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Jan
12

Lionel Messi: Ein unwürdiger Weltfußballer?

Lionel Messi zählt zweifelsohne zu den herausragenden Fußballspielern der letzten Jahre. Nicht zu Unrecht wird er heute schon mit den Allergrößten verglichen. In Spanien, dem Land in dem Messi seine Brötchen verdient, wird allerdings gerade eine heftige Diskussion geführt, eben WEIL man seiner Ballkunst gehuldigt hat.

Da saßen sie nun am Montag Abend in Zürich bei der FIFA-Gala, die vermeintlich besten drei Fußballer des vergangenen Jahres. Was Andres Iniesta, Xavi und Lionel Messi verbindet, ist mehr als die Fähigkeit, ganz passabel mit dem Ball umgehen zu können: Diese drei Männer tragen die meiste Zeit des Jahres das rot-blaue des FC Barcelona und haben mit ihrem Verein in den vergangenen vier, fünf Jahren dem europäischen Fußball ihren Stempel aufgedrückt.

Allerdings tragen nur zwei von ihnen, nämlich Iniesta und Xavi, das Trikot des frisch gebackenen Weltmeisters Spanien. Und da gibt es so ein ungeschriebenes Gesetz, wonach in WM-Jahren der Weltfußballer immer aus den Reihen des Weltmeisters kommen MUSS.

Spanier sprechen von einem Skandal

Diese Ansicht teilten wohl auch die meisten spanischen Funktionäre, Medienvertreter und Fans. Umso größer war die Überraschung, als ausgerechnet der bei der WM für seine Verhältnisse relativ schwach spielende Argentinier Lionel Messi als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Spanische Zeitungen sprachen gestern geschlossen von einer fragwürdigen Entscheidung, andere nahmen sogar das Wort Skandal in den Mund.

Auch ich habe damit gerechnet, dass entweder Xavi oder Iniesta mit dem Pokal nach Hause spaziert, eben weil es dieses ungeschriebene Gesetz gibt. Doch wenn man ehrlich ist, hat es mit dem 1,69m kleinen Zauberzwerg Messi sicher nicht den Falschen getroffen. Das sollten gerade die Spanier wissen. Allein in der laufenden Saison stehen für ihn in 15 Spielen der Primera Division 18 Tore und 14 Vorlagen zu Buche. Und die erzielt er nicht in Luca-Toni-Manier (scusi, Luca), sondern durch herausragende Einzelaktionen oder im Zusammenspiel mit seinen Mannschaftskollegen.

Man definiere den weltbesten Spieler

Generell ist es in einer Mannschaftssportart schwierig (und eigentlich auch unfair), den besten Einzelspieler zu kühren. Nach welchen Kriterien soll das von statten gehen? Alle Nationalspieler der Welt im K.O.-Modus im 1:1 gegeneinander antreten lassen? Wenn man schon eine solche Ehrung vornimmt, dann soll es auch wirklich eine Wahl sein. Und die haben die Nationaltrainer und die Kapitäne der Nationalmannschaften getroffen. Dass es Stürmer seit jeher leichter haben, ist bekannt. Doch letzten Endes sind es – bei aller Wertschätzung für Strategen wie Xavi oder Defensivkünstler wie den 2006er Preisträger Fabio Cannavaro – vor allem solche Extrakönner wie Lionel Messi, die die Leute in die Stadien locken.

Und liebe Spanier: Nachdem Ihr in den letzten Jahren sportlich so ziemlich alles abgeräumt habt, solltet Ihr auch mal gönnen können. Wer die EM und die WM der Fußballer gewinnt, dazu im Tennis, im Motor- oder im Radsport (mit mehr oder weniger sauberen Methoden) einen großen Erfolg nach dem anderen feiert, jammert schon auf hohem Niveau.

Abgesehen davon: Die FIFA gibt ja auch eine Elf des Jahres bekannt, und in der stehen nicht weniger als sechs spanische Weltmeister. Deutsche Spieler sucht man dort übrigens vergebens.

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