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Jun
22

Luft nach oben

Das 2:2 gegen Ghana hat offenbart, dass Deutschland nicht der erste Titelanwärter bei der Weltmeisterschaft ist. Aber es gibt Lösungen.

Beim umjubelten 4:0 gegen Portugal wurden sie nicht vermisst, beim 2:2 gegen Ghana retteten sie den Punkt: Bastian Schweinsteiger (29) und Miroslav Klose (36) haben gegen die wohl stärkste Mannschaft Afrikas das Spiel in der Schlussphase an sich gerissen und in der Offensive für die nötige Durchschlagskraft gesorgt.

Mit Klose, der sich nach seinem Ausgleichstor zum Endstand mit dem Brasilianer Ronaldo den WM-Rekord von 15 Toren teilt, war endlich der Punch vor dem Tor vorhanden, den man bis dato lediglich Thomas Müller und mit Abstrichen Mario Götze zusprechen konnte. Auch Lukas Podolski oder André Schürrle könnten in den weiteren Spielen für eine ähnliche Zielstrebigkeit sorgen, die der deutschen Startelf am Samstag abging. Und Schweinsteiger war deutlich griffiger als der an diesem Tag schwache Sami Khedira. Der Vize-Kapitän hat sich nach seiner Verletzungspause kurz vor Turnierstart empfohlen.

Luft nach oben gab es aber auch weiter hinten: Die Defensive spielte teilweise vogelwild, leistete sich gar Anfängerfehler wie bei der 2:3-Unterzahl in der Schlussphase nach eigenem Eckball. Die Lösung mit vier Innenverteidigern – gegen Portugal noch gefeiert – wirkte defensiv oft steif und brachte offensiv gerade über außen zu wenige Impulse. Diese könnten nur „spezialisierte“ Kräfte wie Erik Durm oder Kevin Großkreutz bringen.

Das größte Mysterium im bisherigen Turnier ist aber Philipp Lahm: Bis dato heißer Anwärter auf den Titel „Fußballer des Jahres“, wirkte der Kapitän als alleiniger Sechser im Spielaufbau oft überfordert und im Zweikampf zu schwach. Bislang ging es noch gut, doch in einem Tod-oder-Gladiolen-Spiel dürfen in dieser Rolle einfach keine Fehler passieren. Sonst hat der Gegner freie Bahn zum Tor.

Dennoch: Ein Sieg gegen die USA am Donnerstag, und der Gruppensieg wäre sichergestellt. Der Kader hat genug Möglichkeiten, im Turnier weit zu kommen. Bundestrainer Joachim Löw wäre gut beraten, nach der Ghana-Erfahrung nicht an einer Formation festzuhalten, sondern für das jeweilige Spiel die Stärken seiner Spieler auszuschöpfen.

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