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Aug
22

Mein Gott, Magath! – Hoffnung für alle Ishiakus dieser Welt

Die Finanzmärkte spielen verrückt, das Wetter ebenfalls, Libyen kämpft um seine Freiheit. Die Welt ist gewissermaßen im Wandel (Danke, Herr Tolkien). In so turbulenten Zeiten freut man sich über jede Konstante. Zum Beispiel darüber, dass Felix Magath jedes Jahr gegen Ende August alles verpflichtet, was zwei Beine hat.

Felix Magath mag ein guter Fußballtrainer sein. Ein guter Personaler ist er sicherlich nicht. Sein „System“ bei Transfers ist der freien Wirtschaft nicht zur Nachahmung empfohlen. Es würde zwar die Arbeitslosigkeit senken, zugleich aber auch die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft eindämmen.

Das „System Magath“

Das „System Magath“ funktioniert wie folgt: Ich spare mir Bewerbungsgespräche (=Scouting) und besetze eine Planstelle einfach mit vier bis fünf Kräften, die mir irgendwann schon einmal über den Weg gelaufen und/oder billig zu haben sind. Einer von denen wird schon was taugen. Mit den anderen können sich dann meine Praktikanten (=die Co-Trainer sowie die Trainer der Zweiten Mannschaft) oder mein Nachfolger herumschlagen. So hat Felix Magath es in seiner ersten Amtszeit beim VfL Wolfsburg (2007-2009) und danach beim FC Schalke (2009-März 2011) gehandhabt. Und so verfährt er (sich?) nun auch nach seiner Rückkehr in die VW-Stadt.

Bis vor ein paar Tagen war Felix Magath erstaunlich defensiv gewesen auf dem Transfermarkt. Ein paar Deals waren bereits fix, bevor Magaths Rückkehr nach Wolfsburg besiegelt war. Während der aus Frankfurt geholte rechte Außenbahnspieler Patrick Ochs von Magath noch häufig eingesetzt wird, fristet Stürmer Srdjan Lakic (16 BL-Tore in 2010/11) ein Reservistendasein.

Fast schon gezielte Magath-Verpflichtungen sind der Innenverteidiger Marco Russ, Nationalspieler Christian Träsch für das Mittelfeld, Spielmacher-Talent Mateusz Klich und Magaths alter Lieblingsschüler Hasan Salihamidzic für die Außenbahnen. In der letzten Woche kam nun mit Thomas Hitzlsperger ein Ex-Nationalspieler hinzu, der trotz guter Leistungen im letzten Halbjahr bei West Ham United ohne Vertrag war.

Panikkäufe nach dem 1:4 in Mönchengladbach

Heute allerdings überschlagen sich die Meldungen über kurz bevorstehende bzw. bereits getätigte Transfers als Reaktion auf das 1:4 in Mönchengladbach vom Freitag. Und während bislang Verstärkungen im Sturm als dringlichste Maßnahmen galten, hat Felix Magath nach den jüngsten vier Gegentreffern vor allem beim Blick auf seine Abwehr Muffe gekriegt. Wie lässt es sich sonst erklären, dass vermutlich mindestens drei Verteidiger in den nächsten Tagen zur Mannschaft stoßen werden? Und welche erst!

Das Zeug zum „Next Ali Karimi“ hat der Brasilianer Chris. Der 32-jährige Defensiv-Allrounder ist derzeit vereinslos und deswegen ablösefrei. Chris ist aber auch nicht mehr der Jüngste, unglaublich verletzungsanfällig und – wenn denn mal fit – oft am Rande zum Platzverweis unterwegs. Sofern er den Medizincheck besteht, wird er zum Team stoßen.

Den obligatorischen Check bereits bestanden hat der kroatische Linksverteidiger Hrvoje Cale (26), der dem von Magath unlängst als Kapitän abgesetzten Marcel Schäfer Konkurrenz machen soll. Cale spielte zuletzt beim türkischen Vizemeister Trabzonspor. Vor seinem Wechsel in die malerische Autostadt war er schon bei verschiedenen Bundesligisten ein Thema. Beeindruckend seine Quote von 10 Gelben Karten in 23 Spielen in der letzten Super Lig-Saison.

Der vierte Ex-Frankfurter im VfL-Kader nach Ochs, Russ und Chris könnte der Grieche Sotirios Kyrgiakos (32) werden. Der baumlange Innenverteidiger mit der wallenden Mähne steht beim FC Liverpool unter Vertrag, wo er allerdings nur sehr sporadisch zum Zug kommt. Kyrgiakos dürfte relativ günstig zu haben sein und Simon Kjaer ersetzen. Der Däne geht auf die Kappe von Ex-Manager Dieter Hoeneß und war vor allem eines: teuer. Sein Wechsel zu Juventus Turin steht bevor – dorthin hat Magath gute Kontakte, die „alte Dame“ hat ihm auch schon Andrea Barzagli abgenommen…

Wer kommt noch?

Felix Magath hat noch knappe zehn Tage Zeit bis zum Ende der Wechselperiode. Cale, Chris und Kyrgiakos nicht eingerechnet, umfasst der VfL-Kader bereits 32 Spieler. Selbst wenn man noch einen Abnehmer für Kjaer, den mittlerweile vom Training freigestellten Diego und Patrick Helmes finden sollte, könnte die 40er-Marke durchaus noch fallen. Erst recht, wenn es am kommenden Samstag in Freiburg was auf die Mütze geben sollte. Gut möglich auch, dass Magath sich bei der Gelegenheit gleich den Cissé einpacken lässt. 15 Millionen kann der VW-Konzern sicher noch auftreiben.

Aber auch alle anderen Spieler auf Vereinssuche können noch hoffen. Ein Manasseh Ishiaku etwa würde die Breite in der Spitze beim VfL sicher verdichten. Und spielt eigentlich noch Serge Branco, den Magath einst nach Frankfurt und Stuttgart lotste? Man darf gespannt sein – und sich für die nächsten zehn Tage ausnahmsweise die VfL-Webseite als Lesezeichen in seinem Browser anlegen. Sonst verpasst man am Ende noch was.

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