) vorweisen, der es zum Profifußballer gebracht hat. Es mutet fast wie ein Treppenwitz an, dass der Filius eines der größten Torjäger der Fußballgeschichte ein Torhüter war. Um genau zu sein, kam Edinho in seiner von 1990 bis 1999 andauernden Karriere kaum über die Rolle Ersatztorhüters beim FC Santos hinaus.

Franz und Stephan Beckenbauer

Franz Beckenbauer (Jahrgang 1945), mindestens fünfmal in seinem Leben als Lichtgestalt von Vaterfreuden gesegnet, hat sein gewaltiges fußballerisches Talent ebenfalls nicht weitervererbt. Sein talentiertester Sohn Stephan (Jahrgang 1968) kam lediglich auf zwölf Bundesligaeinsätze für den 1. FC Saarbrücken in der Saison 1992/93. Heute arbeitet er als Scout für den FC Bayern.

Johan und Jordi Cruyff

Johan Cruyffs (Jahrgang 1947) Sohn Jordi (Jahrgang 1974) hat im Vergleich dazu eine durchaus beachtliche Karriere hingelegt. Der 1974 geborene Mittelfeldspieler spielte u.a. für den FC Barcelona und Manchester United und absolvierte neun Länderspiele für die Niederlande. Heute trainiert er den zypriotischen Verein AEK Larnaka.

Michel und Laurent Platini

Michel Platini (Jahrgang 1955) war Anfang der Achtziger der vermutlich beste Fußballer der Welt und ist mit über 250 Pflichtspieltoren einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler aller Zeiten. Allein bei der EM 1984 gelangen ihm bis heute unerreichte neun Tore in fünf Spielen. Heute ist Platini UEFA-Präsident und hat mit dem aktiven Fußball nicht mehr allzu viel zu tun. In dieser Hinsicht ist ihm sein Sohn Laurent nicht unähnlich. Der ist nämlich Europa-Chef der Gruppe „Qatar Sport Investments“, die bei der Vergabe der WM 2022 nach Katar ebenso eine zwielichtige Rolle gespielt haben soll wie bei ihren Sponsoring-Engagements bei Paris St. Germain oder dem FC Barcelona.

Diego Maradona und Diego jr. und Diego jr. jr.

Bei Diego Maradona (Jahrgang 1960) läuft die Kinderproduktion bereits seit knapp 30 Jahren auf Hochtouren. „El pibe“ hat mittlerweile mindestens vier Kinder, davon zwei Töchter aus seiner Ehe mit Claudia. Die 1989 geborene Giannina war bis Anfang 2013 mit Manchester City-Star Sergio Agüero verheiratet und schenkte diesem im Jahr 2009 den kleinen Benjamin. Der Maradona-Enkel erhielt bereits vor (!) seiner Geburt einen Vertrag bei Atletico Madrid. Daneben hat Maradona zwei Söhne aus unehelichen Beziehungen vorzuweisen, einer Jahrgang 1986 und einer Jahrgang 2013. Beide heißen: Diego. Zum Glück war Maradona auf dem Rasen kreativer… Während der Jüngere mit Fußball vorerst wenig am Hut hat, verdingt sich der Ältere in den unterklassigen Ligen Italiens.

Zinédine und Enzo Zidane

Der dreimalige Weltfußballer Zinédine Zidane (Jahrgang 1972) hat die drei ältesten seiner vier Söhne in der Jugend seines letzten Klubs Real Madrid untergebracht. Der 18-jährige Enzo durfte sogar schon unter José Mourinho mit der Ersten Mannschaft trainieren. Ob er auch nur annähernd an die Weltkarriere seines Vaters anknüpfen kann, lässt sich noch nicht absehen. Zumindest reißen sich bereits der französische und der spanische Verband um Enzo.

Lionel Messi vs. Cristiano Ronaldo

Die aktuell – zumindest in individueller Hinsicht – weltbesten Fußballer Lionel Messi (Jahrgang 1987) und Cristiano Ronaldo (Jahrgang 1985) sind noch weit davon entfernt, sich Gedanken über die Karrieren ihrer Söhne machen zu müssen. Bemerkenswert ist allerdings, dass der Altersunterschied zwischen Ronaldo und Messi 869 Tage beträgt – der zwischen ihren Söhnen Cristiano Jr. (Vorbild Diego Maradona?) und Thiago ebenfalls. Da kann man Messi eigentlich nur zu einem weiteren Volltreffer gratulieren.

Guter Vater, besserer Sohn

Es gibt allerdings auch den umgekehrten Fall, dass ein ordentlich kickender Vater von seinem überragenden Sohn in den Schatten gestellt wird. Hier ein paar Beispiele:

Cesare und Paolo Maldini

Cesare Maldini (Jahrgang 1932) war eine Legende beim AC Milan: Der Verteidiger bestritt fast 350 Spiele für die „Rossoneri“, gewann den Scudetto, den Europapokal der Landesmeister und wurde Nationalspieler.

Sein Sohn Paolo (Jahrgang 1968) sollte jedoch „Mr. Milan“ werden: In 25 Profijahren und über 800 Pflichtspielen lief der Linksverteidiger nur für den AC Milan und die italienische Nationalmannschaft auf. Er gewann 24 Titel, darunter fünfmal den Europapokal der Landesmeister bzw. die Champions League. Als Paolo 2009 abtrat, versprach ihm der Klub, seine Rückennummer 3 nicht mehr zu vergeben – es sei denn, einer seiner Söhne schafft es eines Tages in die Profimannschaft der Mailänder.

Carles und Sergio Busquets

Carles Busquets (Jahrgang 1967) war zu Beginn seiner Karriere zweiter Torhüter des FC Barcelona. Als die Katalanen 1994 ihrer langjährigen Nummer eins Andoni Zubizarreta den Laufpass gaben, durfte sich der stets mit langer Jogginghose spielende Busquets (gewissermaßen der Gabor Kiraly Spaniens) als Nummer eins versuchen, ehe der Klub 1996 zunächst die Verpflichtung Andreas Köpkes bekanntgab, um schließlich doch den Portugiesen Vitor Baia zu holen. Busquets rückte wieder ins zweite Glied und wechselte 1998 zum Zweitligisten UE Lleida, für den er noch fünf Jahre im Tor stand.

Sein 1988 geborener Sohn Sergio ist gewiss kein verkehrter defensiver Mittelfeldspieler. Mit seinen 24 Jahren darf sich der Star des FC Barcelona bereits Welt- und Europameister sowie zweimaliger Champions-League-Sieger nennen – als Stammspieler wohlgemerkt. Bayern-Trainer Jupp Heynckes bezeichnete ihn jüngst als besten Mittelfeldspieler der Welt neben Bastian Schweinsteiger.

Pablo und Diego Forlan

Pablo Forlan (Jahrgang 1945) war ein typisches uruguayisches Raubein. Der Verteidiger bestritt zwischen 1966 und 1976 17 Länderspiele für sein Land, gewann mit Penarol Montevideo 1966 die Copa Libertadores und den Weltpokal. Bei der WM 1966 scheiterte er mit den „Urus“ im Viertelfinale mit 0:4 an Deutschland.

Sohn Diego (Jahrgang 1979) kickte u.a. für Manchester United, FC Villarreal, Atletico Madrid und Inter Mailand. Lange Zeit als Chancentod verschrien, sicherte sich der blonde Stürmer 2005 und 2009 die Torjägerkanone der spanischen Primera Division. 2010 führte Forlan Atletico zum UEFA-Cup-Sieg und sein Land zum vierten Platz bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Zur Belohnung wurde der fünffache Torschütze mit dem Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Danach verließ ihn jedoch die Treffsicherheit wieder: Mit dem Wechsel zu Inter im Jahr 2011 knickte Forlans Karriere ein, mittlerweile lässt er selbige in Brasilien bei Internacional Porto Alegre ausklingen.

Frank Lampard sr. & jr.

Frank Lampard senior (Jahrgang 1948) ist eine echte West Ham-Legende. Für den Londoner Klub absolvierte der Linksverteidiger zwischen 1967 und 1985 551 Spiele, gewann zweimal den FA-Cup.

Sohn Frank jr. (Jahrgang 1978) begann seine Karriere ebenfalls bei den „Hammers“, er avancierte aber nach seinem Wechsel im Jahr 2001 zum Lokalrivalen FC Chelsea zu der „Blues“-Legende schlechthin. Stand 9. Mai 2013, erzielte der Mittelfeldspieler in 577 Pflichtspielen für Chelsea 198 Tore. Der 95-fache Nationalspieler gewann mit dem Klub 2012 die Champions League, außerdem elf nationale Titel.

Periko und Xabi Alonso

Periko Alonso (Jahrgang 1953) war als Mittelfeldspieler einer der Leistungsträger in der großen Zeit von Real Sociedad in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern, als die Basken zwei Meisterschaften feiern konnten.

Sohn Xabi (Jahrgang 1981) wurde ebenfalls in San Sebastian groß, legte aber erst anschließend beim FC Liverpool und bei Real Madrid eine Weltkarriere. Höhepunkt auf Vereinsebene: Der dramatische Champions-League-Sieg mit den Reds im Jahr 2005, als man gegen den AC Milan zur Halbzeit bereits mit 0:3 zurücklag, nach dem Seitenwechsel noch ausglich und die Partie im Elfmeterschießen gewann. Nicht zu unterschlagen: In der spanischen Nationalmannschaft war Xabi Alonso ein Schlüsselspieler der „Furia Roja“ beim Gewinn der Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie der Weltmeisterschaft 2010.

Jean und Youri Djorkaeff

Jean Djorkaeff (Jahrgang 1939) bestritt zwischen 1964 und 1972 als Verteidiger insgesamt 48 Länderspiele für Frankreich. Sein Sohn Youri (Jahrgang 1968), der als offensiver Mittelfeldspieler oder Halbstürmer agierte, war noch etwas erfolgreicher: 1998 Weltmeister, 2000 Europameister. Dazu 1996 Europapokalsieger der Pokalsieger mit Paris Saint Germain, 1998 UEFA-Cup-Sieger mit Inter Mailand. Zwischen 1999 und 2002 gab „die Schlange“ ein Bundesligagastspiel beim 1. FC Kaiserslautern.

Sohn für Vater

Am 24. April 1996 schrieb Eidur Gudjohnsen (u.a. FC Chelsea, FC Barcelona) Geschichte, als er im Alter von 17 Jahren für seinen Vater Arnor Gudjohnsen bei einem offiziellen Länderspiel Islands gegen Estland eingewechselt wurde. Kurios: Eidur, der als größter isländischer Fußballer aller Zeiten gilt, hinkt seinem Vater immer noch um zwei Länderspiele hinterher (68:70).

Vater und Sohn

Am 28. August 2012 verpflichtete der spanische Zweitligist FC Villarreal auf einen Schlag den uruguayischen Stürmer Walter Pandiani (36) und dessen Sohn Nico (18). Es war allerdings eine Geschichte ohne Happy End. Während Papa Walter (54 Tore in der Primera Division) seine Karriere mittlerweile beim unterklassigen CD Atlético Baleares ausklingen lässt, müht sich Sohn Nico in der Zweiten Mannschaft der „Submarinos amarillos“ ab.

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