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Jun
16

Legionärskrankheit reloaded – Vidal, Peszko & Co. füllen das Sommerloch

Kevin Großkreutz und Lukas Podolski einmal ausgenommen, hängen vermutlich die wenigsten Bundesligaprofis mit Herz, Haut und Haaren an ihrem aktuellen Arbeitgeber. So lässt sich auch erklären, warum alljährlich in der Sommerpause die „Legionärskrankheit“ ausbricht.

Der Ausspruch „Isch will weg“ ist – neben dem Tor des Jahres 1995 – das einzige, was von Jean-Pierre Papins zweijährigem Intermezzo beim FC Bayern München in Erinnerung geblieben ist. Der etwas in die Jahre gekommene französische Starstürmer schmollte meist auf der Bank und machte seinem Unmut gegenüber der Münchner Boulevardjournaille nur zu gerne Luft.

Legionärskrankheit: Jährliche Welle zwischen Mai und August

Der Prototyp des Legionärs war Papin aber nicht, Legionäre gab es vor und nach ihm. Doch irgendwie hat man den Eindruck, dass es immer mehr werden. Gerade in der Sommerpause (und im Sommerloch) grassiert in der Bundesliga mal wieder die Legionärskrankheit. Besonders anfällig sind Spieler, die entweder a) ein gutes Jahr hinter sich haben und sich nun „verändern“ wollen oder b) Spieler, die gerade Stunk mit ihrem Vorgesetzten haben. Durchschnittsprofis und Spieler mit „Scheiße am Fuß“ scheinen dagegen immun zu sein.

Vor zwei Jahren noch „versüßte“ uns Demba Ba die Sommerpause mit seinem Wechseltheater. Er wollte nach Stuttgart, obwohl Hoffenheim ihn nicht verkaufen wollte und er dort einen langfristigen Vertrag besaß. Als sich die Vereine dann geeinigt hatten, fiel der Transfer dennoch ins Wasser: Ba bestand die sportmedizinische Untersuchung beim VfB nicht. In der letzen Winterpause wiederholte er das Spiel. Hoffenheim ließ ihn letztlich nach West Ham gehen. Mit den „Hammers“ ist er soeben aus der Premier League abgestiegen. Ba forciert im Übrigen trotz gültigen Vertrages für die zweite englische Liga gerade seinen Wechsel…

Im letzten Sommer wollte Bundesliga-Torschützenkönig Edin Dzeko trotz Vertrags bis 2013 vehement den VfL Wolfsburg verlassen und sich einen neuen Arbeitgeber im Ausland suchen. Wer war erst einmal egal – Madrid, Barcelona, Mailand oder Manchester, Hauptsache weg. Die „Wölfe“ stellten sich quer, Dzeko wurde stattdessen zum Kapitän befördert und wurde zum Bleiben gezwungen. Sein Pech war, dass der VfL seinen Star aus finanziellen Gründen nicht verkaufen musste. Wer einen potenten Geldgeber wie Volkswagen in der Hinterhand hat, kann es eben auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Erst im Winter ließ man ihn dann gehen, knappe 38 Millionen Euro gab es im Gegenzug von Manchester City.

Sommerloch 2011: Die drei nervigsten Möchtegern-Transfers

Nach der schier unendlichen Geschichte um den Neuer-Transfer von Schalke nach München, haben sich in den letzten Wochen drei Personalien herauskristallisiert, die besonders nerven.

Diego

Der in Bremen (2006-2009) meist genial aufspielende Brasilianer hat sich sowohl bei seinem Italien-Intermezzo bei Juventus Turin als auch in der vergangenen Saison beim VfL Wolfsburg fast ausschließlich von seiner divenhaften Seite gezeigt. Nachdem er sich nun mit Trainer Felix Magath verkracht und die Mannschaft vor dem existenzentscheidenden letzten Saisonspiel im Stich gelassen hat, gibt es täglich neue Spekulationen um seine Zukunft. Fest steht nur eines: Sie wird nicht in Wolfsburg liegen.

Für 10 Millionen Euro darf Diego wechseln, bei 18 Millionen Euro Ablöse (plus „Signing Fee“?) und 8 Millionen Jahresgehalt wird er auf jeden Fall als Riesenflop in die Bundesliga-Geschichte eingehen. Doch wer holt Diego jetzt noch? In der brasilianischen Nationalmannschaft ist er längst außen vor, in den letzten beiden Jahren hat er zudem nicht gerade Eigenwerbung gemacht. Am Ende bleiben wohl die üblichen Verdächtigen: Russland (Anschi Machachtschkala?, Rubin Kasan?), Türkei (Gala und Fener sind dran), Dubai oder Brasilien (Heimatverein Santos lockt). Doch Obacht: Auch der FC Liverpool und der AC Milan buhlen um Diego. Respekt (bzw. Beileid), dass die noch einen solchen Spieler holen wollen…

Slawomir Peszko

Der bis dato unbekannte „Vier-Nieren-Pole“ war erst im Januar von Lech Posen zum abstiegsbedrohten 1.FC Köln gewechselt. Peszko unterschrieb einen Vertrag bis zum Saisonende, der dem FC eine Option auf Verlängerung um zwei Jahre einräumte. Nachdem Peszko einschlug – er bereitete in 11 Spielen 5 Tore direkt vor – zogen die „Geißböcke“ die Option. Alles klar also. Sollte man zumindest meinen.

Denn in Peszkos Vertrag verbarg sich noch eine Klausel, die ihm ermöglichte, bis zum 15. Juni 2011 für festgeschriebene 800.000 Euro zu wechseln. Ein Schnäppchen für einen Flügelspieler, der seine Bundesligatauglichkeit nachgewiesen hat. Logisch, dass der FC ihm diese Klausel im Gegenzug für eine Gehaltsaufbesserung abkaufen wollte. Nach Angaben des EXPRESS war der Klub bereit, Peszkos Gehalt auf rund 800.000 Euro pro Jahr anzuheben Zum Vergleich: Bei Lech Posen soll er 100.000 Euro p.a. verdient haben, im aktuellen Vertrag sollen es um die 500.000 Euro sein.

Doch Peszkos Berater Andreas Grajewski lehnte ab und brachte stattdessen immer neue Interessenten ins Spiel. Kein Wunder, verdient er als Berater doch am meisten, wenn sein Klient gegen eine Ablöse den Arbeitgeber wechselt. Zwischenzeitlich stand angeblich die halbe Liga Schlange, vor allem der Hamburger SV und Zweitligist Eintracht Frankfurt sollen überaus interessiert gewesen sein.

Doch weil Peszko und Grajewski immer weiter pokerten und sich für keine Offerte entscheiden wollten, kam es, wie es kommen musste: Die Transferfrist ist gestern um 24 Uhr abgelaufen. Niemand wollte mehr zuschlagen. Schlecht beraten nennt man so etwas wohl. Peszko bleibt somit vermutlich zwei weitere Jahre in Köln. Ob man sich dort darüber freut, einen Spieler im Kader zu haben, der vermutlich in jeder Wechselperiode eine Luftveränderung anstrebt?

Arturo Vidal

Der Chilene war in der vergangenen Saison der beste Spieler bei Vizemeister Bayer Leverkusen. Nun will er trotz Vertrags bis 2012 unbedingt seinem Trainer Jupp Heynckes nach München folgen. Vidals Argumentation: Verlängern werde ich nicht. Wenn ihr Geld wollt, lasst mich gehen. Auch die Motive für diesen Transfer sind eigentlich nachvollziehbar: Vidal würde sportlich und finanziell einen Schritt nach vorne machen. Bayern bekäme einen Spieler, der bis auf Torhüter und Mittelstürmer fast jede Position spielen kann (und das auch noch gut).

Doch auch dieser Wechsel zieht sich nun schon seit Monaten hin. Erste Gerüchte gab es bereits im März. Damals konnte man sie noch als Münchner Störfeuer abtun, immerhin balgten sich die Bayern mit Leverkusen um den zweiten Champions League-Platz. Doch das Interesse der Bayern ist bis heute nicht abgeflaut. Obwohl Vidals beste Position, die „Sechs“, mit Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos eigentlich mit zwei Nationalspielern besetzt ist, buhlen die Bayern weiter um Vidals Dienste. Wöchentlich erhöhen sie ihr Angebot an Leverkusen um eine Million, und wenn das weiter so geht, wird man sich bestimmt bis zum 31. August noch einig werden… Vorschlag zur Güte: Wie wäre es damit, Vidal mit Toni Kroos zu verrechnen? Der würde nämlich vermutlich am meisten in die Röhre gucken, wenn Vidal kommt. Und in Leverkusen würde ja was frei.

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