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Jul
13

Marco Bode und Kerstin Stegemann – Frisurenpäpste im Fußball

Beim Schreiben meiner Hommage auf Marco Bode ist mir bewusst geworden, wie sehr die Haartracht einen Menschen verändern kann. Bode höchstselbst hat gezeigt, dass ein Oberlippenbart einen Mittzwanziger optisch problemlos zu einem 40-jährigen macht. Doch er ist nicht das einzige Beispiel für alt machende Frisuren im Fußballsport.

In der Saison 1985/86 trugen noch mehr als 150 Bundesligaspieler einen Oberlippenbart, 15 Jahre später war es nur noch einer, der damalige Berliner Ali Daei. Aus heutiger Sicht mag man sich fragen, was die Leute damals zum Tagen einer „Rotzbremse“ bewogen hat. Oder besser gesagt immer noch bewegt: Rudi Völler etwa konnte sich bis heute nicht von seinem Schenkelbesen trennen.

Das Marco Bode-Phänomen

Andere hingegen schon. Vor allem das Beispiel Marco Bode macht deutlich, dass das Abrasieren oft die beste aller Möglichkeiten ist. Oder wie kann man sich sonst den optischen Unterschied zwischen dem 22-jährigen Marco Bode, der eher wie Benno, der LKW-Fahrer aussieht, und dem knapp 30-jährigen Marco Bode erklären, den man auch getrost für einen gutmütigen ewigen Philosophie-Studenten halten könnte?

Neuere Fälle, die meine These der optischen Alterung durch Gesichtsbehaarung untermauern, gibt es natürlich auch. Ein prominentes Beispiel ist Christoph Metzelder. Der Schalker ließ sich einst während Welt- und Europameisterschaften bzw. während des Auskurierens seiner zahlreichen Verletzungen mit Vorliebe einen Bart stehen. Dadurch erinnerte Metzelder zu Hochzeiten eher an den jungen Ayatollah Khomeini als an einen schwerreichen Fußballstar, aber das ist ja wohl Geschmacks- und Ansichtssache.

Ein ganz aktuelles Beispiel ist der Rostocker Matthias Holst. Zu Beginn der vergangenen Saison sah er noch aus wie ein adretter junger Mann, Typ Schwiegersohn, mittlerweile wäre Mutti wohl eher skeptisch. Erklärung: Zum einen verfügt Holst augenscheinlich über einen unglaublichen naturgegebenen Bartwuchs, zum anderen verzichtet er wie Metzelder so lange auf die Rasur, bis er nach einer Verletzung wieder zum Einsatz gekommen ist. Das ist ins Holsts Fall schon ein wenig länger her. Aber die 2. Liga startet am Freitag. Bleibt zu hoffen, dass sein Trainer Peter Vollmann ihm zumindest ein paar Minuten schenkt.

Der Kerstin-Stegemann-Effekt

Gleiches Recht für alle, darum dürfen auch die Damen nicht fehlen. Bei den Ladys geht es zwar weniger um den Faktor Oberlippen-(Damen)-Bart, aber auch bei ihnen gibt es Beispiele dafür, wie sehr die Haartracht das Erscheinungsbild beeinflusst. Erstmals aufgefallen ist mir dieses Phänomen bei der ehemaligen deutschen Nationalspielerin Kerstin Stegemann, nach der ich diesen Effekt folgerichtig auch benannt habe.

Stegemann brachte einst das Kunststück fertig, mit Anfang 20 auszusehen wie eine hessische Hausfrau um die 40. Auch Ähnlichkeiten mit dem Sams sind unverkennbar. Später in ihrer Karriere entschied sie sich für einen neuen „Style“. Dadurch sah sie mit Anfang 30 aus wie Ende 30. Immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Da Capo: Der Combover, die ultimative Fußballerfrisur

Arjen Robben, Wesley Sneijder, Esteban Cambiasso – die Reihe der aktuellen Fußballstars mit Platte ist lang. Die wenigsten von ihnen haben sich freiwillig für die pflegeleichteste aller Frisuren entschieden. Vielmehr hat ihnen Mutter Natur auf die Sprünge geholfen, irgendwann haben sie dann zum Rasierer gegriffen und den Rest einfach entfernt. So ist die Mode halt heute.

Vor 40, 50 Jahren stand der Kojak-Look noch für die wenigsten Spieler zur Diskussion. Ikonen, wie Alfredo di Stefano etwa, behielten was sie hatten, in der Hoffnung auf ein Wundermittel. Das entdeckte Bobby Charlton, Englands größter Fußballer aller Zeiten. Er importierte den Combover (in Deutschland vor allem von Ernst Huberty kultiviert) auf die Fußballplätze dieser Welt. Allerdings war das Herüberkämmen nur eine halbgare Angelegenheit: Was gestriegelt beim Fototermin noch ganz passabel wirkte, sah im Eifer des Gefechts ziemlich lächerlich aus. Aber naja, vielleicht konnte sich Sir Bobby dadurch zumindest ein paar Gegenspieler vom Hals halten.

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