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Nov
23

Leicester City: Fußball-Märchen im Milliardenbetrieb

Dank der Tore von Ex-Knacki Jamie Vardy hat Leicester City die Tabellenführung in der Premier League übernommen. Es ist ein kleines Fußball-Märchen im Milliardenbetrieb.

Durchdringender Blick, rotblonder Hahnenkamm und der hagere Körperbau eines Langstreckenläufers. Oder wahlweise eines Mannes, der sich in erster Linie flüssig ernährt. Jamie Vardy (28) sieht nicht unbedingt aus, als wäre er derzeit der beste Torschütze der englischen Premier League. Und doch ist der 13-Tore-Mann der Anführer der „Party-Crasher“ von Leicester City.

Am 13. Spieltag haben die „Foxes“ sensationell die Tabellenspitze in der reichsten Liga der Welt übernommen. Im Vorjahr haarscharf dem Abstieg entronnen, lässt der kleine Klub aus dem Herzen Englands die Big Spender aus Manchester, London und Liverpool nach einem Drittel der Saison ganz schön alt aussehen. Logische Gründe für das moderne Fußball-Märchen gibt es kaum. Dafür aber ein paar tolle Anekdoten rund um das Team.

Jamie Vardy: Vom Knacki zum Tor-Phänomen

So kickte Vardy, der mittlerweile mit dem FC Arsenal und Tottenham Hotspur in Verbindung gebracht wird, vor vier Jahren noch in der fünften (!) Liga für Fleetwood Town. Damals, 24-jährig, war seine Karriere eigentlich bereits ein Fall für die Tonne. Dabei war dies keineswegs der Tiefpunkt in seinem Leben.

Noch einmal vier Jahre zuvor musste Vardy nach einer Schlägerei nämlich sechs Monate lang eine Fußfessel tragen. „Es war wie ein Knöchelschutz, das Ding war unzerstörbar“, scherzt die Nummer neun heute. Weil er zu bestimmten Uhrzeiten zuhause sein musste, wurde Vardy bei Auswärtsspielen seines damaligen Klubs Stocksbridge Park Steels meist verfrüht ausgewechselt. „Ich hätte sonst die Bewährungsauflagen nicht einhalten können.“

Seit Samstag hält der englische Neu-Nationalspieler nun gemeinsam mit Manchester-United-Legende Ruud van Nistelrooy einen unglaublichen Premier-League-Rekord. Im zehnten Ligaspiel in Folge traf der Angreifer beim 3:0-Erfolg in Newcastle. Ein weiterer Treffer ausgerechnet gegen United am kommenden Samstag, und Vardy würde sich den Spitzenplatz in den Chroniken ganz allein sichern. „Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden“, wünschte ihm ausgerechnet „Van the Man“ via Twitter Glück.

Erfolge sind keine „rocket science“

Gibt es Erklärungen für den Erfolg des Underdogs? Mit einem der kleinsten Etats der Premier League die Großen aufzumischen, soll tatsächlich keine „rocket science“ sein, wie der Leicester-Mittelfeldspieler mit dem schönen Namen Danny Drinkwater jüngst erklärte.

Nach der Rettung unter Nigel Pearson führt seit Saisonbeginn der Italiener Claudio Ranieri (64) die Regie in Leicester. Der frühere Coach von Juventus Turin, Inter Mailand oder dem FC Chelsea ist der größte Star im Klub, seit in grauer Vorzeit englische Fußball-Helden wie Gordon Banks, Peter Shilton und Gary Lineker ihre Karrieren in Leicester begannen. Letzterer twitterte am Sonntag ungläubig: „Ich hatte einen lächerlichen Traum. Ich habe geträumt, City sei Tabellenführer.“

Alte Bekannte aus Deutschland

Große Namen sucht man im aktuellen Kader schließlich vergebens. Für vergleichsweise schmale 38 Millionen Euro ging Leicester vor der Saison shoppen, Liga-Krösus Manchester City brachte knapp das Siebenfache unter das Volk. Bekannt sind zumindest deutschen Fußballfans der frühere Nationalspieler Robert Huth, seit Anfang des Jahres Abwehrchef bei den Foxes, und die im Sommer aus der Bundesliga verpflichteten Shinji Okazaki von Mainz 05 und Christian Fuchs (Schalke 04). Fehlenden Stars zum Trotz, stehen nach 13 Spielen der Ligabestwerte von 28 Punkten, 28 erzielten Toren, acht Siegen und nur einer Niederlage.

Das Märchen von Leicester mag eines ohne Happy End werden. Angesichts der krassen wirtschaftlichen Nachteile wäre selbst das Erreichen eines Europa-League-Platzes am Ende der Saison nicht weniger als eine Sensation. Doch dank des furiosen Herbstes 2015 macht sich derzeit niemand mehr über das Loser-Image des Klubs lustig. Die Foxes sind nämlich der einzige Verein, der viermal im FA-Cup-Finale stand und kein einziges Mal den Pokal mit nach Hause nahm.

Noch kein Kommentar

2 Pings

  1. #Link11: Schweinchen Schlau | Fokus Fussball sagt:

    […] ein Außenseiter: Leicester City. Mit Zugängen für »vergleichsweise schmale 38 Millionen Euro« (Aktives Abseits) liegen sie momentan vor allen anderen. Torjäger Jamie Vardy traf in 10 Spielen am Stück und […]

  2. #Link11: Beckendaum, Blattini & Pep Jobs | Fokus Fussball sagt:

    […] geklickter Link gestern Aktives Abseits mit einem Text über Leicester City, den kleinen Tabellenführer der großen Premier […]

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