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Jul
18

Lahm tritt zurück: Perfektes Timing

Der Rücktritt von Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm hat Fußball-Deutschland wie ein Keulenschlag getroffen. Doch das Timing ist in vielerlei Hinsicht perfekt.

Die wenigsten Fußballer schaffen ihn, den Absprung auf dem Höhepunkt. „Mehr, immer mehr.“ Oder: „Es läuft doch gerade so gut, warum nicht bis zum nächsten Titel weitermachen.“ Philipp Lahm hat sich von dieser Denkweise freigemacht und mit 30 Jahren sowie als Kapitän der frischgebackenen deutschen Weltmeistermannschaft das Kapitel Nationalmannschaft zugeschlagen.

Sicher, in zwei Jahren bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich und vermutlich auch noch 2018 bei der WM in Russland wären Lahm abermals Weltklasseleistungen zuzutrauen gewesen. Doch wozu? Persönlich geht es nicht höher. Und auch dem deutschen Fußball ist er nach 113 Länderspielen nichts schuldig. Chapeau dafür, dass er sich auf seinen Verein konzentriert, bevor er der hohen Belastung Tribut zollen muss. Spaniens Xavi etwa ist dieser Spagat nicht gelungen…

Zwei Jahre Zeit, die Lücke zu schließen

Das Timing könnte aber auch für den deutschen Fußball kaum besser sein. Lahm ist als Fußballer und als Führungsfigur eminent wichtig für die Nationalmannschaft und eigentlich – wie man so schön sagt – nicht zu ersetzen. Doch bis zum nächsten Großereignis, der EM 2016, sind es noch zwei Jahre. Und die Qualifikation für das auf 24 Starter aufgeblähte Turnier sollte für Weltmeister Deutschland auch ohne Lahm zu schaffen sein. Zeit genug also, die Lücke durch andere Spieler zu schließen – und Zeit für andere, die Führungsvakanz zu füllen, die Lahm hinterlässt.

Bastian Schweinsteiger (sofern er es Lahm nicht gleich tut), Manuel Neuer, Sami Khedira, Per Mertesacker oder Mats Hummels sollten einen Teil des Macht-Kuchens erhalten, den Lahm zurücklässt. Hinter ihnen können und müssen „Stars“ wie Mesut Özil, Toni Kroos oder Mario Götze mehr Verantwortung übernehmen. Wenn der deutsche Fußball an der Spitze der Welt bleiben soll, hätten sie dies ohnehin früher oder später tun müssen – nun geht das „Erwachsenwerden“ für sie eben etwas schneller.

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