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Jan
13

Luiz Gustavo für Deutschland, Marco Heibel für Aruba? – Einbürgerungen im Fußball Teil 1

Bayern-Neuzugang Luiz Gustavo hat verlauten lassen, dass er gerne für Deutschland spielen würde. Ein Schelm, wer dem Brasilianer in dieser Angelegenheit auch nur einen Hauch von Pragmatismus unterstellt…

Das deutsche Nationaltrikot zu tragen ist in diesen Tagen so erstrebenswert wie selten zuvor. Die Mannschaft zählt zu einer der besten der Welt und kann bei den nächsten zwei, drei Turnieren durchaus etwas reißen. Das wird auch dem Neu-Bayern Luiz Gustavo nicht verborgen geblieben sein. Gustavo ist eigentlich Brasilianer, doch wie bei so vielen talentierten Landsleuten sind seine Chancen, einmal in die Selecao berufen zu werden eher gering. Da liegt ein Nationalitätenwechsel als Plan B doch nahe, oder?

Brasilianer gibt es in jeder Nationalmannschaft

Im Grunde ist auch nichts Verwerfliches dabei. Immerhin hat fast jedes Land auf der Welt seinen „naturalisierten“ Brasilianer. Für Kroatien läuft Eduardo auf, für Japan Alex dos Santos, für die Türkei Mehmet Aurelio. Unter diesen Gesichtspunkten könnte auch Deutschland so einen Mann vertragen. Sogar der Gesetzgeber spielt mit: Obwohl weder in Deutschland geboren noch mit einem deutschen Urgroßvater oder Schäferhund gesegnet, könnte Gustavo binnen weniger Monate eingebürgert werden, sofern der DFB dem Gesetzgeber klarmachen kann, dass dies aus „öffentlichem Interesse“ geschieht.

DFB denkt zumindest über Gustavo nach

Es ist auch nicht so, dass man das Thema Luiz Gustavo beim DFB grundsätzlich ausschließen würde. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff etwa äußerte sich gegenüber dem Onlinesportportal spox.com wie folgt: „Wenn das Thema konkreter wird, werden wir uns mit Gustavo und dem FC Bayern unterhalten.“ Grundsätzlich sagt er: „Man muss abwägen, ob sich ein Spieler wirklich mit Deutschland identifiziert oder nur nach neuen sportlichen Möglichkeiten sucht. Dieses Spiel würden wir nicht mitmachen.“

DFB-Präsident Theo Zwanziger steht dem noch offener gegenüber: „Jeder, der sich zu unserem Land bekennt, kann sich einbürgern lassen und die Chance bekommen, für Deutschland zu spielen.“

“Helmut“ Cacau als Vorbild

Für meinen Geschmack macht “Frauen-Theo“ mit seinem Statement auf spox.com die Tür einen Spalt zu weit auf. Ohne nationalistisch wirken zu wollen, aber sich verbal zu einem Land zu bekennen ist einfach. Der Sinn von Nationalmannschaften besteht jedoch auch in unserer globalisierten Welt darin, dass man das Nationaltrikot nicht nach Lust und Laune wechselt, bis man einmal in einem offiziellen Pflichtspiel eingesetzt wurde. Außerdem: Wenn morgen der brasilianische Nationaltrainer bei Luiz Gustavo anrufen würde, wäre dessen Begeisterung für den DFB wahrscheinlich so schnell verflogen wie sie gekommen ist.

Es sollte schon ein absoluter Bezug zu dem Land da sein, für das man aufläuft. Und um Missverständnisse zu vermeiden: Ein Migrationshintergrund spielt dabei keine Rolle. Ob man nun deutsche Eltern hat und hier geboren ist (z.B. Philipp Lahm), einen deutschen Elternteil hat und hier geboren ist (z.B. Mario Gomez), als Kind von Einwanderern in Deutschland geboren wurde (z.B. Mesut Özil) oder als Kind von Ausländern in jungen Jahren nach Deutschland gekommen ist (z.B. Lukas Podolski), macht da keinen Unterschied.

Und selbst am Fall von “Helmut Nazionale“, dem gebürtigen Brasilianer Cacau, kann niemand Anstoß nehmen. Der kam als 18-jähriger aus Brasilien nach Deutschland, spielte sich von der fünften Liga in die Bundesliga und erhielt mit erst 28 Lenzen den deutschen Pass – und zwar ohne den Sonderpassus vom „öffentlichen Interesse“. Erst danach kam er zu seinem Nationalmannschaftsdebüt für Deutschland, obwohl seine Leistungen schon vorher Anlass zu einer Nominierung gegeben hätten.

Marco Heibel für Aruba?

Weniger ok – aber vergleichbar mit dem Fall Luiz Gustavo – wäre, wenn ich morgen beispielsweise beim Fußballverband von Aruba (199. der FIFA-Weltrangliste) vorstellig würde. Mit der Aussicht auf Aruba leben zu können und noch dazu ein paar Länderspiele zu machen, würde ich mich auch zu diesem Land bekennen. Wobei ich bezweifle, dass meine Qualitäten für die “Brasilianer der südlichen Karibik“ ausreichen… Aber Spaß beiseite: Der deutsche Fußball ist glücklicherweise in der komfortablen Situation, keine Spieler (mehr) einbürgern zu müssen. Mal abgesehen davon, haben uns Einbürgerungen auch kein Glück gebracht…

Mehr dazu im 2. Teil (am 14. Januar)

1 Kommentar

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  1. Derk sagt:

    Marco, bei Deinen läuferischen Qualitäten ist Aruba viel zu klein für Dich. Die Insel ist nur 30 Kilometer lang und 9 breit. Viel zu kleines Trainingsgebiet, da stehst du ruckzuck im Wasser. Noch dazu wird dort niederländisch gesprochen…

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