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Feb
08

Lahm sagt Servus – Der etwas andere Fußballer

Die Rücktrittsankündigung von Bayern Münchens Kapitän Philipp Lahm war keine Überraschung, die Art und Weise dagegen schon. Der WM-Spielführer von 2014 wird nicht Sportdirektor beim deutschen Rekordmeister. Eine Entscheidung, die zu seiner Karriere passt – und mit deren Verkündung er Uli Hoeneß vor den Kopf gestoßen hat.

Dass Philipp Lahm kein Fußballer wie jeder andere ist, wusste Hermann Gerland schon, als sonst kaum ein anderer das enorme Potenzial des späteren Bayern- und DFB-Kapitäns erkannte. „Philipp Lahm war mit 17 Jahren schon perfekt. Nur den wollte keiner haben. Den habe ich angeboten wie Sauerbier“, verriet der heutige Co-Trainer und langjährige Nachwuchscoach beim FC Bayern im Jahr 2013 der Bild-Zeitung.

Philipp Lahm: Einfach nur fußballerische Extraklasse

Damals war Lahm längst ein Spieler der Extraklasse. Obwohl nur 1,70 m groß, verkörperte der gebürtige Münchner in seiner Karriere auf den Positionen des Linksverteidigers, Rechtsverteidigers und defensiven Mittelfeldspielers pure Weltklasse. Trainer Pep Guardiola nannte ihn kurz nach seinem Antritt in München im Sommer 2013″den intelligentesten Spieler, den ich je trainiert habe“. Als der Katalane 2016 ging, adelte er Lahm schlicht als „Legende“.

Wie kam es zu dieser Entwicklung? Bei der aus deutscher Sicht miserablen EM 2004 war der damals 20-jährige Lahm eine der großen Entdeckungen. Mit seiner Karriere ging es danach unvermindert steil bergauf: Lahm war Schlüsselspieler bei der Entwicklung des FC Bayern zur Titelmaschine, gekrönt durch das Triple in der Saison 2012/13. Im Jahr darauf dann der Höhepunkt: Als Kapitän gewann Lahm mit der Nationalmannschaft in Brasilien den WM-Titel – und trat nur Tage nach dem Triumph von Maracana im Alter von 30 Jahren zurück.

Typisch Lahm

Dabei stand außer Zweifel, dass Lahm – zumal auf den mit Topspielern rar besetzten defensiven Außenpositionen – international noch lange hätte mithalten können. Allein er erkannte für sich, dass es nur noch abwärts gehen konnte. Und er behielt Recht. Während seine fast gleichaltrigen „Sommermärchen 2006“-Kollegen Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger noch zwei Jahre dranhängten und sportlich immer mehr abgehängt wurden, hatte Lahm seinen Status durch den Rückzug gewahrt.

So soll es nun auch beim FC Bayern sein, wo Lahm eigentlich einen bis 2018 laufenden Vertrag besitzt. Durch seinen vorzeitigen Abschied im Sommer verzichtet er auf rund 10 Millionen Euro Gehalt. Warum er dennoch geht? Er sei sich nicht sicher, seine Topleistung „noch über die Saison hinaus zu bringen.“

Angesichts seiner Leistungen mit nunmehr 33 Jahren fällt dies immer noch schwer zu glauben. Doch Lahm wäre nicht Lahm, wenn er sich nicht lange genug mit der Frage beschäftigt hätte, ob er als Mitdreißiger noch die Außenlinie hoch und runter laufen möchte.

(Vorerst) kein Umstieg ins Management

Und Lahm wäre auch nicht Lahm, wenn er nicht noch einen Kracher im Gepäck gehabt hätte: Die Entscheidung, im Sommer nicht die Sporthose gegen den Anzug zu tauschen und ins Management des Rekordmeisters aufzusteigen – ein Angebot, dass weder einem Lothar Matthäus noch Oliver Kahn oder Stefan Effenberg trotz vergleichbarer Verdienste als Bayern-Spieler je gemacht wurde.

Lahm aber schlug den Gang über den roten Teppich direkt in die Chefetage aus: „Ich habe beschlossen, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, nach der Saison einzusteigen. Mir war klar: Ich hätte nicht sofort angefangen.“

Dabei hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor Weihnachten mehr als nur angedeutet, dass Lahm die seit dem vergangenen Frühjahr vakante Stelle des Sportdirektors (respektive Sportvorstands) antreten wird. Auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte am Dienstag zumindest für den Moment „noch nichts zu verkünden“. Dass Lahm das Vorstandsamt ausgeschlagen hatte, ließ auch Hoeneß durchblicken, doch die Bekanntgabe sollte nach seinem Wunsch nicht nach dem Spiel erfolgen.

Lahm stößt Hoeneß vor den Kopf

Das Erstaunliche: Nur Minuten später hielt Lahm in der Mixed Zone der Allianz-Arena seinen Rücktritts-Monolog – und stieß dabei den „Mister FC Bayern“ heftig vor den Kopf. Dass er diesen Alleingang wagte, deutet darauf hin, dass Lahm überhaupt kein Interesse auf einen Posten beim FC Bayern hat. Vielleicht, weil ihm nicht genug Einfluss eingeräumt wurde?

Ob Lahms Zug so schlau war, darf man jedenfalls genauso infrage stellen wie seine „Eroberung“ der DFB-Kapitänsbinde bei der WM 2010 in Abwesenheit des verletzten Kapitäns Michael Ballack. In jedem Fall waren all diese Aktionen aber typisch Lahm.

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